Kassel. An diesen Jungen wird sich der Inhaber der Mini-Cross-Strecke auf Sylt wohl lange erinnern. Finn Wiedersprecher, vier Jahre alt, war hartnäckig. Richtig hartnäckig. Er wollte unbedingt auf den Motorrädern fahren. Doch das war für Kinder unter sechs Jahren verboten. Eigentlich.

Finn in Aktion: Fast jedes Wochenende verbringt er auf der Motocross-Strecke. Foto: nh
Finn bohrte so lange, bis es die Ausnahme gab. Abends, nach Feierabend, durfte er ein paar Runden drehen.
„Und da war es um ihn geschehen“, blickt Mama Simone fünf Jahre später zurück. Seitdem ist im Leben der Zwillinge Finn und Tim viel passiert. Kaum wieder zuhause, musste eine Yamaha PW 50 her. Im Gespann fuhren Finn und Tim auf der Wiese vor dem Haus. Als das einigen Anwohnern zu laut wurde, wechselten die Jungs die Strecke und schlossen sich mit einem zweiten Motorrad dem Enduro-Club Hofgeismar an. „Da konnten wir jedes Wochenende fahren“, sagt Finn.
Mit fünf Jahren der Schock. Finn stürzte auf der Strecke schwer. Auf einem Sprunghügel wollte er fahren wie die Großen. Er schlug den Lenker um – und nicht wieder zurück. Finn landete auf dem Kinn und tastete ein Dreivierteljahr kein Motorrad mehr an. Als er zurück auf dem Zweirad war, stand für ihn fest: Er will nicht nur trainieren, er will auch Rennen fahren. 2009 ging er auf seiner Heimatstrecke erstmals an den Start. „Ich wurde Vorletzter“, erzählt Finn – und ist stolz, dass er zumindest einen Rivalen hinter sich ließ.
2010 startete er in seine erste Motorsport-Ring-Meisterschaft in der Klasse 50 ccm Minis. „Er hat das Gefühl im Hintern und fährt mit Köpfchen“, lobt Papa Marcus. Der Lohn für eine konstante Saison war der dritte Platz.
„Es ist ein tolles Gefühl, auf dem Treppchen zu stehen“, sagt Finn, der inzwischen für den MSC Meckbach im Kreis Hersfeld/Rotenburg fährt. Der Podestplatz spornte Finn an. Nach einem zweiten Rang 2011 startet der Junge aus dem Kasseler Süsterfeld in diesem Jahr bei den Großen, wie er es nennt. Er fährt die im April beginnende Meisterschaft auf einer 65-ccm-Maschine mit sechs Gängen. „Damit komme ich noch nicht gut zurecht, aber das wird schon“, ist Finn zuversichtlich.
Überhaupt wird sich vieles ändern: Von der Kinder- geht es auf die Erwachsenenstrecke, und Finn zählt nicht mehr zu den ältesten: In seiner Gruppe fahren Neun- bis Zwölfjährige. Finns Ziel: Platz fünf bis sechs. Denn er kennt seine Stärken: „Wenn ich vorn bin, überholt mich keiner. Da mache ich mich breit.“
Von Anke Laumann



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