Organisatorische Probleme

Stolperstart in Olympische Spiele: Leere Ränge und deutsche Enttäuschungen

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Einsam, zweisam, fünfsam: Bei vielen Veranstaltungen in Rio sieht es auf den Tribünen so leer aus wie hier. Die Stimmung in vielen Sportstätten ist oft bescheiden.

Kassel. Die Olympischen Spiele in Rio sind seit Samstag im Gange, doch wirklich rund läuft es noch nicht; Stimmung mochte auch kaum aufkommen - vor allem nicht aus deutscher Sicht.

Das hat mehrere Gründe. Eine Übersicht.

DIE DEUTSCHE SCHWÄCHE 

Klar, wer während der Spiele vor dem Fernseher mitfiebert, der hofft vor allem auch auf Erfolge heimischer Athleten. Mitfiebern, mitjubeln - so erhofft man sich das. Bisher aber herrscht Flaute im deutschen Lager. Platz vier bei den Schützen, das war noch das beste Ergebnis.

DAS DESINTERESSE VOR ORT 

Fußballspiele vor halb leeren Rängen, Dressurreiten vor verwaisten Zuschauerplätzen - bisher ist von der ansonsten so fröhlichen brasilianischen Stimmung bei Sportveranstaltungen nicht viel zu sehen. Das Desinteresse vor Ort hat auch damit zu tun, dass die meisten Menschen in Rio nicht das Geld haben, um sich ein teures Olympia-Ticket zu kaufen. Das stelt sich nun als fatal heraus.

DIE PROBLEME VOR ORT 

Blieb ohne Medaille: Fechter Peter Joppich. Foto: dpa

Klar, gerade am Anfang von Olympischen Spiele gibt es immer Probleme. In Rio aber häufen sie sich: Am Sonntag gab es einen Stromausfall im Olympischen Dorf; wenn die Athleten nicht im Fahrstuhl feststeckten, mussten sie mitunter 17 Stockwerke mit schwerer Ausrüstung hinauflaufen. Im Pressezentrum der Reiter schlug ein Projektil ein. Woher es kam, das ist noch nicht aufgeklärt. Die Strecke der Straßenradfahrer war brutal - schwere Stürze waren die Folge. Die Ruderstrecke erwies sich bisher nur als bedingt olympia-tauglich. Die Zuschauer müssen vor den Eingängen der Arenen oft lange warten. Wenn sie Pech haben, sind die Verpflegungsstände auch noch geschlossen. Alles in allem: Ein bisschen zu viele Probleme.

DAS DOPING-CHAOS 

Zwischenzeitlich gab es die Überlegung, Russland nach dem Nachweis des Staatsdopings ganz auszuschließen von diesen Spielen. Das Internationale Olympische Komitee aber ließ es soweit nicht kommen - wohl auch auf Geheiß des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Jetzt kommt das Gefühl auf, dass fast mehr Russen starten, als anfangs gemeldet worden waren.

Dass auch die einst positiv getestete Schwimmerin Julia Jefinmowa dabei ist, das war ein Eingeständnis der Willenlosigkeit im Kampf gegen Doping - und sorgte bei vielen Athleten für Kopfschütteln und Verärgerung.

FOLGEN UND FAZIT 

Die Olympischen Spiele werden es immer schwerer haben, sich zu behaupten, wenn die Funktionäre nicht klare Signale für einen sauberen Sport senden. Dass deren Zaudern in vielerlei Fragen zu einem immer größeren Desinteresse der Allgemeinheit führt, lässt sich jetzt schon erahnen. So verzeichnete das ZDF am Sonntag bei seiner Olympia-Berichterstattung in der Spitze eine Einschaltquote von 5,11 Millionen, der höchste Marktanteil lag bei 19,2 Prozent. Während Olympia 2012 in London betrug er im Durchschnitt noch 23,7 Prozent. Dass dieser Rückgang kein deutschlandspezifischer Trend ist, beweist ein Blick auf eine andere Zahl: Im Vergleich zu London vor vier Jahren verfolgten 35 Prozent weniger US-Amerikaner die Eröffnungsfeier.

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