Tour de France: Unser Zwischenzeugnis für die deutschen Fahrer

Fahren bislang hinterher: Die deutschen Sprinthoffnungen John Degenkolb (links) und André Greipel. Fotos: dpa

Kassel. 2928 Kilometer haben die Fahrer der Tour de France jetzt schon in den Beinen. Nach dem Ruhetag am Dienstag ist es Zeit für ein Zwischenfazit aus deutscher Sicht.

Stark: 

Emanuel Buchmann : Der mit 23 Jahren jüngste deutsche Starter ist der Lichtblick der Frankreichrundfahrt. Vor der Tour hatte er angekündigt, er wolle in die Top 20 des Gesamtklassements fahren - das wäre das beste Ergebnis nach Andreas Klöden, der 2012 Elfter wurde. Zwar hatte Buchmann (Ravensburg) bei seiner Tour-Premiere 2015 schon einen dritten Platz belegt - aber hat er auch das Zeug zum Klassementfahrer? Offenbar ja. Der Kapitän des deutschen Bora-Argon-18-Teams hielt bei den schweren Pyrenäen-Etappen tapfer mit und belegt derzeit Rang 21. Der Rückstand auf den anvisierten 20. Platz beträgt lediglich 15 Sekunden.

Durchschnittlich: 

Marcel Kittel: Der Erfurter hat den bisher einzigen deutschen Etappensieg eingefahren. Zudem wurde der Kapitän des belgischen Teams Etixx-Quickstep zweimal Zweiter. Allerdings hat er keine Chancen mehr auf das Grüne Trikot. In der Sprintwertung liegt er mit 228 Punkten weit hinter dem Führenden Peter Sagan (405 Punkte). Eine Chance hat der 28 Jahre alte Kittel noch: die Schlussetappe nach Paris. Auf der Champs-Élysées haben seit 2005 immer Sprinter gewonnen. 2013 und 2014 hieß der Sieger Marcel Kittel.

Paul Voß: Für Aufsehen hat der 30-jährige Bielefelder vom Team Bora-Argon 18 gleich am ersten Tag gesorgt. Er sicherte sich als Ausreißer für eine Etappe das Gepunktete Trikot und war damit erst der siebte Deutsche, der die Bergwertung anführte. Seitdem stellt sich Voß in den Dienst der Mannschaft und zeigt eine solide Leistung.

John Degenkolb: Auch wenn es bislang nur für zwei vierte Plätze gereicht hat - der Sprintspezialist aus Frankfurt fährt eine passable Tour. Es ist ohnehin erstaunlich, in welch guter Verfassung sich der 27-Jährige schon wieder befindet. Schließlich hatte er im Januar einen schweren Autounfall beim Training in Spanien erlitten und musste nach Risswunden und einem Unterarmbruch operiert werden.

Schwach: 

Tony Martin: Nein, es ist bisher nicht die Tour des Tony Martin. Gemessen an seinen Ansprüchen enttäuschte der fünffache Zeitfahr-Weltmeister und amtierende Deutsche Meister beim ersten Einzelzeitfahren auf ganzer Linie. Der 31-Jährige vom Team Etixx-Quickstep, der Kreuzlingen in der Schweiz lebt, wurde mit mehr als zwei Minuten Rückstand nur Neunter. Um den Sieg wird er beim zweiten Zeitfahren am Donnerstag, einem 17 Kilometer langen Bergzeitfahren, wegen des ansteigenden Streckenprofils wohl ebenfalls nicht mitfahren. Auch sein Ausreißversuch am Montag blieb ohne Erfolg.

André Greipel: Der 34-jährige Sprinter vom Team Lotto Soudal hat schon zehn Etappensiege auf seinem Tour-Konto. Nur Erik Zabel (zwölf) hat aus deutscher Sicht mehr. In diesem Jahr macht Greipel nach der Zieleinfahrt regelmäßig einen enttäuschten Eindruck. Auf der dritten Etappe unterlag er zwar nur hauchdünn dem Briten Mark Cavendish - mehr war bislang aber nicht drin. Im Rennen um das Grüne Trikot liegt der sprintstarke Mann aus Hürth als Siebter (128 Punkte) aussichtslos zurück. Seine letzte Chance auf einen Tagessieg ist die Etappe, die Greipel schon 2015 gewann: die Schlussetappe nach Paris.

Außerdem dabei: Marcus Burghardt (BMC/Steinmaur/Schweiz), Andreas Schillinger (Bora-Argon 18/Amberg), Marcel Sieberg (Lotto Soudal/Bocholt), Simon Geschke (Giant Alpecin/Kelmis/Belgien), Paul Martens (Lanaken/Belgien) und Robert Wagner (beide Lotto NL-Jumbo/Magdeburg).

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