Superman, ganz menschlich

Cristiano Ronaldo: Er scheitert im Spiel, macht aber Fan glücklich

Wer die Bilder dieses Spiels anschaut, der weiß, dass sich nicht alles, aber fast alles allein um einen Mann drehte. Wie so oft. 450 Fotos spuckt die Agentur aus zum Suchbegriff „Ronaldo“.

Sie zeigen Portugals Superstar als Gockel, die Hose hochgezogen, so dass die modische Unterhose zu sehen ist. Sie zeigen ihn Muskeln-zur-Schau-stellend. Sie zeigen seine perfekte Frisur. Sie zeigen ihn beim Kopfball, beim Schuss, beim Elfmeter. Vor allem aber zeigen sie ihn leidend, verzweifelnd, wütend.

Ganz zum Schluss aber, als das 0:0 zwischen Portugal und Österreich feststeht, da entstehen Bilder, die einen anderen Cristiano Ronaldo zeigen. Als ein portugiesischer Fan auf das Spielfeld gelaufen kommt, um nah bei seinem Star zu sein, da beweist er Ruhe und Größe. Es ist ja keine leichte Situation, zugleich auch eine peinliche für die Sicherheitskräfte.

Was bloß, wenn dieser Mann ein Messer ziehen würde? Er aber zieht ein Handy. Er möchte ein Selfie mit Ronaldo. Und dieser Ronaldo legt ihm den Arm um die Schulter. Er weist die Ordner ab, die nach dem Flitzer gereifen. Wartet geduldig, weil der aufgeregte Fan neben ihm sein Handy nicht in den Griff bekommt. Als das Selfie nach ein, zwei Minuten endlich geschossen ist, lässt Ronaldo sich noch umarmen.

„Das war alles meine Schuld“

Dass er selbst für diesen besonnen Auftritt nicht nur Wohlwollen erntet, dass ihm Journalisten wie Fans Kalkül und PR in eigener Sache unterstellen, das sind die Geister, die der 31-Jährige rief. Er ist der Pfau, der sich, seinen durchtrainierten Körper, seine Frisur, seinen Reichtum und - ja auch das - sein fußballerisches Können stets in den Mittelpunkt stellt. Allein sein Schreiten zum Freistoß lässt bei vielen Betrachtern den Adrenalinspiegel steigen. Selbstktitik? Eigentlich nicht Ronaldos Sache. Nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Island verweigert er den Trikottausch und lästert über das defensive Verhalten des Gegners.

Nun, nach dem Spiel gegen Österreich, sagt Ronaldo: „Das war alles meine Schuld.“ 22:3 Torschüsse hat die Statistik zugunsten Portugals errechnet. Vor allem aber war es das Duell des großartigen Torhüters Robert Almer mit dem Superstar. In seinem 128. Länderspiel, mit dem er Figo als Portugals Rekordhalter ablöst, tut Ronaldo alles für ein Tor. Er läuft, er rackert, er hat sich nichts vorzuwerfen in dieser Hinsicht. Er kämpft um jede Chance. Und er hat viele Chancen. Auch den Elfmeter erarbeitet Ronaldo persönlich im Ringkampf mit seinem Gegenspieler. Doch richtig rund läuft Ronaldo nicht. Im TV sagt ARD-Experte Mehmet Scholl: „Ich weiß nicht, was er hat. Aber er hat irgendwas.“

Ob es dieses „irgendwas“ ist, ob der nun schon zur Last gewordene unbedingte Wille, das Siegtor zu erzielen - Ronaldo setzt auch den Elfmeter an den Pfosten. Der österreichische Standart höhnt: „Almer mentalisierte des Pfauen Penalty schnurgerade an die Stange.“ Als Ronaldo kurze Zeit später endlich trifft - aber dabei im Abseits steht, ist seine persönliche Länderspiel-Tragödie endgültig perfekt.

Supermann ist an diesem Tag des Spiels gegen Östrereich ein wenig geschrumpft. Aber er ist auch ein ganzes Stück menschlicher geworden.

Netzschau: CRZero und viel Lob für einen Pfosten

Er selbst hatte für seine 43 Millionen Follower eine Botschaft: „Traurig mit dem Ergebnis, aber ich weiß, dass wir alle zusammen die Kurve nach oben bekommen“, twitterte Cristiano Ronaldo (@Cristiano) am Samstagabend. Gerade hatte er beim 0:0 gegen Portugal einen Elfmeter verschossen, einen Fan mit einem ganz besonderen Selfie glücklich gemacht und ohne regulären Treffer den Platz verlassen. Jedes Ereignis an sich ist schon eine Steilvorlage für die Netzwelt. Unsere Netzschau.

Das Selfie

Diese Aktion bringt ihm tatsächlich jede Menge Sympathiepunkte ein. „...auch das ist CR7“, twittert TV-Kommentator Wolff Fuss (@WolfffFuss). „Stark von Ronaldo, das Fan-Selfie“, schreibt Oliver Kahn (@OliverKahn) und schickt ein Foto von sich und einem nackten Flitzer mit. „Gott sei Dank gab es zumeiner Zeit keine Handykameras.“

„Ich kritisiere ihn ja gern, aber das mit dem Flitzer war cool“, twittert Daniel S. (@Le Schroeck). „Wie saustark ist diese Selfie-Aktion von Ronaldo? Und das nach dem Spiel... Respekt!“, schreibt Florian Schmidt-So (@Schmiso). Bei Hendrik Vöhringer (@voerhingerH) hat er „gerade 1000 Sympathie-Punkte gewonnen. Selfie mit Fan.“ Und Curi0us (@Curi0us) ergänzt: „Und wenn man sich jetzt die Selfie-Szene mal anguckt, kann man ja nochmal überlegen, ob CR7 nicht doch ganz symphatisch rüberkommt.“

Der Pfosten

Trotz aller neugewonnenen Symphatien - es gibt natürlich auch jede Menge Schadenfreude für Pechvogel Ronaldo. „CR7 heißt jetzt CRZero“ teilt die Rheinische Post (@rpo_topnews) mit. Ins gleiche Horn blasen viele Medien weltweit: O Globo, die größte Zeitung Brasiliens, etwa twittert ebenfalls „CRZero“ (@globo).

Zudem machen Witze wie diese die Runde: „Was haben menschenfeindliche Politik und Ronaldos Torschüsse gemeinsam? Beides kommt bei den Österreichern nicht so richtig an.“ (@derFlixxx). Die Macher von WummsSportshow (@wummsSportshow) haben wohl an Sankt Paulis „Weltpokalbesieger“-T-Shirts gedacht: Sie twittern ein Bild jenes Tores, an dessen Pfosten Ronaldo den Elfmeter gesetzt hatte und kommentieren das so: „Champions-League-Sieger-Besieger“.

Und für die Szene, in der Ronaldo sich offensichtlich erschreckt, liefert das Netz gleich mehrere Erklärungen: „Die Diva hat ihre Tage“, vermutet Hummerhaken (@dasHawkEye). „Cristiano Ronaldo hatte Angst, weil er erkannte, dass eine Kakerlake auf dem Feld war“ (@Cr7King4ever), während die Sportschau rein sportliche Gründe dahinter vermutete: (@sportschau): „Aktueller Status bei Ronaldo und Portugal: Miese Haltungsnoten, der Ball will einfach nich rein.“

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