Jüdische Fanatiker als Täter im Verdacht

Brandanschlag auf Wallfahrtsort: 16 Jugendliche festgenommen

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Eine Nonne inspiziert die Zerstörung in einem Kirchenkomplex in Tabgha am See Genezareth.

Tabgha - Bei einem Brandanschlag wurde in der Nacht zum Donnerstag ein berühmter christlicher Wallfahrtsort am See Genezareth beschädigt. Der Täter war ein jüdischer Fanatiker, vermuten lokale Medien.

Bei einem Brandanschlag mutmaßlich jüdischer Fanatiker ist in der Nacht zum Donnerstag ein von deutschen Mönchen verwalteter Pilgerort am See Genezareth stark beschädigt worden. "An der Kirche brach in der Nacht ein Feuer aus", teilte die Polizei mit. "Auf den Wänden haben wir danach Schmähparolen auf Hebräisch gefunden."

Die israelische Regierung verurteilte die Tat scharf; der deutsche Botschafter eilte zum Anschlagsort. Die römisch-katholische Brotvermehrungskirche im Benediktinerpriorat Tabgha gilt gläubigen Christen als der Ort, an dem Jesus Christus bei der Speisung der Fünftausend eines seiner größten Wunder vollbrachte, indem er fünf Brotlaibe und zwei Fische vermehrte. Besonders ihre Mosaiken sind kulturgeschichtlich wertvoll. 

Zwei Verletzte im Krankenhaus

Nach Angaben von Polizeisprecher Micky Rosenfeld wurden zwei Menschen mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus gebracht. Der deutsche Pater Matthias vom Benediktinerorden, der die Stätte verwaltet, sagte, der Brand habe ein angebautes Atrium vollständig zerstört. Auch ein Säulengang wurde demnach stark beschädigt. "Der Kirche selbst ist Gottseidank nichts passiert", sagte der Benediktermönch der Nachrichtenagentur AFP. Mit den hinterlassenen Parolen auf Althebräisch werden "Heiden" geschmäht, wie ein AFP-Fotograf berichtete; zudem wird zur "Zerstörung von Götzen" aufgerufen, wobei es sich um eine Zeile aus einem Gebet handelt, das gläubige Juden dreimal täglich an Gott richten.

Der Brandanschlag werde unter den Christengemeinden in der ganzen Welt Empörung auslösen, sagte Wadie Abu Nasser, Berater der katholischen Bischöfe im Heiligen Land. "Das Ansehen Israels wird global beschmutzt, weil der Zusammenhang zwischen den Graffitis und dem Feuer klar ist", sagte er dem staatlichen israelischen Radio. Israels Minister für Öffentliche Sicherheit, Gilad Erdan, bezeichnete den Brandanschlag als feigen Akt, der den Grundwerten Israels widerspreche. Auch der jüdische Oberrabbiner David Lau verurteilte die Tat.

Deutscher Botschafter reist nach Tabgha

Der deutsche Botschafter in Israel, Andreas Michaelis, reiste am Vormittag nach Tabgha und erklärte, es müsse gewährleistet werden, dass religiöse Einrichtungen "in Israel ebenso wie in Deutschland und Europa geschützt sind und bleiben. Vorfälle dieser Art dürfen sich nicht wiederholen."

In jüngerer Zeit gab es in Israel und im besetzten Westjordanland häufig Anschläge auf christliche und muslimische Gotteshäuser, wobei die hinterlassenen Parolen auf Taten jüdischer Fanatiker und extremistischer Siedler hinwiesen. Die Aufklärungsquote ist sehr gering. So wurden im April die Grabsteine auf einem maronitisch-christlichen Friedhof an der Grenze zum Libanon zerstört.

Israels Staatschef Reuven Rivlin lud daraufhin die Spitzenvertreter der christlichen Kirchen in Israel ein und versprach ihnen, religiös inspirierte Hasstaten würden unterbunden. Auch der Pilgerort Tabgha war im April 2014 kurz vor dem Papstbesuch im Heiligen Land bereits Ziel kirchenfeindlicher Angriffe. Jugendliche Nationalreligiöse beschädigten auf dem Gelände Kreuze und griffen Geistliche an, als diese einschritten.

Brotvermehrungskirche wurde 1980 neu errichtet

Die ab 1980 im byzantinischen Stil neu errichtete Brotvermehrungskirche im Priorat Tabgha an der Nordwestecke des Sees Genezareth umschließt die Überreste von zwei Vorgängerbauten aus dem 4. und 5. Jahrhundert. Berühmt sind vor allem die Mosaikböden. Besonders verehrt wird ein Mosaik am Altar, das einen Brotkorb und zwei Fische zeigt. Zum Klostergelände gehören auch eine Jugendbegegnungsstätte und ein Pilgerhaus.

Polizei nimmt Jugendliche fest

Nach dem Brandanschlag hat die Polizei in der Nähe des Tatorts 16 jugendliche Siedler festgenommen. Demnach kommen die 16 Heranwachsenden allesamt aus jüdischen Siedlungen im besetzten Westjordanland. Zehn von ihnen stammten aus der nationalreligiösen Siedlung Jizhar südlich von Nablus, die als Hochburg rechtsextremistischer Siedler bekannt ist. Bewohner von Jizhar sind bereits häufig gewalttätig gegen palästinensische Nachbardörfer oder Soldaten der israelischen Armee vorgegangen. Mehrfach wurde in der Vergangenheit gegen Verdächtige aus Jizhar im Zusammenhang mit Hasstaten ermittelt.

AFP, dpa

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