Amokläufer von München suchte gezielt nach Glock-Pistole

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Handfeuerwaffe des Typs "Glock 17 Gen4". Der Münchner Amokläufer benutzte eine solche halbautomatische Pistole Glock 17 Kaliber 9 Millimeter für seine Tat. Foto: David Ebener

Nach dem Amoklauf von München werden immer neue Details über den Täter und die Tat bekannt. Den Ermittlern zufolge hat der 18-Jährige genau gewusst, was er im sogenannten Darknet sucht.

München (dpa) - Zur Vorbereitung seiner Tat hat der Amokläufer von München nach Erkenntnissen der Ermittler ganz gezielt eine Glock-Pistole gesucht. Im sogenannten Darknet habe er sich nach einer Glock umgeschaut, bestätigte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch.

Der 18-Jährige hatte damit am vergangenen Freitag neun Menschen und anschließend sich selbst erschossen. Bei einer islamischen Gedenkfeier in München gedachten mehrere hundert Menschen der Opfer. Sieben der neun Getöteten waren muslimischen Glaubens.

Aus den wiederhergestellten WhatsApp-Gesprächen mit einem mutmaßlichen Mitwisser gehe hervor, dass es wohl die "Lieblingswaffe" des 18-Jährigen gewesen sei, sagte Steinkraus-Koch. Zuvor hatte der "Spiegel" darüber berichtet und sich auf Chat-Protokolle aus dem Darknet berufen. Demnach soll der 18-Jährige in ein Forum geschrieben haben, dass er eine Glock und 250 Schuss Munition suche.

Aus Sicht der Ermittler ist die Kenntnis von der Waffe ein zentraler Punkt bei den Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Mitwisser. Weil er sich außerdem kurz vor der Tat mit dem 18-Jährigen getroffen haben soll, gehen sie davon aus, dass er von dem Plan gewusst haben könnte. Der 16-Jährige war am Sonntag festgenommen, später aber wieder freigelassen worden. Der Ermittlungsrichter hatte keine Verdunkelungsgefahr und somit keinen Haftgrund festgestellt - die Ermittler sehen das anders und legen deshalb Beschwerde ein.

Derweil werden nach und nach weitere Details bekannt. So hat der Amokläufer im Verlauf seiner Tat zwei verschiedene T-Shirts getragen. Beide hätten eindeutig dem 18-Jährigen zugeordnet werden können, sagte LKA-Sprecher Ludwig Waldinger und bestätigte Berichte von "tz" und "Münchner Merkur". Er habe sie übereinander getragen und das obere irgendwann ausgezogen. Das erkläre, warum er auf Bildern vom Beginn des Amoklaufs in einem anderen T-Shirt zu sehen sei als dem, das er trug, als er sich einige Zeit später selbst erschoss. Das erste T-Shirt sei im Rucksack des Täters gefunden worden.

Zu der Gedenkfeier waren auch die Familien zweier Opfer gekommen, eines 15-jährigen Jugendlichen und einer 45-jährigen Frau. An den Särgen der beiden kam es zu erschütternden Szenen. An diesem Mittwoch sollen die Leichname in die Türkei übergeführt werden. Die im Münchner Stadtrat vertretenen Fraktionen haben gemeinsam beantragt, dass die Stadt die Kosten für die Beisetzungen und mögliche Überführungen aller Opfer übernimmt. Aykan Inan, stellvertretender Vorsitzender der türkischen Glaubensgemeinde, betonte, dass man aller neun Opfer gedenke - die "Religionen halten zusammen in München". Am Mittwoch soll es ein weiteres Totengebet am Tatort, dem Olympia-Einkaufszentrum, geben.

Die für kommenden Sonntag in München geplante Open-Air-Veranstaltung "Oper für alle" wurde abgesagt. Grund ist der ökumenische Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer und Verletzten, der zeitgleich stattfindet. "Die Meistersinger von Nürnberg" sollen zwar wie geplant zum Abschluss der Opernfestspiele aufgeführt, aber nicht aus dem Nationaltheater auf eine Leinwand im Freien übertragen werden, hieß es in einer Mitteilung der Staatsoper.

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