Spannung, neue Begeisterung oder erneut Dopingprobleme?

102. Tour de France: Zwischen Hoffen und Bangen

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Radsport in blühenden Sonnenblumen-Feldern. Das sind die schönen Bilder der Tour de France.

Kassel. Von Utrecht in 21 Tagen nach Paris: In den Niederlanden beginnt am Samstag die Tour de France.

Und erneut steht das größte Radsportspektakel der Welt, das nur im Norden und Süden gefahren wird und zwei Transportetappen erfordert, zwischen Hoffen und Bangen. Da ist die Zuversicht auf große sportliche Spannung im Duell der „fantastischen Vier“, so Tourchef Christian Prudhomme (siehe Favoriten), aber noch immer auch die Sorge, dass einmal mehr das Thema Doping alles andere in der Hintergrund drängt. Ein kleines Tour-Alphabet:

A wie Armstrong, Lance: Ausgerechnet der amerikanische Inbegriff des Dopingsünders wird am 16. und 17. Juli zwei Etappen mitfahren – im Rahmen einer Benefiztour zugunsten Leukämiekranker. Vom Saulus zum Paulus? Das glaubt niemand. Instinktlos ist’s und unangemessen.

D wie Doping: An jedem Tag werden alle Etappensieger, der Träger des Gelben Trikots und mindestens fünf weitere Fahrer getestet. Unangekündigte Kontrollen kommen hinzu. Was besonders beim Astana-Team aus Kasachstan interessant sein könnte. Teamchef Alexander Winokurow strampelte einst mit Jan Ullrich, wurde als Blutdoper überführt und ist dennoch Mitglied der Tour-Familie. Dabei gab es 2014 fünf positive Proben allein im Umfeld dieses Teams.

F wie Fernsehen: Die ARD holt die Tour zurück ins öffentlich-rechtliche TV-Programm (siehe Interview unten). Was Aktive wie Funktionäre des Bundes Deutscher Radfahrer von einer neuen Begeisterungswelle träumen lässt. Die Talsohle sei durchschritten, wieder Bewegung da. Sagt Tony Martin. Er ist einer der aktuellen Hoffnungsträger von zehn Deutschen, bei denen nun auch wieder junge Leute nachrücken wie Meister Emanuel Buchmann.

E wie Etappen: 21 Tagestouren durch Holland, Belgien und Frankreich stehen an. Ein Einzelzeitfahren über 13,8 Kilometer nur zu Beginn, ein Mannschaftszeitfahren. Die Entscheidung über den Gesamtsieg nach 3360 Kilometern könnte am vorletzten Tag fallen, wenn die Meute sich hinauf quält nach L’Alpe d’Huez.

R wie Regeln: Von einigen Neuerungen ist die Rückkehr zu Zeitgutschriften die Wichtigste. Nach acht Jahren erhalten nun die drei Besten jeder normalen Etappe wieder Boni von 10, 6 und 4 Sekunden. Außerdem: Fahrer, die auf den letzten drei Kilometern stürzen oder einen Schaden am Rad erleiden, werden mit der gleichen Zeit gewertet wie die Gruppe, der sie angehörten. Die Pedaleure müssen ihren Schutzhelm bis ins Ziel tragen, auch bei Bergankünften. Nur da gibt es auch die doppelte Punktzahl (50) fürs Bergtrikot. Sonst werden maximal 25 Zähler gutgeschrieben, je nach Schwere der Prüfung.

Q wie Quoten:     Die Höchstwertung 1,9 für 1 zahlen Buchmacher für einen Sieg Tony Martins am Samstag im Auftakt-Zeitfahren. Favorit auf den Gesamtsieg bei bwin ist Chris Froome mit der Quote 3,00 vor Nairo Quintana (3,25), Alberto Contador (5,00) und Vincenzo Nibali (5,75). Im Kampf ums Grüne Sprint-Trikot zählt John Degenkolb aus Gera (13,0) zum erweiterten Favoritenkreis, allerdings weit hinter Peter Sagan (Slowakei / 1,80), Alexander Kristoff (Norwegen / 4,30) und dem Briten Mark Cavendish (4,75).

Die zehn deutschen Teilnehmer

Tony Martin  (Alter: 30 / Team: Etixx-Quick Step / Herkunft: Cottbus) Geboren in Cottbus, aufgewachsen in Eschborn, nun in Mannenbach (Schweiz) lebend, hat Martin beim Auftakt am Samstag die Chance seines Lebens auf das Gelbe Trikot. Der Zeitfahr-Kurs ist auf ihn zugeschnitten. 2014 gewann Martin das Zeitfahren und die Etappe in Mulhouse nach 155 Kilometern Solofahrt.

John Degenkolb (26/Giant-Alpecin/Gera) Bei seiner dritten Tour ist Degenkolb nach dem Ausfall des formschwachen Marcel Kittel der Teamkapitän. Paris - Roubaix hat der Sprinter in diesem Jahr gewonnen und Mailand - San Remo, nun soll der erste Tour- Etappenerfolg folgen. Beim Giro d’Italia und der Spanien-Rundfahrt hat der Wahl-Frankfurter schon bewiesen, dass er das kann.

André Greipel (32/Lotto-Soudal/Rostock) Greipel stand in den letzten Jahren im Schatten von Kittel, ist nun aber dank seiner Explosivität ein Anwärter auf einen Tagessieg bei den Massensprints der flachen Etappen. Der „Gorilla“ hat im Frühjahr überzeugt, beim Giro einen Abschnitt gewonnen und ist sehr gut in Schuss. Bei jedem seiner vier Tour-Starts feierte Greipel einen Etappensieg.

Emanuel Buchmann (22, Ravensburg, Bora-Argon). Deutscher Meister, guter Kletterer.

Dominik Nerz (25/Bora-Argon 18/Wangen). Premiere als Kapitän, Probleme durch Virusinfekt.

Andreas Schillinger (31/Bora-Argon 18/Kümmersbruck). Der klassische Helfer und Rackerer.

Paul Voss (29/Bora-Argon 18/Rostock). Guter Kletterer, guter Sprinter. Für Überraschung gut.

Marcel Sieberg (33/Lotto-Soudal/Castrop-Rauxel). Greipels Anfahrer beim Sprint und Motivator.

Simon Geschke (29/Giant-Alpecin/Berlin). Degenkolbs Rückendeckung mit Zeug zum Tagessieg.

Paul Martens (31/LottoNL-Jumbo/Rostock). Tour-Debüt mit 31. Klasse bei Klassikern. (sid/dpa)

Welche Fahrer die Favoriten sind und warum es gut ist, dass die ARD die Tour wieder im Fernsehen überträgt, lesen Sie in der gedruckten Ausgabe.

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