Sierra Leone

Ausgangssperre soll helfen Ebola einzudämmen

Freetown - Anders als der Name verspricht, dürfen in Freetown wie in ganz Sierra Leone die Bürger drei Tage lang nicht vor die Tür. Behörden bezeichnen die Ausgangssperre als "erzieherische Maßnahme".

Zur Bekämpfung der Ebola-Epidemie hat Sierra Leone von diesem Freitag bis zum Sonntag eine Ausgangssperre für alle Bürger verhängt. In dieser Zeit sollen Gesundheitsarbeiter von Haus zu Haus gehen, die Bevölkerung über das Virus aufklären und mögliche Ebola-Kranke ausfindig machen. Wie die lokale Zeitung „Concord Times“ zuletzt berichtete, sind rund 21 000 Helfer beauftragt, den Menschen Vorbeugemaßnahmen zu erklären und insgesamt 1,5 Millionen Stück Seife zu verteilen.

Die Seuche zu besiegen, werde aber Zeit brauchen, erklärte der Chef der Notfallbehörde (EOC), Steven Gaojia. „Die Situation wird sich wahrscheinlich noch verschlechtern, bevor sie besser wird. Die dreitägige Ausgangssperre ist deshalb als rein psychologische und erzieherische Maßnahme gedacht.“

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hatte den Schritt bereits vor Tagen kritisiert. Es bedürfe Helfer mit viel Erfahrung, um bei einem solchen Tür-zu-Tür-Screening Menschen mit Ebola-Symptomen auszumachen, hieß es in einer Stellungnahme. „Entscheidend aber ist: Selbst wenn potenzielle Patienten ausgemacht sind, wird es nicht genug Ebola-Zentren geben, die sich um sie kümmern könnten.“ Ohne Platz zur Untersuchung und Behandlung von Verdachtsfällen habe das ganze Vorhaben keinen Sinn.

Drohende Hungersnot

Nun soll in Sierra Leone Experten zufolge auch noch eine Hungersnot drohen. Eine Studie der Welthungerhilfe zeige, dass sich die Folgen der Ebola-Epidemie in dem westafrikanischen Land weit dramatischer auswirken könnten als die Krankheit selbst. „Ab März rechnen wir hier mit gravierendem Hunger“, warnte Landeskoordinator Jochen Moninger am Donnerstag.

Grund für die prekäre humanitäre Lage sei unter anderem ein rasanter Anstieg der Lebensmittelpreise im ländlichen Raum, auch weil Transporte nur noch tagsüber zu bestimmten Zeiten erlaubt seien. „Um die Epidemie einzudämmen, wurden ganze Dörfer isoliert, in einigen Epizentren gehen die Nahrungsmittelvorräte zur Neige“, hieß es in einer Mitteilung.

In diesem Jahr könnten nur noch rund 40 Prozent der Felder bewirtschaftet werden. Die ganze Wirtschaft und weite Teile des öffentlichen Lebens in dem ohnehin bitterarmen Land seien wegen des Virus zusammengebrochen. Ausländische Firmen hätten das Land verlassen, lokale Märkte existierten nur noch eingeschränkt. Außerdem seien viele Menschen aus ihren Heimatorten weggegangen. „Wir müssen uns jetzt auf Nahrungsmittellieferungen in großem Umfang vorbereiten, das Gesundheitssystem verbessern, ein Frühwarnsystem einrichten“.

"Ärzte ohne Grenzen" kritisieren Merkel

Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ hat die versprochene Hilfe der Bundesregierung im Kampf gegen die Ebola-Seuche in Westafrika als unzureichend kritisiert. „Ich bin mir nicht sicher, dass man sich hier in Berlin des Ausmaßes dieser Krise wirklich bewusstgeworden ist“, sagte Geschäftsführer Florian Westphal am Donnerstag im „Deutschlandradio Kultur“. Auch der angekündigte Transport einer Krankenstation in das Krisengebiet sei ohne zugehöriges Personal wirkungslos. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Mittwoch zusätzliche Ebola-Hilfe in Form von Lufttransporten versprochen - Hinweise auf eine Beteiligung deutscher Soldaten direkt im Krisengebiet gibt es bislang nicht.

dpa

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