KSV-Frust: Löwen trauern vertaner Chance nach und etablieren sich als Abstiegskandidat

Am Boden nach einem 1:1: Marco Dawid zeigt nach der Partie gegen Ulm seine Enttäuschung. Foto: Hedler

Kassel. Trainer Stephan Baierl sprach nach der Partie seiner Ulmer in der Fußball-Regionalliga beim KSV Hessen Kassel von Spielern, „die mit einem Lächeln im Gesicht vom Platz gegangen sind".

Wenn sie vor lauter guter Laune noch den Blick für ihre Umgebung hatten, dann sahen sie wütende und enttäuschte Löwen: Torwart Niklas Hartmann etwa, der sein Handtuch auf die Bank schleuderte, oder Tim Brandner, dessen Gang in die Kabine mit einem heftigen Tritt geendet haben muss, so laut donnerte es. In dem Moment wollte man keine Tür oder Wand oder was auch immer gewesen sein.

Wer nun denkt, der KSV habe diese Begegnung verloren, und Ulm habe den ersten Sieg nach vier Niederlagen am Stück erreicht, dem sei gesagt: Das stimmt nur bedingt. Beide Mannschaften trennten sich 1:1. Aber dieses Resultat fühlte sich eben höchst unterschiedlich an: Ulm gewann 1:1, der KSV verlor 1:1. So kompliziert kann Fußball sein.

Die heimischen Löwen mussten sich ärgern, weil sie es versäumten, nach dem frühen 1:0 durch Sebastian Schmeer nachzulegen und am Ende in Überzahl verdient den Ausgleich kassierten. Innenverteidiger Henrik Giese fand nachher die passenden Worte: „So ein Spiel aus der Hand zu geben, ist sehr dumm.“ Und Trainer Tobias Cramer sagte, er sei stinksauer, wobei er das gar nicht hätte sagen müssen. Es war ihm anzusehen. „Wir bekommen das 1:1 nach einer eigenen Ecke, da kann ich die Welt nicht mehr verstehen.“

Diese Welt sieht für den KSV jetzt noch ein bisschen unfreundlicher aus als zuvor: Mit einem Erfolg hätten die Löwen eine Serie von fünf sieglosen Spielen beendet, sie hätten sich zurückgemeldet im Mittelfeld der Tabelle und ganz nebenbei Ulm überholt. Mit dem 1:1 verfestigt sich der Eindruck: Der KSV gehört zu den Abstiegskandidaten der Liga.

Das hat auch damit zu tun, dass ihm die nötige Cleverness fehlt, um solche Partie wie die gegen Ulm nach Hause zu bringen. Tobias Cramer mokierte, dass sein Team nicht schon in Halbzeit eins die Entscheidung herbeigeführt hätte, Henrik Giese vermisste die nötige Aggressivität nach der Roten Karte gegen Ulms Luca Graciotti Mitte der zweiten Halbzeit. Dass die Nachlässigkeiten mit einem Mangel an Substanz zu tun haben - dieser These widersprach Giese aber: „Diese Körner haben wir eigentlich, um solch ein Spiel zu gewinnen.“

Trotzdem bleibt der Verdacht, dass diese Mannschaft an ihre Grenzen stößt: Es fehlt an Alternativen bei einer Vielzahl an Verletzten. Die jungen Spieler wie Steven Rakk müssen durchhalten, obwohl sie mal eine Pause bräuchten. Von der Bank kommt zu wenig - mit der Folge, dass ein Lucas Albrecht während eines Spiels im Prinzip alles sein muss: Innenverteidiger und Stürmer.

Die personelle Situation wird sich kaum bessern. Nach seiner Gelb-Roten Karte wird am Samstag in Koblenz auch noch Yassine Khadraoui ausfallen. Ein Gutes hat die schnelle Folge an Spielen aber: „Wir haben kaum Zeit, über unsere vergebene Chance gegen Ulm zu grübeln“, sagt Henrik Giese. Immerhin.

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