Was war denn da los?

"Das war kein Elfer": Fußballer korrigiert Entscheidung, Mannschaft verliert

Nein, es war nicht im Strafraum: Der Ihringshäuser Fußballer André Schrot zeigt an der Eichhecke auf die Stelle, wo sein Mitspieler gefoult wurde. Foto:  Malmus

Fuldatal. Es passiert nicht oft, dass ein Fußballer gegen eine Entscheidung des Schiedsrichters Einspruch erhebt, wenn sie seine Mannschaft begünstigt.

Schon gar nicht in brisanten Szenen. Und auch nicht bei engem Spielstand.

André Schrot vom TSV Ihringshausen II tat dies dennoch. Im Heimspiel der Fußball-Kreisliga A, Gruppe 2, gegen die TSG Wilhelmshöhe bewies der 26-Jährige Fairness, was seiner Mannschaft möglicherweise drei Punkte kostete. Was war denn da los?

Die Ihringshäuser hatten den Sieg vor Augen. Führten 2:1 und bekamen in der 49. Minute einen Elfmeter zugesprochen. Ihr Angreifer Christian Hahn war in die Zange genommen worden und zu Fall gekommen. Schiedsrichter Olaf Peine befand auf Strafstoß. „Ich stand direkt daneben und habe zu den Wilhelmshöhern gesagt, dass das Foul niemals im Strafraum passiert ist. Sie haben mich dann aufgefordert, dies dem Schiri zu melden“, berichtet Schrot. Was er prompt tat. Peine, der solches in 28 Jahren als Unparteiischer noch nie erlebt hatte, korrigierte seine Entscheidung, der Freistoß brachte nichts ein.

„Mein Einschreiten hat uns vielleicht das Genick gebrochen.“

So wurde es für den TSV nichts mit dem 3:1. Doch es kam noch schlimmer. Die Gäste glichen aus und trafen kurz vor Schluss zum 3:2-Endstand. Kein Wunder, dass bei Schrot, der am Tag zuvor seinen 26. Geburtstag gefeiert hatte, nach dem Abpfiff gemischte Gefühle aufkamen: „Mein Einschreiten hat uns vielleicht das Genick gebrochen. Aber so ist Sport. Trotzdem gehört Fairness unbedingt dazu.“

Ron-Hendrik Peesel

Im eigenen Team erntete Schrot eher Zustimmung, auch wenn sie hier und da zerknirscht ausfiel: „Die Jungs fanden das in Ordnung, Vorwürfe gab es nicht.“ Nur ein paar Sprüche. „Einige haben mich gefragt, ob ich noch Restalkohol habe“, sagt Schrot. Außer einem halben Jahr bei Eintracht Vellmar spielte der Rettungssanitäter nur für den TSV. Und zwar stets fair. Eine Gelbe oder Rote Karte sah er nie. „Ich mosere gern mal rum, aber ich kloppe keinen weg. Alle wollen montags wieder arbeiten“, sagt er.

Dass die Ihringshäuser noch unterlagen, sieht Schrot nicht nur in der verpassten Chance zum 3:1 begründet. „Wir haben kräftemäßig nachgelassen“, betont er.

Die Wilhelmshöher waren von der Ehrlichkeit angetan und klatschten Schrot ab. „Das war sensationell, gerade im Abstiegskampf. Hätten sie das 3:1 gemacht, wäre es für uns vorbei gewesen. So haben wir noch mal eine Schippe draufgelegt und es geschafft“, betont Ron-Hendrik Peesel. Der TSG-Kapitän gibt sich von Schrot ebenso beeindruckt wie seine Mitspieler: „Wir überlegen, ob wir uns für ihn noch eine besondere Aktion einfallen lassen.“

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