Weitsprung-Star Bob Beamon wird 70

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Er fliegt und fliegt und fliegt: Bob Beamon bei seinem Weltrekord-Sprung am 18. Oktober 1968 in Mexiko.  

Hätte es Facebook, Youtube und die anderen sozialen Netzwerke schon gegeben, das Netz wäre wohl zusammengebrochen. Aber auch im damals noch weit verbreiteten Schwarz-weiß-TV war Robert „Bob“ Beamons Weitsprung die Sensation der Olympischen Spiele von Mexiko.

Heute, wenn der Amerikaner aus Queens (New York) 70 Jahre alt wird, haben die Bilder des Mannes mit der Startnummer 254 immer noch das Zeug zum Klickmonster im Internet.

19 Schritte Anlauf nahm er am 18. Oktober 1968, und dann passte in unvergesslichen sieben Sekunden alles. Mit dem Tempo eines 10,0-Sekunden-Sprinters traf der 22-Jährige den Absprungbalken perfekt, und flog und flog und flog. Die Beobachter waren sprachlos, mitgerissen und tief beeindruckt von diesem Sprung bis ans Ende der Sandgrube. Das bis 8,60 Meter reichende elektronische Messsystem reichte nicht aus.

Locker und federleicht, wie schon sein Sprung war, hüpfte Bob Beamon von dannen, während die Kampfrichter das gute alte Maßband herauskramten. Staunen. Kopfschütteln. Und dann das Unglaubliche: 8,90 m!

Beamon hatte den Weltrekord um 55 Zentimeter gesteigert. 55 Zentimeter! Begünstigt von der dünnen Luft im 2240 Meter hoch gelegenen Mexiko, von der höheren Anlaufgeschwindigkeit auf den erstmals genutzten Tartanbahnen, vom optimalen Rückenwind mit gerade noch zulässigen zwei Metern pro Sekunde.

„Die Bedingungen waren optimal, alles hat gestimmt“, sagte Überflieger Beamon später. Und wir alle damals waren uns einig – das war ein Sprung ins nächste Jahrhundert. Denkste. Denn der Weltrekord hielt „nur“ 23 Jahre. Dann kam Beamons Landsmann Mike Powell und erzielte in Tokio sogar 8,95. Eine Bestmarke, die bis heute Bestand hat. Am morgigen Dienstag schon seit 25 Jahren.

Natürlich wird heute wie gestern darüber gegrübelt, ob damals in Mexiko und später in Tokio alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Doping? Wurde nie bewiesen. Und tatsächlich deutet bis heute alles darauf hin, dass Beamons schier außerirdischer Sprung schlichtweg eine Sternstunde war. Seinem ersten Satz in Mexiko ließ er nur noch einen weiteren auf 8,04 m folgen, brach danach den Wettkampf ab.

Auch später kam er nie wieder in die Nähe seines sensationellen Rekords. Einige Wettbewerbe noch in der Halle, ein gescheiterter Comeback-Versuch dann 1972 und im Jahr darauf ein ebenso kläglicher Anlauf als Profisportler – das war’s für den Athleten Beamon.

Schneider hatte er ursprünglich gelernt, nun arbeitete er als Co-Trainer, Jugendberater und Sozialarbeiter. Reich wurde er nicht. Aber geblieben ist seine Signatur auf den Autogramm-Karten – „8.90“. Mehr braucht es nicht für eine in sieben Sekunden geborene Legende.

In Rio kürzlich reichten Jeff Henderson (USA) 8,38 m zum Gold. Dabei hatte Bob Beamon demjenigen ein Bier versprochen, der seinen olympischen Rekord knackt.

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