Was ist hier passiert?

Achtfacher Kindsmord: Ein Jahr später immer noch ein Rätsel

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Die Nachbarn können sich das schreckliche Ereignis nicht erklären. In der Woche nach dem Vorfall wurden dutzende Blumen für die getöteten Kinder niedergelegt.  

Sydney - Als er nach Hause kommt, entdeckt der Sohn etwas Unfassbares: Acht Kinder, darunter sieben seiner Geschwister, wurden erstochen. Die Mutter ist des Mordes angeklagt - doch sie will nicht reden.

Am 18. Dezember 2014 schien die Welt in der Murray Street in Manoora, einem Vorort von Cairns an der tropischen Nordostküste Australiens, noch in Ordnung. Die Schulkinder hatten kurz vor Weihnachten - wie auf der Südhalbkugel üblich - Sommerferien und fuhren bei strahlendem Sonnenschein auf ihren Fahrrädern die Straße auf und ab. In der multikulturell geprägten Gegend wohnen Menschen aus vielen verschiedenen Ländern: Ureinwohner und Bewohner der benachbarten Inselstaaten sowie Migranten aus Afrika und den Philippinen. Aber das Leben in der Murray Street ist hart, Drogen- und Alkoholprobleme sowie häusliche Gewalt sind keine Seltenheit.

In einem der Häuser wohnt eine Frau mit sieben ihrer neun Kinder: drei Töchter im Alter von 2, 11 und 12 Jahren sowie vier Söhne im Alter von 5, 6, 8 und 9 Jahren. Eine 14-jährige Nichte ist zu Besuch. Einen Tag später, am 19. Dezember, werden die Leichen der acht Kinder entdeckt.

Nachbarn zeigen sich später im Gespräch mit Reportern fassungslos. Die 38 Jahre alte Mutter - die insgesamt neun Kinder stammen von fünf verschiedenen Vätern - habe zwar in den vergangenen Jahren ein paar Alkoholprobleme gehabt. Sie sei aber eine gute Mutter gewesen und habe immer dafür gesorgt, dass die Kinder täglich in die Schule und sonntags in die Kirche gingen.

"Ich bin der Schöpfer!"

Bewohner berichten aber auch davon, dass sich die Frau seit einigen Wochen merkwürdig verhalten habe. Sie habe unentwegt über Gott gesprochen und jedem geraten, an Jesus zu glauben. Auch sei sie auf einmal streitsüchtig gewesen. „Plötzlich rief sie: „Ich bin der Schöpfer! Ich bin die Auserwählte! Ihr werdet mir alle folgen““, sagte eine Nachbarin der Zeitung „The Australian“.

Am 18. Dezember sah man sie vor dem Haus beten. Später soll sie unverständliche Worte ins Handy gebrabbelt haben, manche meinten, Folgendes gehört zu haben: „Lass nicht zu, dass sie sie uns wegnehmen. Gott segne dich. Vergib mir für das, was ich tun werde.“

Nach Darstellung der Polizei entdeckt ein 20-jähriger Sohn tags darauf die Leichen. Alle acht Kinder werden erstochen aufgefunden. Die Mutter liegt mit vermutlich selbst zugefügten Stichwunden im Garten. Berichten zufolge weigert sie sich, mit der Polizei über das zu reden, was sie „den Vorfall“ nennt. Niemand hat Schreie gehört, manche mutmaßen, die Frau habe die Kinder unter Drogen gesetzt.

Ein Jahr danach: Noch immer keine Aussage der Mutter

Australien reagierte schockiert. 4500 Menschen, darunter der damalige Premierminister Tony Abbott, kamen zu einer Trauerfeier. Der Regierungschef sprach von einem „unfassbaren Verbrechen“. Ortsansässige mieden das Haus. Schließlich wurde das Gebäude im vergangenen Juni abgerissen. Langsam wächst das Grundstück zu.

Was eigentlich geschah, bleibt ein Rätsel. Die Polizei hat auch ein Jahr später keinen Hinweis auf ein Motiv. Die Behörden hatten beispielsweise nicht vor, der Frau die Kinder wegzunehmen. Verwandte sagen, dass sie nie um Hilfe bat oder überfordert zu sein schien. Sie ist des achtfachen Mordes angeklagt, wird aber seit Monaten auf ihre Zurechnungsfähigkeit geprüft. Falls sie als unzurechnungsfähig eingestuft wird, kann das Queensland Mental Health Court auch Sicherungsverwahrung anordnen.

Zum Jahrestag der traurigen Ereignisse wird es eine traditionelle Zeremonie der Grabesöffnung geben, wie sie in der Heimat der mutmaßlichen Täterin auf den Torres-Strait-Inseln üblich ist. Bei der Gedenkfeier in einem Park in der Nähe des Tatorts werden Tausende Teilnehmer erwartet. Auf dem Grundstück werden acht Bäume gepflanzt.

dpa

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