In Obertshausen im Kreis Offenbach

400.000 Pakete täglich: Post startet Sortierzentrum der Superlative

Obertshausen. Bis zu 400.000 Pakete pro Tag sollen künftig in Deutschlands größtem Paketzentrum in Obertshausen sortiert werden. Mit dem Bau will sich die Deutsche Post auf dem lukrativen und hart umkämpften Logistikmarkt behaupten.

Video: Der Weg eines Pakets

Blitzschnell sausen die Pakete über die neuen Förderbänder. Wie von Geisterhand werden sie plötzlich auf eine der vielen Rampen gelenkt. Bis zu 50 000 Päckchen und Kartons pro Stunde sollen im bundesweit größten Paketzentrum der Deutschen Post in Obertshausen (Kreis Offenbach) künftig verarbeitet werden können - bislang erreichten derartige Einrichtungen eine Kapazität von 30.000 bis 40.000. Am Mittwoch ging das neue Zentrum offiziell ans Netz.

Das 24 000-Einwohner-Städtchen war bislang überregional vor allem aus dem Verkehrsfunk bekannt, weil sich auf der Autobahn 3 in Höhe der Anschlussstelle Obertshausen der Verkehr regelmäßig staut. Doch nun wird der Ort zum Vorreiter für eine neue Generation von Paketzentren.

Entsprechend erfreut zeigt sich der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Er spricht von einer "großen unternehmerischen Entscheidung" und lobt "das Bekenntnis zur Region". Die Logistik nennt er "eine der großen Zukunftsbranchen". Die zentrale Lage Hessens mitten in Deutschland, aber auch im Herzen Europas, sei eine Chance, diese Zukunft zu gestalten: "An Hessen kommt niemand vorbei."

Mit welcher rasanten Geschwindigkeit die Branche sich verändert, verdeutlicht Jürgen Gerdes, Konzernvorstand für den Bereich Post, eCommerce, Parcel: Der Briefträger kommt künftig mit dem E-Fahrrad, die Pakete mit dem Streetscooter, einem speziell entwickelten Elektroauto für die Zustellung in der Stadt. Drohnen versorgen abgelegene Gebiete aus der Luft. Pakete kann man sich nicht nur in den eigenen Paketkasten vor der Haustür liefern lassen, sondern womöglich auch in den Kofferraum seines Autos.

Forciert wird all das auch durch den enormen Wettbewerb in der Logistikbranche. "Wir kämpfen um jedes einzelne Paket", sagt Gerdes und fügt in Anlehnung an den Slogan eines großen Lebensmittelhändlers an: "Wir lieben Pakete."

Eigentlich sollte das neue Zentrum schon vor etwa einem Jahr ans Netz gehen. Doch weil sich aus Sicht der Post keine geeigneten Anbieter für die Anlagentechnik fanden, machte das Unternehmen aus der Not eine Tugend und nahm den Bau selbst in die Hand.

"Wir sind jetzt selbst Generalunternehmer. Das hat den Vorteil, dass wir jede Schraube in der Anlage kennen", sagt Karsten Schwarz, Sprecher der Geschäftsführung von DHL Sorting Center. Dieses Wissen soll auch in den Bau anderer großer Paketzentren einfließen, die DHL in Ballungsräumen plant. Das nächste mit einer Kapazität von 50.000 Paketen pro Stunde soll in Bochum entstehen, wie Schwarz sagt.

Von dem Logistik-Boom profitieren auch die Arbeitnehmer. 600 neue Arbeitsplätze entstehen in Obertshausen. Sogar die Gewerkschaft ist zufrieden. Zwar werden die Arbeitnehmer zunächst in einer eigenen GmbH beschäftigt. Diese wird jedoch laut der stellvertretenden Verdi-Bundesvorsitzenden Andrea Kocsis bis März 2017 unter das Dach der Deutschen Post AG überführt. Dann kämen die Arbeitnehmer ebenfalls in den Genuss der guten Regelungen des Post-Hausvertrags.

Eine Befürchtung der Anwohner ist, dass sich der Verkehr in der ohnehin vielbefahrenen Gegend noch verstärken könnte. Gerdes versucht diese Sorgen zu zerstreuen. Schließlich arbeite man antizyklisch zum Verkehr: Die meisten Lastwagen seien entweder am späten Abend oder am frühen Morgen unterwegs.

Seit Januar wird der Betrieb in Obertshausen stufenweise hochgefahren. Medienberichte über massive Verzögerungen bei Paketen, die über das neue Zentrum liefen, will die Post in größerem Ausmaß nicht bestätigen. Etwa 90 Prozent aller Pakete würden am nächsten Tag übergeben. Rund 200.000 Pakete werden derzeit im neuen Zentrum pro Tag bearbeitet. Bis Weihnachten soll die Tageskapazität dann rund 400.000 Pakete betragen können.

Rubriklistenbild: © dpa

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