Zwei Fußballvereine in Hofgeismar – Am Sonntag erstes Derby – Gerüchte, Gespräche und Gefeilsche

Die TSG, der FC Inter und das Geld

Inter-Chef Burhan Seremet

Hofgeismar. Vor dem Derby in der Fußball-Kreisliga C, in dem morgen um 15 Uhr der FC Inter auf dem Jahnsportplatz die TSG Hofgeismar II empfängt knirscht es hinter den Kulissen. Zwar bemühen sich die Verantwortlichen um Sachlichkeit, doch die alt eingesessene TSG und der Neuling Inter sind nicht das, was man gute Freunde nennt. Konfliktstoff bietet derzeit das Geld. Gerüchte machen in Fußballkreisen die Runde, dass die TSG den Jahn-Sportplatz, der der Stadt gehört, an den neuen Verein vermieten und dafür kräftig kassieren möchte. Wir versuchen Licht ins Dunkel zu bringen.

?Will die TSG Geld von Inter für den Jahnsportplatz, obwohl ihr der Platz nicht gehört?

!Ja und Nein. Richtig ist: Der Platz gehört der Stadt. Die TSG hat, wie auch für das Angerstadion, einen langfristigen Nutzungsvertrag. Darin sind, so TSG-Chef Reinhard Priem, Rechte und Pflichten aufgelistet. Eine der Pflichten, so Priem: Wie jeder normale Mieter muss die TSG für die Wasser- und Energiekosten aufkommen. Je nach Saison kommt da ein erklecklicher Betrag zusammen. Von 4000 Euro ist die Rede. An diesen verbrauchsabhängigen Kosten will die TSG den FC Inter beteiligen. Gleiches gelte für die Reinigungskosten.

?Warum sträubt sich der FC Inter dagegen?

!Die Forderungen der TSG seien viel zu hoch, sagt Inter-Chef Burhan Seremet. Für zwei Stunden Training verlangt die TSG 35 Euro, für Flutlicht fünf Euro und fürs Duschen 15. „Das können bis zu 500 Euro im Monat sein“, rechnet Seremet vor und vermutet, dass die TSG den neuen Konkurrenten finanziell ausbluten lassen möchte. Als Grund vermutet er, dass die TSG Angst habe, dass der neue Verein schon sehr bald höher spielen werde, als die TSG.

?Ist der FC Inter wirklich so stark?

!Er hat eine gute Mannschaft und sein selbst gestecktes Ziel, in zwei Jahren in der A-Klasse zu spielen, ist nicht unrealistisch.

?Geht es der TSG also darum, den Konkurrenten außerhalb des Spielfelds zu bezwingen?

!Nein, sagt Priem. Man habe sich stets gesprächsbereit gezeigt. Auch wenn es innerhalb der TSG kritische Stimmen gebe, so hätten die Verantwortlichen dem neuen Verein umgehend Trainingszeiten gegeben. Auch jetzt trage Inter seine Punktspiele dort aus – ohne sich bislang an den Kosten zu beteiligen.

?Warum sprechen beide Vereine nicht miteinander?

!Das Klima zwischen beiden ist nicht das beste. Einige Inter-Akteure waren früher bei der TSG. Doch es gibt noch ein weiteres Hindernis: die unterschiedliche Auffassung der Verantwortlichen.

?Welche Meinung vertritt die TSG?

!Die Linie ist klar: „Wir haben einen Nutzungsvertrag mit der Stadt. Wenn ein anderer Hofgeismarer Verein den Platz nutzen will, muss er mit uns sprechen“, sagt Priem. Dabei will er aber wissen, ob sein Gesprächspartner auch tatsächlich befugt ist, namens des neuen Vereins zu verhandeln. Nach Priems Worten gebe es dort mehrere potenzielle Ansprechpartner. Um sicher zu sein, mit dem richtigen zu sprechen, möchte er einen Auszug aus dem Vereinsregister sehen. „Der Ball liegt bei Inter“, sagt Priem. Man habe dem Verein die finanziellen Vorstellungen der TSG genannt und darum gebeten, den verantwortlichen Verhandlungsführer mittels Registerauszug zu benennen.

?Und was sagt der FC Inter dazu?

!Wenn die TSG dem FC Inter nicht glaubt, solle sie sich den Registerauszug selbst besorgen, sagt Seremet. Außerdem sei für ihn nicht die TSG der erste Ansprechpartner, sondern die Stadt als Eigentümerin des Sportplatzes. „Wir sind Hofgeismarer und zahlen hier unsere Steuern“, sagt er. Deshalb wende er sich auch an die Stadt.

?Wie verhält sich die Stadt in der Angelegenheit?

!Diplomatisch. „Die Stadt begrüßt es, wenn es noch einen weiteren Fußballverein gibt“, sagt Bürgermeister Markus Mannsbarth.

?Hat die Stadt zu der Angelegenheit nicht mehr zu sagen ?

!Doch. Aber sie bleibt diplomatisch. Auf der einen Seite unterstützt Mannsbarth die Forderung der TSG nach einem Auszug aus dem Vereinsregister. Er lobt die TSG auch, weil sie „Inter wirklich immer entgegen kommen ist.“ Allerdings deutet er auch an, dass er die finanziellen Forderungen der TSG für „eventuell überzogen“ hält.

?Wird jetzt über diese Summe verhandelt und wenn ja, wann?

!Vermutlich wird gefeilscht. Mannsbarth: „Ich habe alle zu einem Gespräch eingeladen.“ Nächste Woche wird es vermutlich sein.

?Und was ist dran an den Gerüchten, dass die Stadt dem FC Inter Zusagen machte, ohne mit der TSG zu sprechen?

!Offensichtlich nichts. Als Mannsbarth im Frühjahr von Inter wegen eines Sportplatzes kontaktiert wurde, hat er vor einer Zusage an Inter mit Priem gesprochen, sagt Mannsbarth. Es sei alles ganz korrekt gelaufen. „Wir haben gesprochen. Er hat angerufen“, bestätigt Priem.

Von Michael Rieß

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