Abgestürzter russischer Passagierjet:

"Äußere" Ursache: Airline widerspricht Ermittlern

epa05006384 Russian people light candles in shape of number of crashed plane to the memory of victims of the Russian MetroJet Airbus A321 accident in Sinai, Egypt, near The Cathedral of Christ the Saviour in Moscow, Russia, 01 November 2015. A Russian plane with 224 aboard crashed in the Sinai, Egypt on 31 October 2015, killing all on board. EPA/SERGEI ILNITSKY +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Russland trauert um die 224 Toten des Flugzeugabsturzes.

Moskau - Die Fluggesellschaft der über Ägypten abgestürzten russischen Passagiermaschine hat einen technischen Defekt oder einen Pilotenfehler als Unglücksursache ausgeschlossen.

Für den Absturz am Samstag komme allein eine "äußere" Ursache infrage, sagte der Chef der Fluggesellschaft Metrojet, Alexander Smirnow, am Montag bei einer Pressekonferenz in Moskau. Der Airbus A321 sei in "hervorragendem technischem Zustand" gewesen. Die Piloten hätten "völlig" die Kontrolle über das Flugzeug verloren, dennoch hätten sie kurz vor dem Absturz keinen Funkspruch abgesetzt, sagte Smirnow. "Offenbar war die Mannschaft zum Zeitpunkt der Katastrophe bereits vollständig arbeitsunfähig", meinte er.

Kolavia-Mitarbeiter Viktor Jung sagte, die Gesellschaft schließe einen Fehler der Crew und eine technische Störung "völlig aus". Weder Risse noch ein Ausfall der Systeme oder schlechter Treibstoff hätten das Unglück bewirken können. Zum Absturz hätten starke Schäden an Konstruktionen des Flugzeugs geführt. Nach Beginn der Katastrophe konnte die Maschine nicht mehr gesteuert werden. "Sie flog nicht, sie fiel", sagte Jung.

Der Airbus A321 der Gesellschaft Metrojet war am Samstagmorgen kurz nach dem Start vom Badeort Scharm el Scheich über der Sinai-Halbinsel abgestürzt. Alle 224 Insassen, zumeist russische Urlauber, starben.

Die Unglücksursache ist noch unklar. Nach Angaben russischer Ermittler brach die Maschine in der Luft auseinander. Zu dem Absturz hatte sich am Samstag ein ägyptischer Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt, doch hatten dies die russischen und ägyptischen Behörden für wenig wahrscheinlich gehalten. Kremlsprecher Dmitri Peskow warnte am Montag vor verfrühten Schlussfolgerungen. Keine Version sei ausgeschlossen - "vom Terrorakt bis zum Unfall". "Man muss die ersten Untersuchungsergebnisse abwarten", betonte er.

An der Untersuchung der ägyptischen Behörden beteiligen sich auch internationale Experten.

Das in Ägypten abgestürzte Passagierflugzeug war im Besitz einer irischen Leasinggesellschaft. Der Airbus A-321 habe dem Unternehmen Wilmington Trust SP Services (Dublin) Ltd gehört und sei an die russische Fluggesellschaft Kogalymawia verleast worden, teilte die irische Luftfahrtbehörde (IAA) am Montag auf Anfrage mit. Das Luftverkehrsbetreiberzeugnis (Air Operator Certificate) sei russisch gewesen. Im Frühjahr dieses Jahres habe die IAA dieses Zeugnis überprüft. „Alle Zertifizierungen waren zu diesem Zeitpunkt zufriedenstellend“, sagte ein Sprecher.

Flugzeugabsturz über Sinai-Halbinsel - Bilder

AFP/dpa

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