Ehrenamtsbeauftragter Jürgen Dietrich im HNA-Interview über die Bedeutung des Ehrenamts

„Beckenbauer war das falsche Vorbild“

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Macht sie für das Ehrenamt stark: Der Dörnberger Jürgen Dietrich.

Hofgeismar/Wolfhagen. Bis Ende des Monats können die Vereine im Fußballkreis Hofgeismar/Wolfhagen noch ihre Meldungen für den Ehrenamtspreis des DFB beim Ehrenamtsbeauftragten Jürgen Dietrich (Dörnberg) abgeben. Unser Mitarbeiter Ralf Heere sprach mit Dietrich.

Herr Dietrich, Kaiser Franz Beckenbauer hat sich mit lukrativen Werbeverträgen sein Ehrenamt vergoldet. Haben Sie Ideen um das Ehrenamt lukrativer für die Vereinsmitarbeiter auf der untersten Ebene zu machen?

Jürgen Dietrich: Es tut mir leid um die Lichtgestalt des deutschen Fußballsports. Jeder weiß und wusste, dass er weder als Spieler noch als Funktionär ohne Gage nicht zu bekommen war und ist. Schlimmer ist die Tatsache, dass er versucht hat, vielen Menschen in diesem Land glauben zu machen, dass er als Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft auch etwas Ehrenamtliches geleistet habe. Damit hat er sich selber von seinem Sockel gestoßen und ist für uns alle, die ehrenamtlich tätig sind, schon immer das falsche Vorbild gewesen. Aber um die Frage zu beantworten: Nein, in diesem Zusammenhang habe ich keine Idee, um das Ehrenamt lukrativer zu machen.

Diesmal werden besonders die Teamplayer im Alter 16 bis 30 Jahren angesprochen, mangelt es etwa in diesem Bereich an Ehrenamtlichen?

Dietrich: Grundsätzlich mangelt es an Ehrenamtlichen in unseren Vereinen. Vor allem aber bei der Besetzung der Führungspositionen haben viele Vereine mittlerweile erhebliche Probleme. Auch das Durchschnittsalter ist deutlich gestiegen. Hier gilt es, junge Menschen zu begeistern, um sie in die Vereinsarbeit mit einzubinden und vielleicht den ein oder anderen für eine solche Führungstätigkeit zu gewinnen

Das Ehrenamt – Unentgeltlich aber unbezahlbar, wie können Sie diese Mitarbeiter am besten motivieren?

Dietrich: Hier kommt der sogenannte „Leader“ ins Spiel. In jedem Verein steht er auf oder neben dem Platz. Es sind Menschen, die Visionen haben, äußerst kreativ sind, mit gutem Beispiel voran schreiten und somit andere begeistern. Also grundsätzlich gibt es die Voraussetzungen in nahezu jedem Verein,

Warum sind diese Mitarbeiter so wichtig für den Fortbestand des Vereinsfußballs?

Dietrich: Besuche am Sonntag irgendeinen Fußballplatz im Fußballkreis Hofgeismar-Wolfhagen und stell Dir vor, keiner der ehrenamtlichen Helfer wäre anwesend. Ich bin mir sicher, das Spiel kann nicht angepfiffen werden. Ich denke, soweit darf es doch nicht kommen, oder?

Was erwartet die Preisträger bei der Veranstaltung im kommenden Jahr?

Dietrich: Bei unserer Ehrungsveranstaltung erhalten alle Preisträger der DFB Aktion Ehrenamt und der Aktion Fußballhelden Urkunden und kleine Präsente und was noch viel wichtiger ist, die Aufmerksamkeit und Wertschätzung der Öffentlichkeit. Der jeweilige Kreissieger erhält darüber hinaus noch eine zusätzliche Anerkennung auf Verbandsebene. Bei der Aktion Fußballhelden gibt es eine Fußballbildungsreise nach Spanien im Frühjahr und bei der Aktion Ehrenamt ein Dankeschön-Wochenende im Sporthotel Grünberg verbunden mit dem Besuch eines Fußball-Bundesligaspiels.

Sind Sie mit den Rückläufen der Vereine auf ihre Aufforderung bisher zufrieden?

Dietrich: Nein, war ich noch nie. Immer noch viel zu viele Vereine machen von dieser Aktion keinen Gebrauch. Dabei ist es doch so einfach und mit einem ganz geringen Zeitaufwand verbunden, einem, stellvertretend für die vielen anderen, ehrenamtlichen Vereinsmitglied, über diese Aktion einmal Danke zu sagen.

Info: Der Abgabestichtag für die Vereine wurde vom 30. September auf den 9. Oktober verlängert. Das Formular steht auf der Homepage www.kfa-hofgeismar-wolfhagen.hfv-online.de

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