Als Debütant in die Weltspitze

Bad Wildunger Triathlet Patrick Lange siegt beim Ironman in Texas

Sein bislang größter Triumph: Beim Ironman in Texas siegte Patrick Lange auch dank einer phänomenalen Marathon-Zeit (2:40:01 Stunden). Fotos: nh

Bad Wildungen. Kurz vor dem bislang größten Triumph seines Schützlings muss Faris Al-Sultan sauer gewesen sein auf Patrick Lange.

Seit dieser Saison trainiert der ehemalige Ironman-Weltmeister den aus Bad Wildungen stammenden Triathleten. Doch bei seinem Langstrecken-Debüt beim Ironman in Texas schmiss Lange alle Taktikvorgaben seines Trainers über Bord. Nach 3,8 km Schwimmen und 150 km Radfahren lief der Darmstädter im Marathon „nur noch nach Gefühl“.

Trotzdem triumphierte der 29-Jährige vor den Toren Houstons in 7:13:13 Stunden und qualifizierte sich für die WM im Oktober auf Hawaii. Es ist der größte Erfolg eines heimischen Triathleten überhaupt.

Der Erfolg 

Vor allem mit seiner Laufzeit beeindruckte der Neuling die Experten: Lange spulte die 42 km bei drückender Hitze in 2:40:01 Stunden ab - das ist im Ausdauerdreikampf selbst dann noch Weltklasse, wenn man berücksichtigt, dass die Radstrecke wegen Überflutungen um 30 km verkürzt werden musste.

Lange gilt seit jeher als Laufspezialist. Seine Sportlerkarriere begann mit zwölf Jahren, als er seinen Vater beim Marathontraining im Wald rund um Bad Wildungen begleitete. Später fuhr er Mountainbike-Rennen, ehe er sich nach seinem Umzug nach Südhessen als einer der besten Deutschen über die olympische Kurzstrecke (1500 m Schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km Laufen) etablierte.

Schon 2011 liebäugelte er mit einem Umstieg auf die Langdistanz. Doch sein Job als Physiotherapeut kostete zu viel Zeit. „In einem Profifeld musst du topfit und ausgeruht sein, wenn du mitreden willst“, sagt Lange, der nun tatsächlich Vollzeit-Triathlet ist und für den DSW Darmstadt startet.

Der Trainer 

Faris Al-Sultan

Trotzdem war mit einem solchen Coup wie nun in Texas nicht unbedingt zu rechnen. Bei seinen ersten Mitteldistanzrennen konnte Lange die eigenen hohen Erwartungen nicht erfüllen Die Wende kam Anfang 2015, als er auf Lanzarote Al-Sultan kennenlernte und mit ihm viele Radkilometer abspulte. Wenig später beendete der charismatische Münchner seine eindrucksvolle Profi-Karriere. Aus dem Triathleten Al-Sultan wurde der Trainer Al-Sultan - und Lange ist nun sein erster Schützling.

Als Erstes verordnete er dem 1,78 Meter großen Athleten mehr Kraftübungen. Lange wiegt nun vier Kilo mehr. Bis zu 30 Stunden trainiert er pro Woche. Neben Al-Sultan kümmert sich ein elfköpfiges Team um jedes noch so kleine Detail. Lange weiß mittlerweile: „Um ein echter Profi zu sein, braucht es viel mehr als nur Essen, Schlafen und Trainieren.“

Die Heimat 

Auch wenn Lange in Darmstadt längst heimisch ist, trainiert er am liebsten in der alten Heimat. Einmal im Monat kehrt er nach Nordhessen zurück: „Besonders das Radfahren ist hier schöner als in Südhessen. Im Herzen bin ich Nordhesse.“ Das wird auch sein Entdecker Martin Zülch gern hören. Der Bad Wildunger Sportlehrer hatte ihn einst zum Triathlon geführt.

Nun plant Lange mit Al-Sultan den Rest der Saison. Vor Jahren gestand er in einem Fragebogen unserer Zeitung, dass er davon träume, auf Hawaii zu gewinnen. „Davon bin ich noch ein großes Stück weg“, sagt er. Aber er hat jetzt einen Trainer, der weiß, wie man auch dort gewinnen kann.

Zur Person 

Geboren: am 25. August 1986 in Bad Wildungen

Beruf: eigentlich Physiotherapeut, jetzt Profi-Triathlet

Anfänge: als Läufer beim TV Friedrichstein und als Triathlet beim CJD Oberurff

Größte Erfolge: Nordamerikameister beim Ironman in Texas, Dritter bei der DM über die Mitteldistanz 2015, mehrfacher deutscher Duathlon-Meister

Privates: Lebt in Darmstadt, wo er hin und wieder auch mit seiner Freundin trainiert.

Hier geht es zu der Internetseite von Patrick Lange.

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