Not in Westafrika

Weltweite Ebola-Hilfe fließt zu langsam

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Ein Helfer wird in einer Klinik in Monrovia desinfiziert.

Genf/New York - Helfer versuchen verzweifelt, den Ebola-Ausbruch in Westafrika zu bekämpfen. Doch es mangelt an Geld, Medikamenten und Ausrüstung. Die versprochene Hilfe kommt nur langsam an.

Seine Meinung über die weltweite Ebola-Hilfe bringt Sierra Leones Präsident Ernest Bai Koroma so auf den Punkt: „Die nationalen und internationalen Reaktionen sind unzureichend.“ Sein Land ist besonders von dem tödlichen Virus betroffen. Trotz Hilfsversprechen von allen Seiten kommen nicht genügend Mittel und Helfer in den am stärksten betroffenen Regionen in Westafrika an, beklagen auch UN-Organisationen.

Dabei vergeht kaum ein Tag, an dem keine neuen Hilfsleistungen versprochen werden. Regierungen, Finanzinstitutionen und Wohltätigkeitsfonds haben Hunderte Millionen Dollar zugesagt. Großspender sind unter anderem die Weltbank, die USA, die Afrikanische Entwicklungsbank, die EU oder der UN-Notfallfonds CERF. Auch private Spender sind darunter: Die Stiftungen der Microsoft-Gründer Bill Gates und Paul Allen spendeten umgerechnet 19 Millionen Euro und versprachen weitere 35 Millionen Euro.

EU und Weltbank erhöhen Hilfen

Am Donnerstag versuchte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York mehr Hilfsgelder zu mobilisieren. Die Weltbank erhöhte ihre Zusage von 230 auf 400 Millionen Dollar (rund 312 Millionen Euro). Die Europäische Union kündigte an, ihre Hilfen um 30 Millionen auf 180 Millionen Euro aufzustocken. Die USA hatten Mitte September insgesamt 170 Millionen Dollar (133 Millionen Euro) zugesagt. Der Weltwährungsfonds (IWF) stellte 130 Millionen Dollar (102 Millionen Euro) zur Verfügung.

Die Zahl der Toten ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Freitagabend unterdessen auf mehr als 3000 gestiegen. In Guinea, Liberia und Sierra Leone verzeichnete die WHO bis zum 23. September insgesamt 3083 Todesfälle. Hinzu kommen acht Tote in Nigeria.

Liberia als am stärksten betroffenes Land soll 48,3 Millionen Dollar erhalten, wie der IWF am Freitag (Ortszeit) in Washington bekanntgab. Guinea würde 41,4 Millionen Dollar Hilfe zuteil und Sierra Leone solle 39,8 Millionen Dollar bekommen. IWF-Chefin Christine Lagarde betonte, „der Ebola-Ausbruch in Guinea, Liberia und Sierra Leone hat bereits zu viele Leben gekostet“. Diese humanitäre Krise könnte auch schwere wirtschaftliche Konsequenzen haben. Der IWF arbeite mit den Regierungen der betroffenen Länder und deren Partnern zusammen, um sicherzustellen, dass die Epidemie schnell unter Kontrolle gebracht werden kann und um beim wirtschaftlichen Wiederaufbau zu helfen.

Die Zahl der Infizierten (bestätigte und Verdachtsfälle) stieg auf 6574, geht aus dem WHO-Bericht hervor. Die Dunkelziffer dürfte jedoch wesentlich höher liegen. In Liberia sind inzwischen 1830 Menschen an Ebola gestorben. Guinea beklagt 648, Sierra Leone 605 Tote. Alarmierend sei weiter die hohe Zahl der Infizierten bei Ärzten und Pflegepersonal. Bislang sind den Angaben zufolge 211 von ihnen an Ebola gestorben.

Im Senegal und in Nigeria scheint die Lage unter Kontrolle zu sein. Der letzte bestätigte Fall in Nigeria stammt vom 5. September, der bislang einzige, nicht tödliche Fall im Senegal wurde am 28. August bestätigt.

Fast eine Milliarde Dollar benötigt

Doch eine bedeutende Lücke klafft trotz der Hilfen weiter. Denn bereits Mitte September schätzte die UN, dass allein in den kommenden sechs Monaten insgesamt etwa 988 Millionen Dollar benötigt werden, um Ebola und die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Virus in Liberia, Sierra Leone und Guinea zu bekämpfen. Viele Experten gehen davon aus, dass die Seuche viel länger andauern wird.

Mindestens 15 UN-Organisationen und private Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen und das Rote Kreuz sind am Kampf gegen Ebola beteiligt. Ban hat den britischen Arzt David Nabarro zum UN-Chefkoordinator für den Ebola-Einsatz gemacht und eine UN-Mission sowie einen Treuhandfonds geschaffen, die Hilfseinsätze bündeln und die Spendensammlung verbessern sollen.

Es dauere aber zu lange, bis Versprechen umgesetzt werden, Gelder fließen und dort ankommen, wo sie benötigt werden, sagen UN-Mitarbeiter. Das Welternährungsprogramm WFP etwa hatte bis Dienstag nur 13 Prozent der 126,9 Millionen Dollar erhalten (99,5 Millionen Euro), die die Organisation aus dem Ebola-Fonds bekommen sollte. Das WFP musste daher eigene Mittel für seinen Einsatz aufwenden. Ohne weitere Hilfsgelder drohe Ende Oktober ein Zusammenbruch der Nahrungsmittellieferungen, sagte WFP-Sprecherin Elisabeth Byrs in Genf.

„Wir haben wirklich nicht sehr viel in der Kasse“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe derzeit nur sehr begrenzt Mittel zur Verfügung, sagt WHO-Sprecherin Margaret Harris. „Wir haben wirklich nicht sehr viel in der Kasse.“ Es würden zwar mehr Hilfsgelder fließen, aber die WHO könnte besser helfen, wenn die versprochenen Spenden schneller ankämen. „Wir könnten viel mehr Leute anstellen und viel mehr tun“, erklärt Harris.

In Guinea und Sierra Leone fehlen nach WHO-Angaben beispielsweise zusätzliche Behandlungszentren mit Tausenden Krankenhausbetten. In Liberia gibt es nur für jeden sechsten Infizierten einen Klinikplatz. Laut dem US-Zentrum für Seuchenkontrolle (CDC) müssten aber mindestens 70 Prozent der Kranken behandelt werden, um die Epidemie in den Griff zu kriegen. US-Präsident Barack Obama will Truppen in das Ebola-Gebiet entsenden, die beim Krankenhausbau helfen sollen.

Neben Geld mangelt es vor allem an Helfern aus dem Gesundheitswesen. Bereits vor dem Ebola-Ausbruch gab es in den Ländern zu wenig medizinisches Personal, Hunderte Helfer steckten sich selbst an.

Kuba will 461 Ärzte, Schwestern und anderes Hilfspersonal nach Westafrika entsenden, China schickt ein Labor und 59 Experten. In Deutschland sucht Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei der Bundeswehr nach Freiwilligen für einen Ebola-Einsatz. Es meldeten sich schon Tausende Menschen. Allerdings werden bis zu einem umfassenden Einsatz deutscher Helfer in Westafrika wegen aufwendiger Vorbereitungen noch mehrere Wochen vergehen. Bislang seien nur wenige ausländische Experten im Krisengebiet, sagt WHO-Sprecherin Harris.

dpa

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