Wladimir Weber brach sich am 9. Oktober 2015 das Bein – und ein Jahr später wieder

Was für ein Pechvogel: Gleich zweimal das Schienbein gebrochen

Im Wartestand: Noch ein paar Wochen trägt der Arolser Fußballer Wladimir Weber den Gips. Foto: mn

Bad Arolsen. Verletzungen sind beim Fußball das, was der Unfall im Straßenverkehr ist: ein gemeinhin akzeptiertes Risiko. Sie sind selten genug, damit die meisten die Lust am Kick nicht verlieren. Mitunter aber teilt das Schicksal doppelt und dreifach aus - wie bei Wladimir Weber.

Der 28 Jahre alte Spieler des TuS Bad Arolsen hat sich zweimal das rechte Schienbein gebrochen - sogar fast genau an derselben Stelle. Das erste Mal am 9. Oktober 2015, das zweite Mal am 9. Oktober 2016. Solche Geschichten schreibt der Fußball. „Das wünscht man nicht mal seinem schlimmsten Feind“, sagt Weber.

Die Folgen der ersten Fraktur hatte Weber als zwar schlimm, aber doch irgendwie handhabbar erlebt. Elf Monate lang stand er danach nicht in einem Punktspiel auf dem Platz. Die lange Abwesenheit war nicht allein der Verletzung geschuldet. In diese Zeit fiel die Geburt der Tochter im Februar und der Baubeginn am eigenen Haus einen Monat später.

Wie ein Entzug 

Aktualisiert um 18.40 Uhr

Wladimir Weber hat immer leidenschaftlich gern gespielt. Er braucht die Bewegung. Über seinen erzwungenen Fußball-Entzug sagt er: „Das ist, wie wenn ein Raucher mit dem Rauchen aufhören muss oder ein Alkoholiker mit dem Trinken.“ Weber kämpfte sich wieder in den Kader, holte sich im Training Fitness und Vertrauen zurück. Vor fünf Wochen lief er für die TuS-Reserve in der Kreisliga B für 60 Minuten erstmals wieder auf. Seine zweite Partie dauerte dann die ganzen 90 Minuten und er schoss ein Tor. „Das war gut für die Seele, ein schönes Gefühl“, sagt er.

Vor dem dritten Einsatz für die zweite Mannschaft schien Weber schon wieder reif zu sein für die „Erste“ in der Kreisoberliga. Der Trainer hatte gefragt, er hatte Lust dazu.

Das Unglück passierte in der Partie gegen Eimelrod. Weber weiß noch genau, wie. „Im Mittelkreis habe ich mir den Ball geholt, der einem Mitspieler weggesprungen war. Der Gegenspieler aus Eimelrod war da, im Zweikampf sind wir beide hingefallen, wir lagen beide am Boden und wollten uns gegenseitig den Ball wegspitzeln – ein Zweikampf, wie er zwei-, dreimal im Spiel passiert. Dabei ist sein linkes Bein gegen mein rechtes Schienbein geprallt.“ Weber sagt, er habe es nur „knacken gehört“. Was ging ihm durch den Kopf? „Nicht schon wieder“, sagt er.

Es lief der gleiche Film ab wie ein Jahr davor: Krankenhaus, Gips, die erschrockene Familie, dem Chef klarmachen, was abermals passiert war. „Ich bin nur froh, dass ich einen sehr guten Arbeitgeber habe, Sie haben es echt gut aufgenommen“, sagt Weber, der in einem Großhandel in Mengeringhausen arbeitet.

Bald ohne Krücken

Weber sagt, er habe Glück gehabt. Es war ein glatter Bruch. Vier, fünf Wochen Gips, dann kann er die Krücken vielleicht beiseite stellen. Weber hat sich arrangiert, er kann wieder lachen. Dieser zweite Unfall macht ihm jedoch mehr zu schaffen als der erste. „Das war ein Tiefpunkt, wie ich ihn noch nie hatte. Eine Zeit lang war ich wie in einer Schockstarre“, sagt er über die Tage danach.

Ihm selbst war der unheimliche Jahrestag gar nicht aufgefallen, erst seine Frau bemerkte es, als sie die alten Unterlagen sichtete. Sie hatten geplant, im Dezember ins neue Haus einzuziehen. Webers Vater kümmert sich nun um den Fortgang der Bauarbeiten. Im Alltag hilft ihm seine Frau. Ist nun Schluss mit Fußball? Auf ein Nie-wieder will sich Weber nicht festlegen. „Irgendwann mal wieder“, sagt er, „aber erst mal muss ich beruflich und privat alles wieder gerade biegen.“ (mn)

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