Sichtflüge wieder erlaubt - Flugverbot aber verlängert

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Laut MSNBC soll auf Island der Vulkan Hekla kurzzeitig Aktivität gezeigt haben.

Brüssel/Madrid - Das Hin und Her um das Flugverbot wird immer verwirrender: Zwar sind Sichtflüge seit Montagabend wieder erlaubt, dennoch wurde die Sperrung des Luftraums bis Dienstag 14 Uhr verlängert.

Die Deutsche Flugsicherung hat die Sperrungen des deutschen Flugraums bis Dienstag 14.00 Uhr verlängert. Dies sagte Pressesprecher Kristina Kelek am Montagabden  in Langen bei Frankfurt der Nachrichtenagentur dpa. Bis voraussichtlich 14.00 Uhr seien weiterhin keine kontrollierten Starts und Landungen im deutschen Luftraum möglich. Flüge nach Sichtflug seien aber von diesem Flugverbot ausgenommen. Ebenso seien auch Nachtflüge möglich, wenn es die regionalen Bestimmungen zuliessen.

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Ramsauer verteidigt Flugverbot

Auf Sichtflug konnten die Fluggesellschaften am Montag in Deutschland die erstenPassagierflüge wieder starten. Die Fluggesellschaften könnten im Ausland gestrandete Passagiere auf Sicht zurückzufliegen, hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zuvor in Berlin nach einer Telefonkonferenz mit den EU-Verkehrsministern erklärt. Die Vulkanasche soll dabei nach Sichtflugregeln um- oder unterflogen werden. Bisher hätten zehn Airlines Anträge auf kontrollierte Sichtflüge gestellt, die von Radarlotsen unterstützt werden. Die in Europa geltenden Flugverbote werden nun schrittweise gelockert. Der Luftraum soll nur noch dort gesperrt bleiben, wo eine bestimmte Konzentration der Asche überschritten wird, sagte EU- Verkehrskommissar Siim Kallas.

Betrieb auf deutschen Flughäfen lief an

An diesem Dienstag werden rund 15 000 gestrandete Urlauber in Deutschland erwartet, die die Lufthansa mit 50 Jets aus aller Welt holen will. Die erste Maschine startete am Montagabend in Frankfurt. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) lehnte diese Sichtflüge jedoch als “unverantwortlich“ ab. “Entweder der Luftraum ist sicher oder er ist es nicht“, sagte ein Sprecher. Im Ausland saßen insgesamt noch etwa 100 000 deutschen Pauschaltouristen fest, teilte das Außenministerium mit.

Der Eyjafjalla-Vulkan und die Aschewolke

Der Eyjafjalla-Vulkan und die Aschewolke

Offiziell hatte die deutsche Flugsicherung zuvor entschieden, die Flughäfen bis mindestens 02.00 Uhr in der Nacht zum Dienstag geschlossen zu halten. Sichtflüge waren jedoch erlaubt. Am Drehkreuz Frankfurt landete als erstes eine Maschine des Ferienfliegers Condor. Sie kam aus der Dominikanischen Republik, wie die Fluggesellschaft mitteilte. Eine Maschine der Lufthansa startete am Abend in Frankfurt. In München landete eine Maschine von Air Berlin aus Palma de Mallorca. Vom Flughafen Berlin-Tegel hob ein Flugzeug von Air Berlin, der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft, nach Palma de Mallorca ab. Sie nimmt wieder einen eingeschränkten Betrieb auf.

Noch am Montagabend sollten mehrere Ziele im Inland, in Europa und in Übersee angesteuert werden, wie das Unternehmen mitteilte. Eine Maschine aus Palma de Mallorca sei bereits um 15.23 Uhr in München gelandet. In Berlin-Tegel hob kurz nach 17.00 Uhr erstmals seit Verhängung des generellen Flugverbots ein Jet nach Palma de Mallorca ab. Die Fluggesellschaft Germanwings will am Dienstagmorgen ebenfalls wieder einen eingeschränkten Flugbetrieb starten.

Europas Luftraum wird neu aufgeteilt

Der Luftraum über Europa wird nun in drei Zonen eingeteilt: In der ersten gilt ein absolutes Flugverbot, im zweiten können die Mitgliedsstaaten entscheiden, ob sie Flugzeugen das Abheben erlauben, und im dritten Bereich ohne Asche-Gefahr ist das Fliegen unbegrenzt erlaubt. Entscheidendes Kriterium werden Satellitenbilder und Daten der Aschewolke sein. Darauf hätten sich die Verkehrsminister der 27 EU-Staaten geeinigt, sagte EU-Verkehrsmommissar Kallas.

Er kündigte an, dass die europäische Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol bis Dienstag früh 8.00 Uhr entscheiden wird, wo die Zonen verlaufen und welche Daten dafür ausschlaggebend sind. “Es wird keinen Kompromiss auf Kosten der Sicherheit geben“, betonte der Kommissar. Der Sichtflug ist völlig legal. Die Passagiermaschinen bleiben unterhalb der Aschewolke. Die Flugzeugführer sind dabei wie im Straßenverkehr nach dem Prinzip “Sehen und Gesehen werden“ unterwegs.

Asche-Chaos in Deutschland

Asche-Chaos in Deutschland

Dabei kommt es darauf an, dass der Pilot genügend Sicht hat - Flüge in Wolken wären also verboten. Die Lufthansa-Flüge sind sogenannte kontrollierte Sichtflüge, bei denen Radarlotsen Hilfe und Anweisungen geben. Dann sind auch größere Höhen möglich.

Kontrollierte Sichtflüge in Deutschland können auf Antrag erlaubt werden. Das sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer am Montagabend in Berlin nach Gesprächen mit seinen europäischen Kollegen. Bislang hätten zehn Fluggesellschaften solche Anträge gestellt. Am Wochenende habe man für solche Genehmigungen noch keine hinreichende Datenbasis gehabt, sagte Ramsauer. Interkontinentalflüge könnten starten, wenn es 100 Prozent sichere Wetterprognosen gebe. Die letzte Verantwortung liege jedoch immer beim Piloten.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit meldete gegen die Sichtflüge Sicherheitsbedenken an. Sie seien “unverantwortlich“. “Entweder ist der Luftraum sicher oder er ist es nicht. Dann ist es letztlich egal, nach welchen Regeln man da durchfliegt“, sagte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg in Frankfurt. Es werde wegen des wirtschaftlichen Drucks nach juristischen Wegen gesucht, das Flugverbot zu umgehen.

MSNBC: Große Rauchwolken über Vulkan Hekla

Laut dem Nachrichtensender MSNBC soll allerdings ein zweiter Vulkan auf Island ausgebrochen sein: Über Hekla sollen sich dichte Rauchwolken türmen. Das würden Bilder des isländischen Fernsehens zeigen. Die Aktivität des Vulkans soll sich aber schnell wieder verringert haben. Auch Vulkan Eyjafjallajökull, der Ursprung der größten Luftfahrt-Krise seit dem 11. September 2001, soll mittlerweile weniger Asche in den Himmel schleudern.

TUI sagt bis Dienstag 24 Uhr alle Flugreisen ab

Trotz der teilweise gelockerten Flugverbote in Europa hat der Reiseveranstalter TUI vorerst alle Flugstarts in Deutschland abgesagt. “Derzeit hat die Rückholung der Touristen oberste Priorität“, sagte eine TUI-Sprecherin am Montagabend in Hannover. Daher werde es bis Dienstag 24.00 Uhr keine Abflüge geben. Die Regelung gelte unabhängig von der Fluggesellschaft. Am Montag seien bereits erste Maschinen per Sichtflug von verschiedenen Flughäfen in die Urlaubsgebiete gestartet, um am Dienstag so viele Urlauber wie möglich nach Hause zu bringen. Ab Mittwoch soll voraussichtlich wieder der normale Flugplan gelten.

dapd/dpa/len

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