Nach Massenmord

Mexiko: Armee entwaffnet Polizei

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Die mexikanische Armee hat in der mexikanischen Stadt Iguala das Kommando übernommen.

Iguala - Nach dem Verschwinden von dutzenden Studenten in Iguala haben die Streitkräfte die Kontrolle über die südmexikanische Stadt übernommen.

Armee und Gendarmerie hätten die örtliche Polizei auf Anordnung von Präsident Enrique Peña Nieto entwaffnet, teilte der nationale Sicherheitskommissar Monte Alejandro Rubido am Montag (Ortszeit) mit. Die Polizisten seien in einen Militärstützpunkt im Zentrum des Landes gebracht worden, ihre mögliche Verwicklung in das Verbrechen werde überprüft.

Nach der Entdeckung von sechs Massengräbern mit insgesamt 28 Leichen im Bundesstaat Guerrero hatten zwei Auftragsmörder mit Verbindung zur Polizei gestanden, 17 der 43 Studenten ermordet zu haben. Peña Nieto versprach, die Schuldigen zu bestrafen. Er habe sein Sicherheitskabinett angewiesen, bei den Ermittlungen zu helfen. "Dieser Vorfall ist zweifellos schockierend, schmerzhaft und inakzeptabel", sagte der Staatschef in einer Fernsehansprache.

In den Fall scheint laut dem Generalstaatsanwalt von Guerrero, Iñaky Blanco, auch der örtliche Sicherheitschef verwickelt zu sein. Laut Blanco sagten die beiden Bandenmitglieder aus, von Igualas Sicherheitschef Francisco Salgado Valladares zu den Bussen der Studenten beordert worden zu sein. Der Befehl, diese gefangen zu nehmen und zu töten, sei dann von einem der Anführer der Bande Guerreros Unidos gekommen.

Blanco vermutete schon vorher die Guerreros Unidos hinter dem Verbrechen. Die Bande soll auch mehrere Polizisten in ihren Reihen haben. Der Sicherheitschef von Iguala wird ebenso wie Bürgermeister José Luis Albarca von der Justiz gesucht. Beide sind seit den Schüssen auf die Studenten auf der Flucht. Die Waffen der entwaffneten Polizisten wurden untersucht, wie Sicherheitskommissar Rubido sagte. Der Bundesstaat Guerrero ist fest im Griff von Bandengewalt und sozialen Unruhen.

Die Studenten stammten aus einem Lehrerseminar, das für radikale Protestaktionen bekannt ist. Sie waren am 26. September zum Spendensammeln in Iguala unterwegs, einer Stadt hundert Kilometer nördlich von Chilpancingo, der Hauptstadt des Bundesstaats. Nach der Spendensammlung sollen die Studenten mehrere öffentliche Busse gekapert haben, um zu ihrer Hochschule bei Chilpancingo zurückzufahren - eine unter radikalen Studenten in Guerrero übliche Praxis.

Polizisten aus Iguala eröffneten daraufhin das Feuer auf die Busse und töteten drei Studenten. Laut Augenzeugen wurden dutzende Studenten in Polizeifahrzeugen fortgebracht. Später feuerte die Polizei auch auf einen weiteren Bus mit Fußballspielern. Nach Bekanntwerden der Vorfälle nahm die Polizei 22 ihrer eigenen Beamten sowie mehrere Mitglieder der Guerreros Unidos fest.

Nach Behördenangaben wird die Identifizierung der Toten mindestens zwei Wochen dauern. Einige der Opfer waren zerstückelt und verbrannt. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte eine "vollständige" Untersuchung des Falls. Bei der Identifizierung der Toten werden auf Antrag von Studentenführern auch unabhängige argentinische Gerichtsmediziner teilnehmen.

Mexiko wird seit Jahren von zunehmender Gewalt erschüttert. Seit 2006 wurden in dem mittelamerikanischen Land mehr als 80.000 Menschen im Zusammenhang mit der Drogenkriminalität getötet, weitere 22.000 gelten als vermisst. Der Fall in Iguala könnte als eines der schwersten Gewaltverbrechen in die mexikanische Geschichte seit der Verschärfung des sogenannten Drogenkriegs der Regierung gegen Drogenbanden im Jahr 2006 eingehen.

AFP

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