Speerwerferin Obergföll: Russlands Athleten sperren

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Christina Obergföll war bei den Peking-Spielen Dritte im Speerwerfen. Foto: Gero Breloer

Russlands Ruf in der Sportwelt ist ruiniert. Und doch beharrt die Führung in Moskau auf eine Teilnahme ihrer Athleten bei den Sommerspielen in Rio. Eine deutsche Leichtathletik-Weltmeisterin hält einen Ausschluss russischen Sportler für längst überfällig.

Moskau (dpa) - Je schlimmer die Doping-Vorwürfe werden, desto verbissener kämpft Russland um die Teilnahme seiner Athleten an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro.

Auf die jüngsten Verdächtigungen, russische Medaillengewinner hätten bei den Sommerspielen 2008 in Peking betrogen, antwortete Vize-Sportminister Juri Nagornych in Moskau schlicht: "Es ist im Interesse der IAAF (Internationaler Leichtathletikverband) und des russischen Leichtathletikverbandes, dass bei Olympischen Spielen die stärksten Sportler antreten."

Im November 2015 hatte die IAAF russische Leichtathleten auf Grundlage eines Berichts der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA über systematisches Doping suspendiert. Über einen möglichen Olympia-Ausschluss des russischen Teams soll am 17. Juni in Wien entschieden werden.

Der russische Verband kooperiere uneingeschränkt und halte sich vollständig an die IAAF-Auflagen, sagte der Vize-Minister Medien zufolge. Deshalb rechnet er auch damit, dass der Weltverband die Sperre aufgebe und russischen Athleten einen Start im August in Rio erlaube.

Christina Obergföll, die Speerwurf-Weltmeisterin von 2013, fordert angesichts immer neuer Enthüllungen eine Sperre für russische Athleten. Der Deutschen Presse-Agentur sagte Obergföll am Mittwoch: "Das Maß ist voll. Jetzt muss endlich was passieren."

Unter dopingverdächtigen Sportlern aus Russland befinden sich einem Medienbericht zufolge zehn Medaillengewinner der Olympischen Spiele 2008 in Peking. Der russische Sender Match TV veröffentlichte am Vortag ohne Angabe einer Quelle die Namen 14 russischer Athleten, die bei Nachkontrollen auffällig geworden sein sollen.

Möglicherweise gehört Obergföll zu den Betrogenen in Peking. Sie hatte hinter der Tschechin Barbora Spotakova und der Russin Maria Abakumowa Bronze gewonnen.

Selbst wenn die Russin überführt werden sollte, würde Obergföll keine Genugtuung empfinden. "Ich rücke zwar einen Platz nach oben, aber ich habe nichts mehr davon: Keinen Benefit, keine Prämien, keine Sponsorengelder", sagte sie. "Das ganze Emotionale fehlt - das kann man nicht nachholen."

Laut dem Bericht des russischen Senders sollen sich unter den Medaillengewinnern acht Leichtathleten und zwei Gewichtheber befinden. Dazu sollen vier Athleten kommen, die vor acht Jahren kein Edelmetall holten.

Das Nationale Olympische Komitee von Russland (ROC) hatte bestätigt, dass die A-Probe bei 14 Olympia-Teilnehmern des Landes positiv gewesen sei. Die B-Proben sollen am 31. Mai und 1. Juni beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Lausanne geöffnet werden.

Zu den verdächtigen Sportlern gehört auch Hochspringerin Anna Tschitscherowa, wie ihr Trainer einräumte. Sie hatte 2012 Olympia-Gold und 2008 Bronze gewonnen.

Das IOC hatte mitgeteilt, dass bei Nachkontrollen mit verfeinerten Testverfahren der Proben von Peking 31 Proben auffällig waren. Namen wurden zunächst nicht genannt. Die betroffenen Athleten kommen aus zwölf verschiedenen Ländern, insgesamt sechs Sportarten sind betroffen. Das IOC hatte 454 Dopingproben nochmals analysieren lassen.

Bericht bei Match TV, russisch

ROC-Mitteilung, russisch

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