Volleyball-Trainer Fredy Zech denkt nach 25 Jahren in Wehlheiden ans Aufhören – und macht doch weiter

Plötzlich fehlt ein ganzes Team

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Das neue Team der TG Wehlheiden: Kapitänin Kirsten Zech, Gundula Grund, Elena Kah, Sina Zech, Marla Flott, Lea Hoss, Vanessa Schwarzer, Nadine Reinke, Helena Ahmerkamp, Lina Salwiczek und Trainer Fredy Zech (von links). 

Kassel. Im Oktober ist Silberhochzeit. Bei Kirsten und Fredy Zech. Aber nicht nur das: Der Trainer steht auch seit 25 Jahren an der Seitenlinie der Wehlheider Volleyballerinnen, die seine Frau als Spielführerin aufs Feld führt. 

Dass neben der privaten Erfolgsgeschichte auch der sportliche Weg des Trios, zu dem noch Tochter Sina gehört, nach dem erneuten Abstieg aus der Regionalliga gemeinsam weitergehen sollte, stand zuletzt mehr als in den Sternen.

„Ich habe so ernsthaft wie nie überlegt, ob ich mal etwas anderes machen sollte. Es war der perfekte Zeitpunkt dafür“, sagt Fredy Zech. Warum der 58-Jährige mit diesem Gedanken spielte? Weil er ein paar Wochen nach Saisonende kaum noch Spielerinnen hatte. Plötzlich war fast ein ganzes Team weg. Neben den Volleyball-Urgesteinen Evis Hofverberg, Julia Kundelov und Samira Fromm, die ihre Abschiede bereits angedeutet hatten, standen sechs weitere Abgänge fest. Sarah Ackermann und Lea Theis wechselten zum TV Jahn, auch Elisabeth Seidel, Nathalie Schnell, Pia Richter und Hanna Geiger verließen das Team. Es verblieben drei Stammkräfte.

„Einen solchen Bruch habe ich als Trainer noch nicht erlebt. Wir waren haarscharf davor, das Buch zuzumachen. Wie sollten wir nun fast eine ganze Mannschaft finden, die in der Oberliga bestehen kann? Denn ein Rückzug in die Landesliga kam nicht infrage, das wollten die verbliebenen Spielerinnen nicht“, sagt Fredy Zech. Er entscheidet sich am 31. Mai trotzdem, eine Mannschaft zu melden. Wer in diesem Team spielen würde, das wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wirklich. „Du ziehst ungern selbst den Schlussstrich und hoffst, dass es wer anders für dich tut“, erklärt Zech.

Aber es tut kein anderer. Und bis zum zweiten Meldetermin am 31. Juli verpflichtet Zech eine Spielerin nach der anderen – aus der Jugend, aus der zweiten Mannschaft, aus anderen Vereinen. „Dann waren wir zwölf. Mit einem Leistungsspektrum von der Dritten Liga bis zur Bezirksliga. Kann man damit Oberliga spielen?“, fragt sich der Coach. Zumindest fasst er neuen Mut. Ein Vorbereitungsturner in Minden Ende August läuft zufriedenstellend, auch Regionalliga-Aufsteiger Bergshausen wird 3:2 bezwungen. „Aber die Lage blieb prekär. Auch deshalb, weil die Aueparkhalle gesperrt war und wir nur einmal pro Woche in der Sporthalle der Hegelsbergschule trainieren konnten“, erinnert sich Zech.

Nach all den Wochen und Monaten der Unsicherheit steht die fast komplett neue Mannschaft am vergangenen Wochenende zum Oberliga-Auftakt auf dem Feld – und hat beim 0:3 in Frankfurt keine Chance. Aber das spielt nur eine untergeordnete Rolle. Dass die Ehe zwischen Fredy Zech und der TG Wehlheiden auch über die Silberhochzeit hinaus Bestand hat, ist in jedem Fall das wichtigere Zeichen. Für den Verein und für den Volleyball in Nordhessen.

• Am Samstag tritt die TG Wehlheiden ab 19 Uhr in der Aueparkhalle gegen Hanau an.

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