Vorne hui, hinten pfui: Handballer suchen nach EM-Form

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Die deutschen Handballer zeigten sich im Test gegen Tunesien besonders offensivstark. Foto: Deniz Calagan

Deutschlands Handballer zeigen gegen Tunesien eine beeindruckende Offensivleistung. Ohne die verletzten Gensheimer und Co. hapert es aber in der Abwehr. Das will der experimentierfreudige Bundestrainer kurz vor dem EM-Start aber noch in den Griff kriegen.

Stuttgart (dpa) - Neun Tage vor dem Start in die Europameisterschaft tüftelt Dagur Sigurdsson intensiver denn je am Masterplan für die verletzungsgeplagte Handball-Nationalmannschaft.

Nach dem 37:30 gegen Tunesien habe er zwar einen "super, super Angriff" gesehen, sagte der Bundestrainer. "Aber man braucht kein Professor zu sein, um zu erkennen, dass Abwehr und Torhüter gerade in der ersten Halbzeit schwach waren."

Das Spiel gegen dem mehrfachen Afrikameister war der erste Härtetest auf dem Weg zum Turnier in Polen. Für Sigurdsson war es gleichzeitig die erste Möglichkeit, seine im Trainingslager in Berlin entwickelten Varianten in der Praxis auszuprobieren. Denn der Isländer ist nach den schwerwiegenden Ausfällen von Kapitän Uwe Gensheimer (Wadenverletzung), Patrick Groetzki (Wadenbeinbruch) und Co. zum Experimentieren gezwungen. Kein Problem, sagt er.

"Wir haben Martin Strobel, wir haben Niclas Pieczkowski, wir haben Simon Ernst, wir haben Steffen Fäth", zählte der 42-Jährige einige der Akteure auf, die sich gegen Tunesien auf Linksaußen probieren durften. Doch keiner der gelernten Rückraumspieler fand sich auf der ungewohnten Position zurecht. Rune Dahmke ist nach dem Ausfall von Gensheimer und seinem Ersatz Michael Allendorf der einzig verbliebene Linksaußen im Kader, er fehlte gegen die Afrikaner aber noch wegen einer Sprunggelenksverletzung. "Ich hoffe, dass er bei den nächsten Spielen wieder dabei ist", sagte Sigurdsson.

Die DHB-Auswahl schließt ihre dreiteilige Testspielreihe mit zwei Spielen gegen Island in Kassel und Hannover ab. Noch am Mittwochmorgen absolvierte sein Team ein Krafttraining in Stuttgart. Anschließend machte sich die DHB-Auswahl auf den Weg nach Hannover. Dort setzen die Handballer ihre Vorbereitung auf die am 15. Januar beginnende EM fort.

"Wir haben noch ein paar Tage Zeit, um uns zu steigern, speziell, was die Abwehr betrifft", sagte der gegen Tunesien starke Rückraumspieler Christian Dissinger. "Es ist doch klar, dass noch nicht jedes Rad ins andere greift." Doch gerade in der Offensive überraschte das vom Bundestrainer notgedrungen durchgemischte Team.

"Das ist das Positive, dass wir trotz der Ausfälle so viele Varianten spielen können", sagte Torhüter Carsten Lichtlein. Denn Sigurdsson rotierte nicht nur auf Linksaußen, auch im Rückraum ließ er seine Akteure immer wieder auf den unterschiedlichsten Positionen auflaufen.

Das könnte auch in der starken Vorrundengruppe C das Mittel zum Erfolg sein. Gleich zum Auftakt trifft die DHB-Auswahl in Breslau auf Ex-Weltmeister Spanien. Anschließend warten Rekordeuropameister Schweden und Slowenien. Mit einem konkreten Ziel hält sich der WM-Siebte zurück: "Wir wollen auch in Polen unser Spiel machen. Die Gegner sollen sich auf uns einstellen", kündigte Dissinger an. Zumindest das dürfte nach dem Ausfall zahlreicher Stammkräfte schwieriger werden.

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