Schmerz zwingt Wasserspringer Hausding zur WM-Aufgabe

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Die Füße von Patrick Hausding schmerzen zu stark. Foto: Martin Schutt

Nach Freiwasserschwimmern und Springern will Paul Biedermann "endlich selber ins Wettkampfgeschehen einsteigen". Erst wollen die Kollegen im WM-Fluss wieder zuschlagen. Der verletzte Hausding kämpft bei seinem letzten Start mit hohem Risiko. Vergeblich.

Kasan (dpa) - Mit schmerzverzerrtem Gesicht hat sich Patrick Hausding nicht zum kleinen Wassersprung-Wunder durchkämpfen können.

Mit abgerissenen Zehennägeln, lädierten Bändern und Schürfwunden musste der zwölfmalige Europameister den risikoreichen Finalversuch vom Drei-Meter-Brett nach dem ersten Durchgang abbrechen.

"Wenn schon beim Standsprung Schmerzen auftreten, ist es sinnlos. Ich bin mir sicher, wenn ich einen Anlauf gemacht hätte, hätte ich mir das Band gerissen", erklärte Hausding geknickt.

Nach dem "Schock" vom Vortag, als sich Hausding beim Einspringen verletzt hatte, zeigte der Berliner laut Bundestrainer Lutz Buschkow, dass er "keine Mimose" ist. Aber belohnt wurde der tapfere Versuch bei den Schwimm-Weltmeisterschaften in Kasan auch nicht.

Als Hausding durch die Sprung-Arena humpelte, stand für die Beckenschwimmer nach zwei Trainingseinheiten im Fußballstadion und Aquatics Palace von Kasan das Abendessen an. Noch bis Sonntag müssen sich Biedermann und die Mitstreiter gedulden, ehe sie in die WM-Rennen eingreifen können. "Nach den Freiwasserschwimmern oder den Springern möchte man jetzt endlich selber ins Wettkampfgeschehen einsteigen", erklärte Weltrekordler Paul Biedermann. "Ich glaube, dass einige die WM noch einmal als richtigen Knaller nehmen, um zu sehen, was so geht. Andere nehmen die WM als Zwischenstopp", sagte Franziska Hentke, Weltjahresbeste über 200 Meter Schmetterling.

Ein Jahr vor Olympia sind Hentke und Biedermann bei dessen voraussichtlich letzten WM neben Europameister Marco Koch die größten deutschen Medaillenhoffnungen im Becken der Arena für die Fußball-WM 2018. Mit zwei- bis viermal Edelmetall sollen sich die deutschen Beckenschwimmer dekorieren. Dazu soll etwa ein Drittel der Starter die Zeiten von den deutschen Meisterschaften verbessern. "Das Team ist entscheidend", erklärte Chefcoach Henning Lambertz im Teamhotel Shalyapin Palace.

Mannschaftliche Stärke sollen die bei Olympia 2012 und der WM 2013 so bitter von der internationalen Konkurrenz abgehängten deutschen Beckenschwimmer zeigen. Das glückte in Russland bislang den Freiwasserschwimmern, die nach bislang einem kompletten Medaillensatz nun am Samstag über 25 Kilometer durch Angela Maurer eine weitere aussichtsreiche Chance haben. Dagegen musste das Team der Wasserspringer am Freitag schon vor dem Hausding-K.o. weitere Enttäuschungen wegstecken.

Die EM-Dritte Tina Punzel patzte beim Anlauf zum Auerbachsalto und schied als 30. des Vorkampfs aus. Nora Subschinski scheiterte im Halbfinale auf Platz 15. "Man bekommt das Finale auf dem Silbertablett serviert und greift nicht zu", monierte Buschkow angefressen. Es bleibt bei einem Quotenplatz für sein Disziplin-Team in Kasan durch Hausding, einen ersten hatte Martin Wolfram durch seinen EM-Titel im Juni gesichert. "Wichtig war, dass ich den Olympia-Startplatz geholt habe", betonte Hausding nach dem vom Chinesen He Chao gewonnenen Wettkampf.

Auf drei Flipcharts in Lobby und Meetingraum des Teamhotel sind groß die drei Medaillenerfolge der Freiwasserschwimmer aufgelistet, die Springer stehen dort nicht. Jetzt sollen auf jeden Fall Biedermann & Co. nachlegen. "Die Beckenschwimmer sind der große Bruder vom Freiwasserschwimmen von der Personenzahl, aber der kleine Bruder war schon sehr erfolgreich und gut unterwegs", sagte Lambertz. Aber auch die Wasserspringer haben am Wochenende nach dem aufopferungsvollen Kampf von Hausding noch im Turmspringen durch Wolfram oder den WM-Dritten Sascha Klein eine Chance.

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