Tischtennis: Hilflos ohne Boll und Ovtcharov bei WM

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Ohne den erkrankten Top-Star Timo Boll verpassten die Tischtennis-Herren die WM-Endrunde. Foto: Bernd Thissen

So eine historischen Pleite war nicht zu erwarten. Deutschlands Tischtennis-Asse sind bei der WM abgestürzt. Der Ausfall beider Top-Spieler konnte nicht kompensiert werden.

Kuala Lumpur (dpa) - Ab in die Nebenhalle: Mit bedröppelten Gesichtern verließen Deutschlands Tischtennis-Herren den Center Court bei der WM in Kuala Lumpur. Trotz des 3:2 gegen Schweden verpasste das Team ohne den erkrankten Top-Star Timo Boll erstmals seit 31 Jahren die Hauptrunde.

Die DTTB-Auswahl, die zuletzt dreimal in Serie die übermächtigen Chinesen im Finale herausgefordert hatte, muss um Rang 13 spielen - eine Blamage, die trotz ungünstiger Voraussetzungen kaum einer für möglich gehalten hätte.

"Dieser Misserfolg nagt an uns allen", bekannte Bundestrainer Jörg Roßkopf nach dem Absturz in eine Tabellenregion, die er zuletzt als Spieler bei der WM 1985 (17. Platz) miterlebt hatte. "Ich kenne aber die Umstände und kann damit leben", fügte der frühere Europameister etwas trotzig hinzu.

Ohne die Top-Ten-Spieler Dimitrij Ovtcharov, der wegen seiner Rückenprobleme fehlte, und Timo Boll, der wegen einer schweren Erkältung nur zwei Partien absolvieren konnte, wirkte das Team führungslos. "Die anderen Spieler hatten genug Chancen, haben sie aber nicht konsequent genug genutzt", kritisierte der Coach. "Deshalb haben wir das Weiterkommen auch nicht verdient."

Nach den Pleiten gegen Frankreich (1:3) und England (1:3) hätte ein 3:0 gegen Schweden den Einzug ins Achtelfinale gesichert. Doch dem furiosen Auftaktsieg von Bastian Steger (Bremen) folgten zwei Niederlagen von Ruwen Filus (Fulda) und Steffen Mengel (Bergneustadt). Hinter Frankreich und den punktgleichen Teams aus Schweden und England reichte es für Deutschland wegen des schlechteren Spielverhältnisses nur zu Platz vier in der Gruppe B.

"Das ist ein Weckruf. Wir müssen hinter unseren Galionsfiguren mehr tun", erklärte Sportdirektor Richard Prause. Der Weckruf ertönte in Malaysia allerdings nicht zum ersten Mal. Bereits bei den EM-Turnieren 2014 und 2015 setzte es in den Endspielen bittere Niederlagen gegen Portugal und Österreich - auch bei diesen Events konnte das DTTB-Team nicht mit voller Kapelle aufspielen.

Klar ist, dass anderen Länder enorm aufgeholt haben. Negative Auswirkungen für Olympia befürchten Roßkopf und Prause nach der WM nicht. Ob Boll, der am Donnerstag die Heimreise antreten soll und der am nächsten Dienstag 35 Jahre alt wird, noch einmal seine alte Form erreichen kann, bleibt eine spannende Frage. Europameister Ovtcharov ist voll auf Rio fokussiert. "Wir werden unseren Setzplatz zwei wohl behalten. Ich freue mich auf den 29. Mai. Dann werden wir unsere intensive Olympia-Vorbereitung beginnen", sagte Roßkopf.

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