Ein Jahr nach dem Terror-Akt

Boston-Marathon: Das Minuten-Protokoll

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Trauernde Menschen haben in Boston Kappen und Blumen für die Opfer des Anschlags auf den Marathon niedergelegt.

Boston - Erstmals nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001 sind die USA vor einem Jahr wieder Ziel eines tödlichen Bombenanschlags auf amerikanischem Boden geworden. Eine Chronologie:

15. April 2013, 10 Uhr: Der Massenstart des Boston-Marathons 2013 beginnt.

15. April 2013, gegen Mittag: Nach 2:10:22 Stunden kommt der schnellste Läufer, Lelisa Desisa aus Äthiopien ins Ziel. Sein weibliches Pendant, Rita Jeptoo aus Kenia, ist nach 2:26:25 Stunden die schnellste Frau.

Tag 1: Der Anschlag

15. April 2013, 14.50 Uhr: Nur etwa 20 Meter vor der Ziellinie an der Boylston Street explodiert plötzlich die erste Bombe. 

15. April 2013, 14.50 Uhr: Nur zwölf Sekunden später geht 1,4 Kilometer weiter entfernt an der Strecke vor einem Restaurant eine zweite Bombe hoch. Fensterscheiben bersten, Läufer werden durch die Druckwelle von ihren Beinen gerissen. Der Sprengsatz: Schwarzpulver in einem Druckkochtopf aus Chromstahl. In dem Topf: Nägel und Stahlkugeln aus Luftdruckpistolen.

15. April 2013: 14.51 Uhr: Panik bricht unter den Läufern, Betreuern und Zuschauern aus. Überall liegen Verletzte, Blut färbt die Straße rot, der Rauch der Explosion schwebt noch in der Luft. Retter und Zuschauer eilen zu den Opfern und versuchen zu helfen.

Drei Tote und 180 Verletzte

15. April 2013, 16.06 Uhr: Die Bostoner Polizei bestätigt: Es gibt zwei Tote und 22 Verletzte. Diese Zahl wird noch dramatisch steigen - auf drei Tote und 180 Verletzte. Unter den Toten ist auch der achtjährige Martin.

15. April 2013, 16.15 Uhr: Panik in der Bostoner JFK-Bibliothek! Auch hier soll es eine Explosion gegeben haben. Doch später stellt sich heraus, dass dieses Ereignis nichts mit den Boston-Bombern zu tun hat.

15. April 2013, 18.12 Uhr: Präsident Obama äußert sich zu der Tragödie in Boston. Er nennt den Anschlag eine "Tragödie" und eine "sinnlose Tat". Obama fordert das amerikanische Volk dazu auf, "heute Abend für Boston zu beten".

Tag 2 und 3: Fieberhafte Ermittlungen

16. April 2013, 11.30 Uhr: Der leitende Ermittler des FBI, Richard DesLauriers, kann auf einer Pressekonferenz noch keine Fortschritte präsentieren. Über die Täter oder die Hintergründe zur Tat tappen die Ermittler noch vollkommen im Dunkeln. Präsident Obama spricht derweil erstmals von einem "Terrorakt".

17. April 2013: Das FBI ermittelt fieberhaft in alle Richtungen, kann aber nach wie vor keine Ergebnisse nennen. Später wird bekannt, dass einer der Täter, der Tschetschene Dschochar Zarnajew, den Tag auf dem Campus der University of Massachusetts Dartmouth verbracht hat. Am Abend war er auf einer Party.

Tag 4: Schießerei auf dem MIT

18. April 2013, 11 Uhr: Präsident Obama nimmt an einem großen Trauergottesdienst für die Terror-Opfer in der Bostoner Heilig-Kreuz-Kathedrale teil. Er macht den Amerikanern Mut: "Die Bombe kann uns nicht besiegen. Wir machen weiter."

18. April 2013, 17.20 Uhr: Endlich eine erste Erfolgsmeldung der Ermittler: Das FBI gibt Fahndungsfotos von zwei Verdächtigen heraus. Eine Überwachungskamera im Zieleinlauf des Boston Marathons hat die Bilder aufgenommen. Ein Mann mit einer dunklen Mütze und ein Mann mit einer weißen Mütze sind darauf zu sehen. Beide tragen Rucksäcke, in denen sich die Bomben befunden haben sollen.

18. April 2013, 22.20 Uhr: Bei der Bostoner Polizei treffen Meldungen über eine Schießerei auf dem Gelände des Massachussetts Institute of Technology (MIT) ein.

18. April 2013, 22.30 Uhr: Die Polizei trifft auf dem Universitätsgelände ein -  und macht eine weitere schreckliche Entdeckung: Ein Polizist wurde von zahlreichen Kugeln verletzt, er stirbt später im Krankenhaus. Ob die Schießerei mit dem Anschlag auf den Boston Marathon in Verbindung steht, ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar.

18. April 2013, 22.48 Uhr: Das MIT warnt alle seine Studenten und bittet sie, in ihren Häusern zu bleiben.

Tag 5: Die Jagd beginnt

19. April 2013, 0.45 Uhr: Die Polizei verfolgt jetzt zwei Verdächtige. Diese entführen auf ihrer Flucht ein Auto und nehmen den Fahrer als Geisel, lassen ihn aber später an einer Tankstelle wieder frei. Während der Verfolgungsjagd liefern sich die Flüchtigen einen Schusswechsel mit der Polizei.

19. April 2013, 1.20 Uhr: Mittlerweile hat sich das Geschehen in die nahegelegene Ortschaft Watertown verlagert. Medien berichten von weiteren Explosionen. Ein Verdächtiger soll bei einem Schusswechsel mit der Polizei verletzt worden sein. Später stellt sich heraus, dass der Tschetschene Tamerlan Zarnajew mehrfach getroffen wurde. Sein Bruder Dschochar kann fliehen, überfährt ihn aber mit dem Fluchtwagen.

Ausnahmezustand in Boston

19. April 2013, 3.43 Uhr: Die Bostoner Polizei fordert die Bevölkerung in Watertown auf, in ihren Häusern zu bleiben und niemandem unbekannten die Tür zu öffnen.

19. April 2013, 4.15 Uhr: Ein Polizeisprecher bestätigt, dass es sich bei den Verdächtigen Personen um die mutmaßlichen Attentäter beim Boston Marathon handelt. Einer von ihnen, der auf den Fahndungsfotos eine dunkle Mütze trägt, sei tot.

19. April 2013, 5.44 Uhr: Mittlerweile ist der gesamte öffentliche Nahverkehr in Boston unterbrochen, um den Verdächtigen die Fluchtmöglichkeiten abzuschneiden. Auch der Autoverkehr ist untersagt, Geschäfte haben geschlossen.

19. April 2013, 6 Uhr: Schwer bewaffnete Polizisten durchkämmen nach Tagesanbruch jedes Grundstück und Haus in Watertown. 9000 Sicherheitsbeamte sollen im Einsatz sein. Die ganze Stadt wirkt belagert und umstellt, es kreisen Hubschrauber am Himmel.

19. April 2013, 7.35 Uhr: Jetzt ist auch der Zugverkehr von und nach Boston gestoppt, der Luftraum wird geschlossen.

19. April 2013, 7.50 Uhr: Während die großangelegte Suchaktion weiterläuft, geben die Ermittler die Identität des flüchtigen mutmaßlichen Attentäters offiziell bekannt: Es handelt sich um den 19-jährigen gebürtigen Tschetschenen Dschochar Zarnajew. Sein 26-jähriger Bruder Tamerlan ist bei dem Feuergefecht mit der Polizei ums Leben gekommen.

Mitschüler und Angehörige des Täters melden sich zu Wort

19. April 2013, 11.35 Uhr: Mitschüler und Kommilitonen von Dschochar melden sich in den Medien zu Wort. Sie alle beschreiben ihn als "friedlich und gut integriert". Auch sein Onkel tritt vor die Kameras und drückt den Opfern sein Mitgefühl aus. Wörtlich sagt er: "Ich schäme mich für meinen Neffen."

19. April 2013, 14.10 Uhr: Die Polizei sucht mittlerweile nach einem grünen Honda. Es könnte sich dabei um das Fluchtauto handeln.

19. April 2013, 15.44 Uhr: Auf einem Grundstück in Watertown hat die Polizei jetzt den Wagen sowie eine größere Menge selbst gefertigten Sprengstoff gefunden. Der Verdächtige hat sich aber nicht dort befunden.

Ein Bürger gibt den entscheidenden Hinweis

19. April 2013, 18.50 Uhr: Als David Henneberry, ein Bürger von Watertown, nach dem Ende der Ausgangssperre vor sein Haus tritt, entdeckt er in seinem Boot einen schwerverletzten Mann: Es ist der gesuchte Dschochar Zarnajew!

19. April 2013, 19 Uhr: Umgehend eilen die Einsatzkräfte zu Henneberrys Grundstück. Eine Wärmebildkamera liefert die Gewissheit: Es ist eine Person in dem Boot. Dann geht alles ganz schnell, es fallen Schüsse. Endlich: Der Verdächtige ist gefasst

19. April 2013, 20.49 Uhr: Endlich hat der Alptraum von Boston ein Ende. Die Polizei twittert: "Gefasst!!! Die Jagd ist vorbei. Der Terror ist vorbei. Die Gerechtigkeit hat gesiegt."

19. April 2013, 21.26 Uhr: Wie die Polizei in Boston mitteilt, befindet sich der gefasste mutmaßliche Bombenleger gesundheitlich in "kritischem Zustand".

19. April 2013, 21.45 Uhr: Präsident Obama lobt die Tapferkeit der Polizisten. "Nach fünf langen Tagen" sei ein wichtiges Kapitel dieses schlimmen Ereignisses abgeschlossen worden. Nun sollten alle noch ungeklärten Fragen - wie das Motiv der Täter - lückenlos aufgeklärt werden.

Die Wochen danach

25. April 2013: New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg gibt bekannt, die Brüder hätten nach dem Anschlag in Boston auch auf dem Times Square in New York Bomben zünden wollen.

27. Juni 2013: Mehr als zehn Wochen nach dem Anschlag ist Dschochar Zarnajew in 30 Punkten angeklagt worden. Das teilt das Justizministerium in Washington mit.

Die Anklage

10. Juli 2013: Bei seiner ersten Aussage vor einem Gericht in Boston plädiert Zarnajew auf unschuldig. Die Ankläger werfen ihm unter anderem vierfachen Mord, Verschwörung und den Einsatz von Massenvernichtungswaffen vor.

30. Januar 2014: Die Staatsanwaltschaft fordert die Todesstrafe, wie Justizminister Eric Holder mitteilt.

Prozessbeginn am 3. November

12. Februar 2014: Der Prozess gegen den mutmaßlichen Bombenleger soll nach Medienberichten am 3. November beginnen. 

10. April 2014: Russland hat nach einem Bericht der "New York Times" Erkenntnisse über den mutmaßlichen Attentäter zurückgehalten. Sie hätten vermutlich schon Jahre vor dem Terroranschlag zu stärkeren Ermittlungen des FBI geführt, heißt es.

Jahrestag: Gedenken an Terror bei Boston-Marathon

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