„Wir werden die WM genießen“

Samstagsinterview: Lena Menzel und Julia Schaefers starten bei den U20-Titelkämpfen der Leichtathleten

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1116.07.1016.07.10|mehr Regionalsport|
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Kassel. Die kommende Woche wird für sie eine der aufregendsten ihres Lebens. Nicht ohne Grund. Die Nordhessinnen Julia Schaefers und Lena Menzel starten bei der am Montag beginnenden Leichtathletik-U20-Weltmeisterschaft über 400 Meter im kanadischen Moncton. Beide laufen in der 4x400 Meter-Staffel, die am nächsten Wochenende ausgetragen wird. Schaefers tritt ab Dienstag zudem im Einzel an. Wir trafen die beiden vor ihrem Abflug zum Gespräch.

Ihre Leidenschaft gehört der Tartanbahn: Lena Menzel (links) und Julia Schaefers vertreten Nordhessen bei der U20-Weltmeisterschaft in Kanada. Foto: Herzog/ Montage: Trolp

Ihre Leidenschaft gehört der Tartanbahn: Lena Menzel (links) und Julia Schaefers vertreten Nordhessen bei der U20-Weltmeisterschaft in Kanada. Foto: Herzog/ Montage: Trolp

Das neue Trikot passt. Sie starten das erste Mal bei einer WM für Deutschland. Wie fühlt es sich an?

Julia Schaefers: Super. Jeder Sportler hat das Ziel, mal das Nationaltrikot zu tragen.

Lena Menzel: Ich bin stolz, froh und glücklich. Dabei habe ich bis zur letzten Sekunde gar nicht dran geglaubt, dass ich auch tatsächlich nominiert bin.

Hand aufs Herz: Fühlen Sie sich jetzt nicht auch ein wenig wie kleine Stars?

Schaefers: Nicht unbedingt. Aber beim Sportfest, bei dem ich in der vergangenen Woche war, haben sich viele mit mir gefreut. Das war schön.

Menzel: Ich habe mich gewundert, wie schnell die Nachricht von der Nominierung die Runde gemacht hat. In meinem Heimatort haben mich viele einfach angesprochen und mir gratuliert. Diese Anerkennung ist schon schön.

War die WM denn das Saisonziel?

Schaefers: 2009 haben wir schon mal drüber gesprochen. Aber eher im Sinne von: Wer schafft es schon zur U20-WM? Aber im Winter war es realistisch und wir haben unser Training darauf ausgerichtet.

Menzel: Ich war lange angeschlagen und kannte die Ursache nicht. Aber seit dem Winter habe ich mich dann auch gezielt vorbereiten können.

Dank derer hoffen Sie in der Staffel auf das Finale, im Einzel auf Bestzeit. Wie gehen Sie in die WM-Rennen?

Schaefers: Ich mache mir keinen Stress. Es erwartet ja keiner etwas. Die Staffel wird cool. Auch wenn ich Angst habe, das Holz zu verlieren.

Menzel: Ich finde die Staffel deutlich entspannter als ein Einzelrennen. Schließlich sind wir zu viert.

Bedeutet die WM auch Verzicht?

Schaefers: Bei mir nicht. Ich hatte keine größeren Pläne für den Sommer, von daher kommt mir die WM nicht in die Quere. Aber so stark darauf fixiert war ich sowieso nicht.

Menzel: Ich habe einen Urlaub mit meinen Freunden abgesagt. Aber das ist mir nicht schwer gefallen. Es hat sich ja auch gelohnt.

Das klingt alles so leicht. Aber Sie absolvieren sechs Trainingseinheiten pro Woche. Und laufen eine der anspruchsvollsten Strecken in der Leichtathletik: die 400 Meter.

Menzel: So anstrengend ist das gar nicht. Ich komme von den 800 Metern und anfangs habe ich immer gedacht: Oh wie schön, ich muss nur die Hälfte laufen.

Schaefers: Ich habe mit 100 und 200 Metern begonnen. Zugegeben, im direkten Vergleich sind die 400 Meter schon die härtere Strecke. Aber ich laufe die Stadionrunde seit zwei Jahren und variiere sie immer wieder mit kürzeren Distanzen.

Das Abi haben Sie in der Tasche. Sie werden Kassel verlassen. Viele Athleten wechseln dann auch den Verein.

Schaefers: Ich kann zwar nicht mehr in Kassel trainieren, aber eine doppelte Mitgliedschaft ist ja möglich. Ich würde gern weiter mit meinem Trainer Michael Hocke zusammenarbeiten. Wir kennen uns schon so lange und harmonieren super.

Menzel: Das sehe ich genauso. Aber wenn man etwas erreichen will, dann muss man auch irgendwann den Schritt zu einem anderen Klub machen. Das wird jeder verstehen.

Aber Sie wollen weitermachen mit der Leichtathletik, oder? Die Frage stellt sich, denn manchmal beenden Athleten die Laufbahn, wenn sich das Leben grundlegend verändert.

Schaefers: Nein, wir machen auf jeden Fall weiter. Jetzt geht’s doch erst richtig los mit der Karriere.

Menzel: Ich kann mir auch ein Leben ohne Sport gar nicht mehr vorstellen. Die Olympischen Spiele 2012 sind noch ein wenig weit weg, aber bald wechseln wir in den Frauenbereich.

Wissen Sie schon, was da auf Sie zukommt?

Schaefers: Da werden die Karten neu gemischt, die Konkurrenz ist da gerade im Jahrgang über uns sehr stark.

Menzel: Genau. Da müssen wir uns neu behaupten. Gerade deshalb ist die WM jetzt klasse. Wir werden die Zeit genießen.

Von Michaela Streuff

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