Radikale Islamisten suchen ihn

Mordaufruf: Autor Hamed Abdel-Samad taucht ab

+
Nach Todesdrohungen gegen ihn ist der Autor Hamed Abdel-Samad abgetaucht.

München - Der deutsch-ägyptische Publizist Hamed Abdel-Samad ist nach einem Mordaufruf gegen ihn abgetaucht. Die Drohungen sind schockierend.

Ein islamkritischer Vortrag in Kairo wurde ihm zum Verhängnis: Weil er von „religiösem Faschismus“ sprach, ist der deutsch-ägyptische Autor Hamed Abdel-Samad Morddrohungen ausgesetzt. Er ist nun untergetaucht. Der Publizist wurde mit der sogenannten Fatwa - ein von einem Gelehrten (Mufti) erstelltes Rechtsgutachten - belegt, radikale Islamisten rufen zu seiner Ermordung auf. „Hamed Abdel-Samad nimmt den Mordaufruf ernst und ist derzeit untergetaucht“, teilte sein Verlag Droemer Knaur in München mit.

Abdel-Samad, der 1972 in Ägypten als Sohn eines Imams geboren wurde, wurde neben seinen Büchern auch durch die TV-Serie „Entweder Broder - Die Deutschland-Safari“ an der Seite von Henryk M. Broder bekannt.

Nach einem islamkritischen Vortrag in Kairo in der vergangenen Woche hatten Assem Abdel Maged, ein führendes Mitglied der radikalen ägyptischen Gruppe Al-Gamaa Al-Islamija, und der Salafist Mahmud Schaaban den Autor in einer Sendung des TV-Senders Al-Hafes zum „Ungläubigen“ erklärt. Zahlreiche Internetseiten der Salafisten und Muslimbrüder zeigten nach Verlagsangaben das Bild des Autors mit der Überschrift „Wanted Dead!“.

Abdel-Samad, der sich in Büchern wie „Der Untergang der islamischen Welt“ und „Krieg oder Frieden: Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens“ kritisch mit dem Islam auseinandersetzt, hatte seinen Vortrag in Ägypten auf Einladung der Bewegung der „Säkularen“ gehalten. In der Rede erklärte er, die Eroberung der Stadt Mekka durch die Anhänger des Propheten Mohammed habe die Saat gelegt, aus der später der „religiöse Faschismus“ entstanden sei.

Die „Säkularen“ haben inzwischen Anzeige gegen die radikalen Islamisten erstattet, die zur Ermordung des Autors aufrufen. Abdel-Samad selbst geht davon aus, dass die Hetzkampagne gegen ihn dem Umfeld des ägyptischen Staatspräsidenten Mohammed Mursi entspringt. „Abdel-Maged ist in meinen Augen ein enger Verbündeter von Mursi“, sagte Abdel-Samad im „Spiegel Online“-Interview vor wenigen Tagen. „Ich finde es unhaltbar, dass Mursi es nicht verurteilt, wenn im ägyptischen Fernsehen offen und mehrfach zum Mord gegen eine Person aufgerufen wird.“

Im Interview forderte er auch die Bundesregierung auf, einzugreifen. „Als deutscher Staatsbürger erwarte ich zugleich von Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Westerwelle, dass sie den Aufruf aufs Schärfste kritisieren und Präsident Mursi dazu aufrufen, ihn ebenfalls zu verurteilen.“

Sein Verlag zeigte sich schockiert über die Morddrohungen und sagte dem Autor jede Unterstützung zu. „Denn wenn es eines braucht in dieser Lage, dann kritische Aufklärung, und für die steht Hamed Abdel-Samad nicht nur in Deutschland, und für die wird er nun mit dem Tod bedroht“, sagte Margit Ketterle, Verlagsleiterin bei Droemer Knaur.

dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.