Geiseldrama am Dienstag beendet

Nairobi: Islamisten berichten von 137 Toten

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Sicherheitskräfte vor dem befreiten Gebäudekomplex in Nairobi.

Nairobi - Während der mehrtägigen Belagerung eines Einkaufszentrums in der kenianischen Hauptstadt Nairobi sind nach Angaben der Shebab-Miliz 137 Geiseln getötet worden. Laut kenianischer Regierung kamen 70 Menschen ums Leben.

Für den Tod der Geiseln seien Kenias Staatschef Uhuru Kenyatta und seine Regierung verantwortlich, erklärte die somalische Islamistengruppe am Mittwoch im Kurzbotschaftendienst Twitter. Die Gruppe warf der kenianischen Armee vor, zur Beendigung des Geiseldramas in der Westgate Shopping Mall "mit Chemikalien gefüllte Geschosse" abgefeuert und den Teileinsturzes des Gebäudedachs verursacht zu haben.

Suche nach Sprengstoff

Nach dem Ende des blutigen Geiseldramas in Kenias Hauptstadt Nairobi ist der Gebäudekomplex am Mittwoch von Sprengstoffexperten durchsucht worden. Es werde "nach jeglichen möglicherweise zurückgebliebenen Sprengsätzen gesucht", hieß es von Seiten der Sicherheitskräfte vor Ort. Durch das Einkaufszentrum wurden auch Spürhunde geführt, die sowohl nach Sprengstoff als auch nach möglichen weiteren Opfern suchten, wie ein AFP-Reporter berichtete.

Das Geiseldrama in Kenias Hauptstadt Nairobi wurde am Dienstag nach rund vier Tagen blutig beendet. "Wir haben die Angreifer besiegt und gedemütigt", erklärte Kenias Präsident Uhuru Kenyatta am am Dienstagabend in einer Fernsehansprache.

"Wir haben die Angreifer besiegt und gedemütigt", erklärte Kenias Präsident Uhuru Kenyatta am am Dienstagabend in einer Fernsehansprache. Mehr als 70 Menschen wurden nach seinen Angaben während der Geiselnahme im Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi getötet. Zu dem Angriff bekannte sich die islamistische Shebab-Miliz.

Geiselnahme: Sicherheitskräfte stürmen Einkaufszentrum in Nairobi

Geiselnahme: Sicherheitskräfte stürmen Einkaufszentrum in Nairobi

"Unsere Verluste sind immens", erklärte der Staatschef. Unter den Opfern seien 61 Zivilisten und sechs Sicherheitskräfte. Fünf Geiselnehmer seien getötet worden. Noch seien nicht alle Opfer geborgen, fügte Kenyatta hinzu. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden bei dem Angriff auch bis zu 200 Menschen verletzt. Mindestens 16 Ausländer wurden nach kenianischen Behördenangaben getötet.

Elf Verdächtige seien inhaftiert worden, sagte Kenyatta. Die Angreifer und ihre Hintermänner würden zur Rechenschaft gezogen. Unter den Angreifern sollen US-Bürger und weitere Ausländer gewesen sein. Kenyatta kündigte dazu forensische Untersuchungen an.

Das zehn- bis 15-köpfige Kommando der somalischen Shebab-Miliz hatte das bei begüterten Kenianern und Ausländern beliebte Einkaufszentrum am Samstag überfallen. Maskierte Milizionäre schossen mit Maschinengewehren und warfen Granaten. Anschließend verschanzten sie sich mit Geiseln in dem Gebäude und lieferten sich tagelang Gefechte mit Sicherheitskräften. Als Grund für den Angriff nannten sie Kenias Militärintervention gegen die Shebab in Somalia. Sie drohten mit weiteren Anschlägen und Attacken, sollte Kenia seine Soldaten nicht abziehen.

Der somalische Ministerpräsident Abdi Farah Shirdon verteidigte im TV-Sender France 24 den Einsatz Kenias in seinem Land. Beide Staaten "arbeiten gemeinsam gegen den Terror". Er sei sicher, dass die Shebab, die Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida hat, besiegt werde.

Schießerei in Einkaufszentrum in Nairobi - viele Tote

Schießerei in Einkaufszentrum in Nairobi - viele Tote

Die Miliz wies im Kurznachrichtendienst Twitter Spekulationen zurück, an ihrem Kommando sei eine Frau beteiligt gewesen. "Wir setzen unsere Schwestern bei solchen Aktionen nicht ein", hieß es. Zuvor hatte die kenianische Außenministerin Amina Mohamed angedeutet, die terrorverdächtige Britin Samantha Lewthwaite sei an dem Angriff beteiligt gewesen.

Augenzeugen berichteten, die Shebab-Mitglieder hätten gezielt nicht-muslimische Geiseln getötet. Mehrere Überlebende sagte, sie hätten sich tot gestellt, unter Autos auf dem Parkplatz versteckt oder sich in Läden verbarrikadiert.

Unter den Todesopfern waren nach Aussagen von Freunden die hochschwangere Niederländerin Elif Yavuz und ihr Mann, der australisch-britische Architekt Ross Langdon. Ein Foto auf ihrer Facebook-Seite zeigte die Malaria-Expertin mit dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton. Dieser äußerte sich betroffen über den Tod der jungen Frau, die auch für seine Stiftung zur Bekämpfung von Aids und Malaria tätig war.

Der blutige Überfall und die Geiselnahme lösten weltweit Entsetzen aus, zumal auch Kinder betroffen waren. Kenyatta ordnete am Dienstag eine dreitägige Staatstrauer an.

Der Angriff vom Samstag war der folgenschwerste in Kenia seit dem Selbstmordanschlag auf die US-Botschaft in Nairobi, bei dem 1998 mehr als 200 Menschen getötet wurden. Das Westgate-Einkaufszentrum gehört in Teilen israelischen Geschäftsleuten. In Kenia hatte es in der Vergangenheit mehrfach auch Angriffe auf israelische Einrichtungen gegeben.

AFP

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