Melsunger Rechtsaußen: „Ein stinknormaler Tag“

Melsunger Sellin bleibt nach Siegtor bei Länderspiel gelassen

Auch in der Freude bescheiden: Johannes Sellin nach seinem Siegtreffer zum 26:25. Foto:  Fischer

Kassel. Eigentlich will er ein wenig Zeit mit Freundin Julia verbringen. Doch es dauert lange in der Rothenbach-Halle, bis Johannes Sellin seine Liebste zumindest kurz in die Arme schließen kann. Der Rechtsaußen der MT Melsungen wird nämlich nach seinem 41. Länderspiel herumgereicht. Klar, der Schütze des Siegtreffers steht besonders im Fokus.

Die Journalisten haben Fragen an den 25-Jährigen, auch Hallensprecher Bernd Kaiser muss er Rede und Antwort stehen, danach noch den Vips im Platinklub. Dennoch bleibt Sellin ruhig und gelassen, beweist wie schon im Spiel Geduld und Souveränität, die man nicht immer von ihm gewohnt ist.

„Das war ein stinknormaler Tag, wie er ist, wenn du mit der Nationalmannschaft unterwegs bist. Und es war ein stinknormales Spiel“, sagt Sellin. Wirklich? „Natürlich habe ich eine Gänsehaut, wenn ich das Nationaltrikot tragen darf und wenn die Hymne erklingt“, räumt er ein. „Natürlich ist es großartig, vor dem eigenen Publikum eine Halbzeit spielen zu können und mit der Mannschaft gegen Island zu gewinnen.“ Punkt. Nein, Johannes Sellin macht wenig Aufhebens diesmal.

Begonnen hatte der so normale Tag für Sellin und Zimmerpartner Hendrik Pekeler in Hannover im Hotel um neun Uhr. Dem Brunch mit der Truppe folgte um 10.15 Uhr ein gemeinsamer Spaziergang, um 11 Uhr dann die Abfahrt nach Kassel. Dort, in seinem sportlichen Wohnzimmer, bleibt keine Zeit für nordhessische Freunde und nicht für Julia. Umziehen, Aufwärmen, donnernder Applaus der 4300 bei der Vorstellung.

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Doch zunächst schmort Johannes Sellin auf der Bank. Tobias Reichmann beginnt als Rechtsaußen. Mit wenig Fortune. Alle Außen bekommen an diesem Tag nur wenig Bälle, lediglich einen Strafwurf kann er verwandeln. Endlich darf Sellin ran, zu Beginn der zweiten Halbzeit. Ruhig wirkt der Melsunger, konzentriert. Keine Mätzchen, kaum Emotionen. Nicht als der erste Wurf in der 42. Minute am Innenpfosten scheitert. Auch nicht als das zweite Anspiel unverwertbar ist für einen Torwurf (46.) und ein möglicher Tempogegenstoß abgepfiffen wird. Schade, Sellin hätte freie Bahn gehabt.

Dann aber hat der Melsunger zwei ganz starke Szenen. Zunächst läuft über ihn ein perfekter Konter. Sellin bricht nicht selbst durch, sondern bedient den noch besser postierten Torschützen Martin Strobel. Und natürlich 75 Sekunden vor Schluss, als Steffen Fäths langer Pass aus der Mitte ihm den Weg eröffnet zum Siegtor. Mit Schwung fliegt Sellin herein und bugsiert den Ball per Aufsetzer ins Netz. 26:25!

Selbst das ist an diesem Tag „stinknormal“. Denn wichtig ist nur, „dass wir als Team aus Kassel mit dem Sieg viel Selbstvertrauen mitnehmen“. Wir wissen nicht, wo wir stehen, sagt Johannes Sellin, „aber unsere Brust wird immer breiter“.

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Spricht’s, drückt endlich seine Julia doch noch ans Herz und verabschiedet sich wieder nach Hannover. „Am Sonntagabend komme ich zurück - zum Wäschewaschen“, verspricht Sellin. Am Dienstag dann geht’s via Berlin zur EM nach Polen. Und Julia wird wieder auf ihren Johannes warten müssen.

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