Vor DFB-Präsidiumssitzung: Profi-Clubs sind brüskiert

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Hans-Joachim Watzke ist empört über das Vorpreschen der Amateure bei der Entscheidungsfindung. Foto: Guido Kirchner

Vor der Präsidiumssitzung ist die Stimmung im DFB aufgeheizt. Die Profis fühlen sich von den Amateuren bei der Präsidentensuche überrumpelt, der Verbandsfrieden ist gestört. Dabei gäbe es wichtige Probleme zu besprechen - die WM-Affäre und die Sicherheitslage.

Frankfurt/Main (dpa) - Im Deutschen Fußball-Bund rumort es gewaltig. Das Treffen der Führungsspitze am Freitag in Frankfurt birgt reichlich Zündstoff.

Die Amateure haben durch die voreilige Kür von Reinhard Grindel zum Nachfolge-Kandidaten des im Zuge der WM-Affäre zurückgetretenen Präsidenten Wolfgang Niersbach den Verbandsfrieden mit den Profis empfindlich gestört. Die erhitzte Diskussion über dieses Vorpreschen droht die Aufarbeitung der Vorgänge rund um das Sommermärchen 2006 und die nach den Vorfällen von Paris und Hannover dringend gebotene Sicherheitsdebatte zu überlagern.

"Ich habe in dieser Woche mit vielen Vereinschefs der Liga gesprochen und selten so eine Einigkeit erlebt. Wir fühlen uns brüskiert. Für den gesamten Fußball ist das eine sehr unschöne Geschichte", sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke dem "kicker".

Ligapräsident Reinhard Rauball, der im Vorfeld des Treffens der 21 Landes- und fünf Regionalverbände in Hannover vergeblich vor einem Schnellschuss gewarnt hatte, DFL-Geschäftsführer Christian Seifert sowie die Ligavorstandsmitglieder Peter Peters (Schalke 04) und Harald Strutz (FSV Mainz 05) werden in der Präsidiumssitzung wohl Tacheles reden. Denn die Profis fühlen sich bei der Suche nach einem Niersbach-Nachfolger überrumpelt.

Die Empörung ist groß, die Stimmung ziemlich frostig. "Die Hektik der Landesverbände kann ich nicht nachvollziehen", kritisierte auch Mainz-Manager Christian Heidel. "Der richtige Weg ist, erst die Vorkommnisse um die WM 2006 aufzuarbeiten, reinen Tisch zu machen. Danach kann man sich über notwendige Umstrukturierungen und neue Personen unterhalten."

Dafür ist es nun zu spät. CDU-Politiker Grindel soll nach dem Willen der Amateure, die bei der Wahl zwei Drittel der Stimmen haben, möglichst schnell auf den verwaisten Präsidenthron gehievt werden. Die Aussagen von Interimspräsident Rainer Koch, ebenfalls ein Mann der Basis, lassen daran keinen Zweifel: "Der DFB muss nach dem Rücktritt von Wolfgang Niersbach so schnell wie möglich wieder vollständig handlungsfähig gemacht werden." Man wolle daher im Präsidium eine baldige Neuwahl erörtern.

Zugleich mahnte Koch die zügige Aufarbeitung der WM-Affäre, die den DFB in eine schwere Glaubwürdigkeitskrise gestürzt hat, an. "Die deutschen Amateurfußballvereine haben zurecht den Anspruch und die Forderung, dass in den Führungsebenen des nationalen, des europäischen und des Weltfußball-Verbandes ausgelöste Verwerfungen und Skandale vollständig und schnellstmöglich aufgeklärt, abgearbeitet und behoben werden", sagte Koch.

In der "Abendschau" des Bayerischen Fernsehens sagte Koch am Donnerstag jedoch, mit der Wahl eines neuen Verbandschefs zu warten, bis die Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2006 lückenlos und schonungslos aufgeklärt ist. "Erst dann ist nach unserer Vorstellung auch die Zeit für einen Bundestag gekommen, und nur dann."

Bis zur Einberufung eines außerordentlichen Bundestages gehe es darum, "vorrangig die externen Untersuchungs- und Aufklärungsarbeiten der Kanzlei Freshfield mit Nachdruck voranzutreiben und zum Abschluss zu bringen". Das brisante Thema war in den vergangenen Tagen durch den Terror von Paris und die Absage des Länderspiels Deutschland gegen Niederlande in Hannover ein wenig in den Hintergrund gerückt.

Angesichts dieser Top-Themen mutet es umso überflüssiger an, dass sich der DFB ohne Not einen Nebenkriegsschauplatz geschaffen hat. Mit der jahrelangen Harmonie zwischen Amateuren und Profis ist es vorerst vorbei. "Man sollte die Möglichkeiten des Profifußballs nicht unterschätzen", warnte BVB-Geschäftsführer Watzke. "Wenn man meint, man müsste uns vor vollendete Tatsachen stellen, muss man sich im Klaren sein, dass der größte Wert des DFB, die Nationalmannschaft, von Spielern gebildet wird, die wir bezahlen."

Artikel auf kicker.de

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