US-Sportler im Visier

Bericht: Massenweise Medikament-Ausnahmegenehmigungen vor Rio 2016

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Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio gab es massenweise Ausnahmegenehmigungen für verbotene Medikamente.

München - Die Olympischen Spiele von Rio 2016 sind längst vorbei, stehen aber immer wieder im medialen Fokus. Nun stehen US-Spitzensportler aufgrund eines geleakten E-Mail-Verkehrs im Fokus.

Etliche US-Spitzensportler sollen sich noch kurz vor den Olympischen Spielen in Rio Ausnahmegenehmigungen für Medikamente (TUE) beschafft haben, die auf der Doping-Liste stehen. Dabei soll es zu vielen Verstößen gegen die Einhaltung der Anmeldefrist gekommen sein. 

Einen entsprechende E-Mail-Verkehr zwischen Mitarbeitern der amerikanischen Anti-Doping-Agentur USADA spielte die mutmaßlich russische Hackergruppe Fancy Bears dem Spiegel zu. Namen von Top-Athleten wurden nicht genannt. 

„Es hört nicht auf“

Noch sechs Wochen vor Beginn der Spiele sollen viele Athleten auf einmal und nicht fristgerecht so genannte TUEs beantragt haben. TUE steht für Therapeutic Use Exemption. Dabei handelt es sich um Ausnahmegenehmigungen, die von kranken Athleten angefordert werden können. Das System steht in der Kritik, weil auch gesunde Spitzensportler die Medikamente beantragen, die auf der Dopingliste stehen. 

"Es hört nicht auf", soll die USADA-Mitarbeiterin Shelly Rodemer in einer E-Mail geschrieben haben. "Ich bekomme Anträge für ADHS/Prednison-TUEs von Leichtathleten und Schwimmern, die zurzeit bei den Ausscheidungskämpfen für die Olympischen Spiele sind. Ich nehme an, dass ich die Anträge trotzdem bearbeiten werde, obwohl die Wettbewerbe schon begonnen haben, oder?", soll es in der Mail geheoßen haben. 

Medikamente, die im Wettkampf verboten sind

USADA-Mitarbeiter Matthew Fedoruk hatte schon im Januar Alarm geschlagen, dass sich die meisten Athleten nicht an die Fristen halten würden. Nach Vorgaben der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) müssen TUEs mindestens 30 Tage vor Einnahme des Medikaments beantragt werden. 

"In der Realität ist es so, dass wir viele Anträge von Athleten erhalten, die bereits damit begonnen haben, ein Medikament zu nehmen, das im Wettkampf verboten ist", schrieb Fedoruk. 

Hackergruppe Fancy Bears steckt hinter Daten

Usada-Sprecher Ryan Madden teilt auf Spiegel-Anfrage mit, die Agentur würde jeden TUE-Antrag "mit Strenge" bearbeiten. Die Anträgen nahmen zuletzt enorm zu. 2015 gab es laut Wada 1330 Ausnahmegenehmigungen, 2014 waren es noch 897. 

Die Hackergruppe Fancy Bears hatte im September bereits Namen von über 100 Athleten veröffentlicht, die Ausnahmegenehmigungen erhalten haben. Dazu zählten die Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins und Christopher Froome sowie die Tennisstars Serena und Venus Williams. 

SID

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