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Eintracht Frankfurt: Strafe für Spiel am Totensonntag

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Von: Jessica Berger

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Fußball am kirchlichen Feiertag: Die gesetzliche Regelung zum Totensonntag verbietet öffentliche sportliche Veranstaltungen gewerblicher Art. Eintracht Frankfurt soll deshalb wegen des Spiels gegen Alemannia Aachen ein Bußgeld zahlen. © Repro HNA

Kassel. Eigentlich wäre es ein normales Zweitliga-Spiel gewesen. Eintracht Frankfurt empfängt Alemannia Aachen. Wäre die Ansetzung nicht ausgerechnet auf Totensonntag gefallen. Das Problem: Das hessische Feiertagsgesetz verbietet an diesem Tag unter anderem „öffentliche sportliche Veranstaltungen gewerblicher Art“.

Also auch Sportveranstaltungen in Profi-Ligen. Erlaubt sind hingegen Partien in allen Amateurklassen. Das Spiel (4:3 für Frankfurt) fand trotzdem statt. Die Eintracht muss nun ein Bußgeld im vierstelligen Bereich zahlen. Den Stein ins Rollen gebracht hatte eine Anzeige der Grünen Jugend Hessen beim Ordnungsamt der Stadt Frankfurt.

Beim Zweitligisten zeigte man sich am Freitag reumütig. „Der Feiertag wurde bei der Terminierung des Spieltages von der Deutschen Fußball-Liga DFL und von uns schlichtweg übersehen“, sagt Frankfurts Pressesprecher Carsten Knoop. Die Eintracht habe bislang noch nie an einem Totensonntag gespielt. Deshalb sei das Sportverbot auch bis Freitagmorgen nicht bekannt gewesen. Der Zweitligist stellte zwar noch kurzfristig einen Ausnahmeantrag bei der Stadt, der wurde jedoch abgelehnt. „Wir haben die besondere Form der Ausnahme nicht erfüllt. Am Ende war es daher einfacher, die Ordnungsstrafe zu akzeptieren, als das komplette Spiel abzusagen“, erklärt Knoop.

Von Seiten der DFL heißt es: „Wir fragen bei den Vereinen an, welche Termine bei ihnen unumgänglich sind. Von Frankfurt wurde uns keine Einschränkung gemeldet, daher haben wir das Spiel guten Gewissens terminiert“, sagt Pressesprecher Kay Langendorff. In der vergangenen Saison mussten vier Partien in der ersten und zweiten Bundesliga neu angesetzt werden.

Auch im Handball und Eishockey sind Überschneidungen mit kirchlichen Feiertagen fast unbekannt. In Nordrhein-Westfalen hätten schon einige Partien verlegt werden müssen, das Bundesland sei strikt bei kirchlichen Feiertagen, sagt Uwe Stemberg, Spielleiter der Handball-Bundesliga. Er könne sich aber an keine Verlegungen in den vergangenen Jahren erinnern. „Die Feiertage gehören zur Kultur unseres Landes, und die haben wir zu akzeptieren“, sagt er. Ähnliches berichtet auch Markus Schweer, Ligenleiter der Eishockey-Oberliga West, in der die Kassel Huskies antreten. „Ich bin seit 1993 im Eishockey aktiv, und mir ist kein einziger Fall einer Spielverlegung aus diesem Grund bekannt.“

Kirche kompromissbereit

Die Evangelische Landeskirche Hessen-Nassau reagierte kompromissbereit auf den Disput zum Fußballspiel am Totensonntag. „Das Gesetz stammt von 1961 und ist kein Kirchengesetz“, sagt Pressesprecher Stephan Krebs.

Damals sei das sicher ein gutes Gesetz gewesen. „Heute sehen wir das skeptischer, da sich die gesellschaftliche Realität stark verändert hat.“ Wenn das Gesetz in den kommenden Jahren erneuert werde, sei eine Debatte notwendig. „Wir haben nicht den Anspruch, dass am Totensonntag keine kommerziellen Sportveranstaltungen stattfinden dürfen und die Bundesliga deshalb pausieren muss“, sagt Krebs.

Es wäre allerdings gut, wenn der Sonntagvormittag zumindest sportfrei wäre, um den Gläubigen die Zeit zu geben, in die Kirche zu gehen oder Zeit mit der Familie verbringen zu können. „Es tut der Gesellschaft gut, wenn sie Feiertage mit einer besonderen thematischen Prägung hat. Auch stille Tage für Trauer und Tod. Dafür werden wir als Kirche in der Debatte immer eintreten“, sagt Krebs.

Hintergrund: Regelungen für Gedenktage

Die Vorschriften für Feiertage sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. In Hessen werden die Gedenktage durch das Hessische Feiertagsgesetz geregelt. Dieses besagt, welche gesetzlichen Feiertage es gibt, welche Vorschriften an diesen Tagen gelten und wie ein Verstoß zu sanktionieren ist. An Feiertagen sind Arbeiten und öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen verboten, die die Ruhe des Tages beeinträchtigen. Zu solchen Feiertagen zählen der 1. Mai, der Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober) und der Totensonntag (Sonntag vor dem ersten Advent). „Der Totensonntag ist ein Feiertag, an dem im Kirchenjahr an die Toten und den Tod gedacht wird. Er ist traditionell ein stiller Tag der Trauer“, erklärt Stephan Krebs, Pressesprecher der Evangelischen Landeskirche Hessen-Nassau.

An einem stillen Feiertag gelten besondere Einschränkungen – am Karfreitag gibt’s ab 0 Uhr ein Verbot öffentlicher Tanzveranstaltungen. Am Totensonntag sind unter anderem „öffentliche sportliche Veranstaltungen gewerblicher Art“ von 4 Uhr an verboten, dazu gehören unter anderem die Fußballspiele der Profi-Ligen. Außerdem dürfen von 4 bis 13 Uhr auch keine „sportlichen Veranstaltungen nichtgewerblicher Art“, wie Spiele in den Amateurligen, stattfinden. Wer gegen die Regelungen verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße von der örtlichen Ordnungsbehörde geahndet werden kann. (bas)

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