Interview: Carsten Lakies über das schnelle Ende seines Engagements als Co-Trainer in Japan

Auch am Dolmetscher gescheitert

Wo ist ein Job für ihn? Für Carsten Lakies ist das Unternehmen Japan beendet. Archivbild: Fischer

Kassel. Carsten Lakies hatte gerade den Sprung in den erlauchten Kreis der deutschen Trainer geschafft, die sich Inhaber der Fußballlehrer-Lizenz nennen dürfen, da begann schon das große Abenteuer. Der Kasseler wurde Co-Trainer von Marco Pezzaiuoli, der beim japanischen Erstligisten Cerezo Osaka angeheuert hatte. Das war im Juni. Aber im September war Lakies schon wieder zu Hause. So ist Fußball.

Herr Lakies, warum war Ihr Engagement in Japan so schnell zu Ende?

Carsten Lakies: In der Liga war die Bilanz nicht gut. Nach zwölf Spielen hatten wir viermal unentschieden gespielt und acht Spiele verloren. Trotzdem kam die Entlassung überraschend, denn wir hatten gerade mit dem Präsidenten Pläne für die kommende Saison gemacht. Aber dann hat der Hauptsponsor sein Veto eingelegt. Er wollte einheimische Trainer.

Warum?

Lakies: Er sagt, Japaner könnten Japaner leichter bei der Ehre packen. Angesichts der Sprachprobleme ist das auch gar nicht so abwegig. Wir hatten einen Dolmetscher, der den Spielern alles Mögliche erzählt hat, nur nicht das, was Marco oder ich gesagt hatten.

Das hört sich jetzt so an, als ob Sie es bereut hätten, sich in das Abenteuer Japan zu stürzen.

Lakies: Nein, denn es war toll, die japanische Mentalität kennenzulernen. Beim Fußball macht sich die Mentalität dadurch bemerkbar, dass äußerst fair - geradezu körperlos - gespielt wird. Und im Alltag ist der Umgang miteinander mehr von Respekt geprägt als in Deutschland. Ein Beispiel: Marco hat in Restaurants oft sein Handy oder sein Portemonnaie vergessen. Er hat beides immer zurückbekommen.

Gibt es noch andere Unterschiede beim Fußball?

Lakies: In Deutschland sind die Klubs aus taktischer und trainingswissenschaftlicher Sicht weiter. In Japan ist das technische Niveau hoch, kann aber die Defizite in den anderen Bereichen nicht ausgleichen.

Als Spieler und Trainer waren Sie bei 16 Vereinen. Was hat Sie daran gehindert, sesshaft zu werden?

Lakies: In Darmstadt war ich drei Jahre. Da war ich sesshaft. Ich war aber auch bei Vereinen wie Bayern München. Dort hatte ich Weltstars wie Jürgen Klinsmann und Giovane Elber als Konkurrenten. Es war nicht leicht, sich gegen diese Spieler durchzusetzen.

Da Sie bei 13 Vereinen als Spieler engagiert waren, hatten Sie mindestens 13 Trainer. Von wem haben Sie am meisten gelernt?

Lakies: Giovanni Trapattoni war ein sehr guter Trainer, und auch von Jogi Löw habe ich mir viel abgeguckt.

Welchen Job würden Sie nehmen, wenn Sie die freie Auswahl hätten?

Lakies: Also, damit das jetzt niemand falsch versteht. Realistisch ist das nicht, was ich jetzt sage, aber Bayern München ist der beste Verein.

Und realistisch?

Lakies: Über den Umweg als Co-Trainer kann ich es vielleicht nochmal in den Profi-Bereich schaffen. Nach dem Engagement in Japan kann ich mir aber auch einen weiteren Auslandsaufenthalt vorstellen.

Zum Schluss ein Blick nach vorn: Wo treffen wir Sie im November 2015?

Lakies: Ich werde vermutlich einen Trainerjob in einem Ort haben, den man von Kassel aus zu Fuß nicht erreichen kann.

Von Gerd Brehm

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