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Volker Oelze im Interview über seinen Kampf gegen Doping im Triathlon

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Teure Aufklärungsarbeit: Eine Dopingkontrolle kostet rund 180 Euro. Flächendeckend kann so nicht kontrolliert werden, mehr als Stichproben sind aus Kostengründen nicht drin. Fotos: dpa

Northeim. „Wenn ich etwas mache, dann richtig.“ So lautet das Lebensmotto von Volker Oelze aus Northeim. Seit Mitte der neunziger Jahre engagiert er sich im Kampf gegen Doping im Triathlon.

Vor kurzem wurde er zum Anti-Doping-Koordinator der Deutschen Triathlon-Union ernannt und schult nun Trainer, Athleten und Kontrolleure. Wir sprachen mit ihm über seinen deutschland- und europaweiten Einsatz, und warum er oft lachen muss, wenn er die Sportschau sieht.

Herr Oelze, seit ein paar Wochen sind die Radfahrer wieder bei den Frühjahrs-Klassikern unterwegs. Das Thema Doping fährt ja bei diesem Sport mittlerweile immer mit. Wie sehen Sie das als Doping-Experte?

Volker Oelze: Ich kann das nur mit meiner jahrelangen Erfahrung aus dem Triathlon vergleichen. Aber wenn ich in der Sportschau einen Bericht über ein Radrennen sehe, dann muss ich meistens laut lachen.

Warum das denn?

Oelze: Ich versuche im Zieleinlauf immer den Chaperon (Anm. d. Redaktion: Begleiter) zu finden, der sich den Sieger schnappt und ihn bis zum Dopingtest nicht mehr aus den Augen lässt. Meistens finde ich aber keinen. Und wenn ich dann sehe, dass die Sportler erstmal in ihren Teambussen verschwinden, wohl gemerkt bevor sie sie kontrolliert wurden, dann denke ich mir, dass das doch eigentlich gar nicht wahr sein kann. So kann der Radsport nicht sauber werden.

Bei Ihnen im Triathlon sieht das also anders aus.

Oelze: Auf jeden Fall. Ich bin seit Mitte der neunziger Jahre dabei. Seitdem hat sich viel getan im Doping, aber natürlich auch bei den Kontrollen. Das Prinzip des Chaperons läuft bei uns seit dem Jahr 2004 sehr gut. Das bedeutet, dass der Sportler nach dem Zieleinlauf übernommen und nicht mehr aus den Augen gelassen wird. So kann niemand mehr manipulieren und seine Urinprobe verfälschen. Außerdem gibt der Chaperon Hinweise, wenn der Sportler Gefahr läuft, einen Fehler zu machen. Beispielsweise, wenn er etwas trinken will, dass aus einer nicht versiegelten Flasche kommt. Da kann alles mögliche drin sein.

Und bei der Probe selbst? Da gab es mysteriöse Geschichten über Beutel, in die Fremd-Urin abgefüllt sein soll.

Oelze: Keine Chance. Die Sportler stehen nackt vor mir. Wenn da so etwas wäre, würde ich es sehen. Eine Zeit lang war ein Mittel beliebt, dass eine Urinprobe unbrauchbar machte. Das haben sich die Sportler auf die Hand gemacht und dann ihren Urin darüber laufen lassen. Bei mir wäscht sich vor der Probe jeder gründlich die Hände. So einfach kann das sein.

Also wird im Triathlon besser kontrolliert als im Radsport?

Oelze: Ich denke schon. Wir haben im vergangenen Jahr 592 Trainingskontrollen gemacht, die Radsportler 608. Wohlgemerkt haben die aber drei bis vier Mal so viele Veranstaltungen. Wir vom Triathlon können uns da sehen lassen, wir haben uns etwas aufgebaut.

Was kostet eigentlich eine Dopingkontrolle?

Oelze: Die Laborkosten für eine Urinprobe liegen bei 180 Euro. Deshalb sind flächendeckende Kontrollen nicht möglich, das wäre viel zu teuer.

Und wie oft erwischen Sie jemanden beim Dopen?

Oelze: Das sind vielleicht fünf oder sechs Proben im Jahr, die positiv sind. Maximal. Allerdings sind dort auch häufig Sportler dabei, die wegen einer Krankheit Medikamente nehmen. Und die vergessen dann manchmal, sich vorher eine Genehmigung von uns zu holen.

Von Marco Washausen

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