Willingen. So ein richtiger Skisprung-Fan ist schwer auf Achse. Sabrina (24) und Vanessa (18) Wolkenhauer aus Northeim haben mal zusammengezählt, wie viele Kilometer sie für ihre Leidenschaft unterwegs waren.
Und sie haben das auch einem Transparent festgehalten: Oberhof 172 Kilometer, Oslo 1070, Klingenthal 399, Hinterzarten 543, Innsbruck 669 und Oberstdorf 571 Kilometer. Macht unterm Strich 3424 Kilometer, aber das haben die Schwestern noch nie ausgerechnet. Wozu auch: Sie waren überall schon mehrmals. In Willingen in diesem Jahr zum siebten Mal.
Sie reisen den Skispringern hinterher: Sabrina (links) und Vanessa Wolkenhauer aus Nordheim sind auch in Willingen Stammgäste. Fotos: SchachtschneiderDie Northeimerinnen folgen dabei vor allem den Spuren der Österreicher. Genauer gesagt sind Gregor Schlierenzauer und Andreas Kofler ihre Lieblinge. Und die Deutschen? „Na, wenn der Richard Freitag vorne mitspringt, ist das o.k. Gewinnen muss er ja nicht gerade.“ Martin Schmitt, den einstigen Helden der Adler, der verletzungsbedingt nicht in Willingen antritt, vermissen die beiden nicht. „Wird Zeit, dass der aufhört,“ so die Nordheimerinnen.
Mit dieser Meinung scheinen die sie aber fast allein im weiten Rund um die Mühlenkopfschanze. Alte Liebe rostet nicht - schon gar nicht die zu dem smarten Martin.
„Mit Martin Schmitt hat alles angefangen“, sagt zum Beispiel Rebecca Kielbassa aus Düsseldorf. „Ohne ihn wäre ich ja gar nicht hier.“ Obwohl: Heute schwärmt sie wie ihre Kölner Freundin Anna Herix mehr für den Norweger Tom Hilde.
Die Namen ihre Lieblinge tragen Katharina Bayer und Carina Lüttel aus Lingen mit kleinen Schildern auf dem Kopf: „Kofi“ steht für Andreas Kofler, und „Richie“ für den neuen deutschen Star Richard Freitag. „Ich liebe ihn“, sagt Carina - aber das ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte ihres Herzens gehört Martin Schmitt. „Bitte, Bitte, lass ihn nicht aufhören“, lautet denn auch ihr Stoßgebet. Wenn Martin sie erhört, wird Corinna im nächsten Jahr auch seinen Namen wieder auf dem Kopf tragen: Vorne Martin, hinten Richie.
Simon, fünf Jahre alt und mit Vater, Mutter und zwei Schwestern aus Bremen angereist, sagt nicht viel. Und wenn, dann sagt er einen Namen: Martin Schmitt. Kein Wunder, Familie Schneider aus dem hohen Norden liebt neben Werder den Martin. Warum das so ist, kann Vater Thomas eigentlich nicht erklären. Das war eben schon immer so. Ob Schmitt gut war oder schlecht, ob er springt oder nicht - alte Liebe rostet nicht.
Bei so viel andauernder Fan-Verehrung haben wohl die Verkäufer in den Fan-Shops den falschen Riecher gehabt, als sie ihr Sortiment ausmisteten: Die lila Schmitt-Kappen gibt es in diesem Jahr zum ersten Mal nicht mehr.
Von Frank Thonicke
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