„Ich komme noch ohne Ersatzteile aus“

Fußball-Entwicklungshelfer Holger Obermann wird 80 – Weltenbummler stammt aus Kassel

H. Obermann (2013)

Kassel. Es sind nur wenige Menschen aus dem Kasseler Stadtteil Kirchditmold, die auch entlegene Winkel des Globus entdeckt haben. Holger Obermann aber ist als Journalist, Trainer und Fußball-Entwicklungshelfer so viel herum gekommen, dass man ihn getrost als Weltenbummler bezeichnen kann.

Ruhiger sei er geworden, zwangsläufig, berichtet Obermann gestern am Vorabend seines 80. Geburtstags, den er heute mit 50 Familienangehörigen, Freunden und Weggefährten in einem italienischen Restaurant in Friedrichsdorf am Taunus feiern wird. Daheim, gleich um die Ecke. „Ich bin ein wenig atemlos, wenn ich spüre, wie die Zeit vergeht. Gerade in den letzten fünf Jahren seit meinem 75.“, sagt Obermann – und lachend: „Aber es geht mir gut, ich komme auch noch ohne orthopädische Ersatzteile aus.“

Und das, obwohl der Fußball sein Leben bestimmt, den er als Labsaal für die Seele bezeichnet. Aufgewachsen bei der SG Kirchditmold, stand er später beim KSV Hessen Kassel im Tor und als Vertragsspieler auch beim Oberligisten Concordia. Dort, in Hamburg, begann er auch seine journalistische Laufbahn, die ihn von der Morgenpost nach New York, zu ABC und zum Hessischen Rundfunk führte, wo er von 1966 bis ’90 u. a. die Sportschau moderierte.

Parallel zum Berufsleben aber blieb Holger Obermann stets seiner Heimatstadt verbunden und dem Fußball treu. Er erwarb Trainerlizenzen, betreute Talente von Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach. 1990 dann begann seine Weltreise als DFB-Botschafter, die ihn im Auftrag von DFB, Fifa, DOSB oder der Bundesregierung u. a. nach Gambia, Guinea, Malaysia, Taiwan und auf die Philippinen führte, nach Afghanistan, Sri Lanka, Ost-Timor und vor allem nach Nepal.

Dort hat er in dem kleinen Dorf Kopan einen Fußballplatz plus Fußballschule für 60 Jungen und Mädchen von 8 bis 16 bauen lassen. Doch ein Erdbeben zerstörte am 24. März 2015 Vieles im Himalaya. Aber Obermann steckte nicht auf, er plante sofort den Neuaufbau.

„Viele Vereine und Verbände halfen, auch Menschen in meinem Umfeld wie Teutonia Köppern hier vor meiner Haustür“, berichtet Obermann. Auch von von der Franz-Beckenbauer-Stiftung gab’s mehrfach Geld.

Der Erfolg beseelt Jubilar Obermann auch zum 80. Geburtstag, sein Strahlen ist am Telefon spürbar: „In Kopan geht es wieder aufwärts. Wir haben ein Augenärzte-Team gewonnen, das regelmäßig die Jugendlichen untersucht. Und die Jungs der Fußballschule kümmern sich um alte und kranke Menschen in den noch immer stark beschädigten Dörfern.“

Und wenn es alles klappt, dann wird er bald auch seinen nordhessischen Weggefährten aus seinem (Fußball-) Leben berichten. „Ich will ein Wiedersehenstreffen auf die Beine stellen“, sagt Holger Obermann. „Am liebsten in Kirchditmold.“ Dort, wo alles begann.

Zum Nachlesen hat er Vieles bereits aufgeschrieben. Titel des Buches: „Mein Fußball hatte Flügel. Erlebnisse von New York bis Kabul“.

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