Scharapowas Dopingbeichte erschüttert die Tennis-Welt

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Maria Scharapowa droht eine längere Sperre. Foto: Mike Nelson

Die ersten Sponsoren und Werbepartner gehen auf Distanz, Boris Becker ist überrascht. Maria Scharapowa droht nach ihrem Dopinggeständnis eine längere Sperre. Aus ihrer russischen Heimat allerdings kommen die fast schon zu erwartenden Reaktionen.

Los Angeles (dpa) - Nach ihrer öffentlich inszenierten Dopingbeichte droht Maria Scharapowa der Verlust millionenschwerer Sponsoren - und die Chance auf Olympia-Gold in Rio ist wohl dahin.

Mit ihrer bevorstehenden Sperre handelt die glamouröseste Tennisspielerin der Gegenwart ihrer geliebten Sportart die schwärzeste Stunde seit Jahren ein. Die internationalen Reaktionen auf das Geständnis des russischen Top-Stars fallen verheerend aus.

Ausgerechnet während der Australian Open, als Berichte über Korruption im Tennis für Negativ-Schlagzeilen sorgten, wurde die bestverdienende Sportlerin des Planeten und frühere Nummer eins positiv auf die verbotene Substanz Meldonium getestet. Vom Weltverband ITF ist die Weltranglisten-Siebte suspendiert. Ihr Fall wird nun untersucht, dann über eine mögliche Sperre entschieden.

"Bis zu vier Jahre sind möglich", sagte Scharapowas Anwalt John Haggerty der Zeitung "USA Today" und schob hinterher, dass mildernde Umstände auch zu einer Aufhebung der Suspendierung führen könnten. Seine Mandantin jedenfalls werde mit der ITF kooperieren. Experten rechnen mit einer Sperre von einem Jahr bis zu mehreren Jahren.

"Ich will meine Karriere nicht so beenden. Ich hoffe, dass ich eine weitere Chance bekomme", hatte die 28 Jahre alte Russin am Vortag bei ihrer Pressekonferenz in einem Hotel in Los Angeles gesagt. Doch erst einmal muss die fünfmalige Grand-Slam-Turniersiegerin die Konsequenzen ihres Vergehens akzeptieren. Sie nehme das Meldonium enthaltende Medikament seit zehn Jahren und habe die aktuelle Liste der verbotenen Substanzen nicht gelesen, erläuterte Scharapowa.

Ihre große amerikanische Rivalin Serena Williams befand, die 28-Jährige habe mit ihrem Dopinggeständnis "viel Mut bewiesen". Boris Becker reagierte überrascht. "Immer noch schockiert. Ich kann es nicht glauben", twitterte der Trainer von Novak Djokovic.

"Wie viel lügt sie, wie viel Wahrheit ist dabei? Was esst ihr in Russland?", fragte die rumänische Zeitung "Gazeta Sporturilor". "Was sollen wir von der Nummer 500 in der Weltrangliste erwarten, wenn die reichste Spielerin der Welt die Anti-Doping-Frage dem Zufall überlässt?" Seit Anfang 2016 steht Meldonium auf der Dopingliste. Das leistungssteigernde Mittel wurde schon Biathleten, Radsportlern, Eiskunstläufern, Ringern und Leichtathleten zum Verhängnis.

Ein herber Rückschlag ist das Geständnis Scharapowas auch für das Stuttgarter Damen-Turnier im April und den Namenssponsor Porsche. Man bedauere die aktuellen Nachrichten, teilte der Sportwagenbauer mit. "Bis weitere Details hierzu bekannt sind und wir die Situation analysieren können, haben wir uns entschieden, die geplanten Aktivitäten auszusetzen", hieß es in einer Mitteilung.

Auch der US-Sportartikelhersteller Nike legte den hoch dotierten Sponsoringvertrag vorerst auf Eis. Nike wolle das Ergebnis weiterer Ermittlungen abwarten, bevor über die nächsten Schritte entschieden werden soll. Der Schweizer Uhrenhersteller TAG Heuer erklärte, dass der Ende 2015 ausgelaufene Vertrag nicht verlängert werde.

"Der positive Test ist eine Katastrophe fürs Tennis. Jetzt ist einer der größten Stars des Sports der Geschichte gesperrt und für immer befleckt", schrieb die britische Zeitung "Daily Mail".

Meldonium wird unter dem Markennamen Mildronat als Herzmedikament in den baltischen Staaten und in Russland vertrieben; in Deutschland ist es als Arzneimittel nicht zugelassen. Es soll die Durchblutung fördern und somit als Medikament für Angina Pectoris und Herzerkrankungen geeignet sein. Athleten versprechen sich durch die Einnahme der Substanz eine verbesserte Durchblutung und damit eine Steigerung der physischen sowie mentalen Belastungsfähigkeit.

Dass sie wissentlich gedopt haben soll, ist für den russischen Verbandspräsidenten Schamil Tarpischtschew "Blödsinn". Er gehe davon aus, dass sie bei Olympia in Rio spielen werde, sagte er der Agentur Tass. Scharapowa selbst hatte jüngst noch gesagt: "Ein Olympiasieg fehlt noch, ich würde gerne in Rio die Goldmedaille gewinnen."

WTA-Profil Scharapowa

Homepage Scharapowa

ITF-Mitteilung

WADA-Mitteilung

Bericht auf "USA Today"

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