"Schüler wollen sich messen"

Interview: Der Göttinger Lehrer über  Bundesjugendspiele

Bundesjugendspiele einmal anders: An der Mittelpunktschule Adorf (Kreis Waldeck-Frankenberg) gab es einen Staffellauf. Foto: nh

Kassel/Göttingen. Eine Mutter, die es nicht länger ertragen will, dass ihr Kind erfolglos von Bundesjugendspielen zurückkehrt, hat mit einem Eintrag auf einem Onlineportal eine hitzige Debatte in Gang gesetzt.

Die Diskussion gipfelt in der Frage, ob die Bundesjugendspiele abgeschafft werden sollen. Wir haben mit dem Göttinger Sportlehrer Walter Gleitze gesprochen.

Herr Gleitze, ganz direkt gefragt: Bundesjugendspiele - Fluch oder Segen? 

Walter Gleitze: Weder Fluch, noch Segen. Es ist meiner Meinung nach eine sinnvolle Veranstaltung innerhalb des Sportunterrichts, wo Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Leistungen abrufen, diese einfach mal kontrollieren und in Weiten, Höhen und Zeiten messen können.

Was denken Sie darüber, dass nun öffentlich über dieses Thema diskutiert wird? 

Gleitze: Eine unnötige Diskussion, deren Denkanstoß von einer Mutter kommt, deren Kind weinend von den Bundesjugendspielen nach Hause kam, weil es wohl nicht die Leistung erbracht hat, die es sich vorgestellt hat. Und nun klagt die Mutter, will die Bundesjugendspiele abgeschafft sehen.

So, wie nicht jeder Schüler diesen Sporttag mag, ist es auch bei Lehrern. Gibt es im Pädagogenkreis grundsätzliche Diskussionen über die Beibehaltung dieser Veranstaltung? 

Gleitze: Noch hat es keine intensive Diskussion in unserem Kollegenkreis gegeben. Aber ich weiß, dass es auch bei uns im Kollegium ein Für und Wider gibt.

Wie sind Ihre persönlichen Erinnerungen? 

Gleitze: Ich habe gute Erinnerungen an diese Spiele, was sicherlich daran lag, dass ich ein recht guter Sportler war. So weit ich weiß, werden an nur noch wenigen Schulen die Winter-Bundesjugendspiele, also beispielsweise Geräteturnen durchgeführt. An den Sommer-Bundesjugendspielen würde ich nicht viel verändern, da messen sich die Schülerinnen und Schüler in den klassischen Leichtathletik-Sportarten. Das macht für mich Sinn, da diese Disziplinen keine Überforderung für die Jugendlichen darstellen.

Also haben Sie keine Änderungsvorschläge? 

Gleitze: Nein, ich hätte ad hoc keine Veränderungsvorschläge.

Was halten Sie davon, Jugendliche über ihre Teilnahme an Buju-Spielen selbst entscheiden zu lassen? 

Gleitze: Wenn man die Disziplinen, die bei den Bundesjugendspielen verlangt werden, mit den Schülerinnen und Schülern gut vorbereitet, bin ich schon dafür, dass alle daran teilnehmen sollen. Jugendliche wollen sich miteinander messen. Es ist ein Irrglaube, dass es nicht so sei. Sie wollen auch gewinnen. Dass es dabei immer auch Verlierer gibt, ist in einer Leistungsgesellschaft wie der unsrigen doch nur normal.

Welche anderen Wettbewerbe gibt es an Schulen? Früher wurden die Besten im Vorlesen und Rechnen gesucht. 

Gleitze: Bei uns gibt es noch einen Vorlesewettbewerb.

Ist es ohnehin noch sinnvoll, den Wettbewerbsgedanken zu forcieren, oder muss vielmehr der Druck auf die Jugendlichen gemindert werden? 

Gleitze: Wie ich schon sagte, Jugendliche wollen sich messen, wollen gewinnen, sollen auch mit Niederlagen umgehen können. Von Druck bei Bundesjugendspielen zu sprechen, halte ich für übertrieben.

Wann finden an ihrer Schule die nächsten Buju-Spiele statt und wie werden die Vorzeichen sein nach dieser Diskussion? 

Gleitze: In diesem Schuljahr sind keine Bundesjugendspiele vorgesehen, da das Wetter uns auch wenig Möglichkeiten zum Üben gegeben hat. Ich werde aber anregen, Bundesjugendspiele oder auch alternative Sportfeste im kommenden Schuljahr durchzuführen. Dies wird dann auf einer Sport-Fachkonferenz entschieden.

Zur Person

Walter Gleitze (62) ist Lehrer für Sport, Werken und GSW (Geschichtliche Soziale Weltkunde) an der Oberschule in Dransfeld (Altkreis Münden) undf arbeitet als Frier Journalist bneim Göttonger Sportdienst (/GSD). Er hat in Göttingen studiert, dort zudem volontiert zum Redakteur und ist seit 1994 im Schuldienst. Gleitze war jahrelang aktiver Handballer beim TV Jahn Duderstadt. Er hat drei erwachsene Kinder.

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