"Ihr stinkt"-Proteste

Ausschreitungen und fast 90 Verletzte bei Protesten in Beirut

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Bei den anhaltenden Protesten gegen die Müllkrise im Libanon ist die Gewalt erneut eskaliert. Nach Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten am Sonntagabend wurden nach Angaben des Roten Kreuzes ...
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... mindestens 59 Demonstranten ins Krankenhaus gebracht. 343 weitere Menschen seien wegen leichter Verletzungen vor Ort behandelt worden. 
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Auf Seiten der Sicherheitskräfte gab es nach deren Angaben 30 Verletzte. 
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Zu der erneuten Eskalation kam es, als am Sonntagabend etwa 200 zum Teil vermummte Jugendliche auf einem zentralen Platz demonstrierten und die Polizisten mit Steinen und mit Sand gefüllten Flaschen bewarfen. 
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Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein, ... 
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... um die Menge zu vertreiben.

Beirut - Bei den anhaltenden Protesten gegen die Müllkrise im Libanon ist die Gewalt erneut eskaliert. 

Nach Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten am Sonntagabend wurden nach Angaben des Roten Kreuzes mindestens 59 Demonstranten ins Krankenhaus gebracht. 343 weitere Menschen seien wegen leichter Verletzungen vor Ort behandelt worden. Auf Seiten der Sicherheitskräfte gab es nach deren Angaben 30 Verletzte. 

Zu der erneuten Eskalation kam es, als am Sonntagabend etwa 200 zum Teil vermummte Jugendliche auf einem zentralen Platz demonstrierten und die Polizisten mit Steinen und mit Sand gefüllten Flaschen bewarfen. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein, um die Menge zu vertreiben. Zuvor hatten sich am Nachmittag tausende Menschen vor dem Sitz von Regierungschef Tammam Salam versammelt. Sie protestierten friedlich gegen die Müllkrise, manche forderten den Rücktritt der Regierung. 

Salam erklärte sich zu Gesprächen mit den Organisatoren der Proteste bereit, die unter dem Motto "Ihr stinkt" stehen. Die Organisatoren der friedlichen Proteste gingen am Sonntagabend auf Distanz zu den gewalttätigen Demonstranten. "Mit dieser Gruppe und dieser Gewalt haben wir nichts zu tun", sagte ihr Sprecher Joey Ajub. Eine für Montagabend geplante, neue Demonstration sagten die Organisatoren ab. Die Demonstration sei aber nur "verschoben", hieß es am Montag auf der Facebook-Seite der "Ihr stinkt"-Proteste. "Die Bewegung ist nicht und wird nicht beendet." 

Gravierendes Müllproblem durch illegale Müllkippen

Seit Schließung der größten Müllkippe des Libanon Mitte Juli gibt es in dem Land ein gravierendes Müllproblem. Einige Gemeinden sammeln zwar den Abfall ein, laden ihn dann aber auf illegalen Müllplätzen ab. Die Bewegung "Ihr stinkt" hatte in den vergangenen Wochen bereits auf mehreren Kundgebungen eine Lösung für das Müllproblem gefordert. Die Forderungen der Demonstranten gehen aber über die Müllproblematik hinaus: Sie wollen auch ein Ende der Korruption, des politischen Stillstands und Verbesserungen bei der Infrastruktur des Landes wie der Strom- und Wasserversorgung. 

Müllberge nur Spitze des Eisbergs

Der Libanon steckt in einer tiefen politischen Krise. Das Parlament ist tief gespalten zwischen einem von den USA und Saudi-Arabien unterstützten Lager um den sunnitischen Ex-Ministerpräsidenten Saad Hariri und einem von der schiitischen Hisbollah-Miliz angeführten Block, der vom Iran und Damaskus unterstützt wird. Das Amt des Staatsoberhaupts ist seit mehr als einem Jahr unbesetzt. Die Wahl eines neuen Präsidenten scheiterte mehrfach. 

Der gemäßigte Regierungschef Salam hatte am Sonntag eingeräumt, dass die stinkenden Müllberge nur der Tropfen gewesen seien, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Er berief ein Kabinettssitzung ein, um eine Lösung für die Krise zu finden. Dabei kritisierte er auch die politische Spaltung, die das Land lähme. Darüber hinaus versicherte Salam, dass die Verantwortlichen in Polizei und Militär bestraft würden, die für übermäßige Gewaltanwendung bei einer Demonstration am Samstag verantwortlich gewesen seien. Bei den Protesten am Samstag waren bereits mindestens 16 Menschen verletzt worden.

afp

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