Nach Breivik-Attentat

Diese Utøya-Gedenkstätte erzürnt Anwohner

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In dem Entwurf für die Gedenkstätte zerteilt ein dreieinhalb Meter breiter Schnitt die Insel Sorboten. Er symbolisiert die Wunde, die das Attentat hinterlassen hat.

Oslo - Ein zerteilter Felsen auf der norwegischen Insel Utøya soll an die Verletzungen durch die Anschläge des Massenmörders Breivik im Jahr 2011 erinnern. Doch Anwohner wehren sich gegen die geplante Gedenkstätte.

Die geplante Gedenkstätte für die Opfer der Anschläge des norwegischen Attentäters Breivik nahe der Insel Utøya stößt bei Anwohnern und Hinterbliebenen auf heftigen Widerstand. Wie der Rundfunksender NRK am Dienstag berichtete, haben Nachbarn des zukünftigen Mahnmals einen Anwalt eingeschaltet. Er solle die „Vergewaltigung der Natur“ und die „Retraumatisierung unschuldiger Zeugen der Tragödie des 22. Juli stoppen“.

Die Gedenkstätte soll in Sørbråten im Kreis Buskerud auf der Landseite gegenüber von Utøya entstehen. Auf der Insel hatte Anders Behring Breivik am 22. Juli 2011 69 Teilnehmer eines Jugendlagers der Arbeiterpartei getötet. Der schwedische Architekt Jonas Dahlberg will einen dreieinhalb Meter breiten Spalt in die Felsenlandschaft treiben. Dieser Spalt soll die Wunde symbolisieren, die die Anschläge in der norwegische Gesellschaft hinterlassen haben. An einer Seite der aufgeschnittenen Felswand sollen die Namen der Opfer vom 22. Juli eingraviert werden. Durch eine Glaswand auf der anderen Seite können Besucher die Namen lesen.

„Wir weigern uns, den 22. Juli für den Rest unseres Lebens jeden Tag nachzuerleben“, schreiben die Gegner nun in einer Facebook-Gruppe gegen die Gedenkstätte. Mehr als 900 sind inzwischen Mitglied. „Es wird so auffällig sein, dass die, die hier leben, es jeden einzelnen Tag sehen werden“, sagte deren Wortführer Ole Morten Jensen dem NRK. Andere fürchten, die Gedenkstätte werde zur Touristenattraktion.

Der Leiter der Jury, die den Entwurf des Schweden ausgewählt hat, nimmt die Kritik gelassen. „Es ist richtig, dass man an den 22. Juli erinnert wird. Es ist ja auch ein Ort des Gedenkens und nicht des Vergessens„, sagte Jørn Mortensen der Tageszeitung „Verdens Gang“. „Wir haben nicht einen Entwurf gewählt, der besonders harmonisch ist, sondern einen, der die Dramatik dessen ausdrückt, was passiert ist.“

Doch auch die Hinterbliebenen der Opfer sind verärgert. „Wir fühlen uns übergangen“, klagt Mai Britt Rogne, die ihre 17-jährige Tochter auf Utøya verloren hat. „Da wurde etwas über unsere Köpfe hinweg entschieden, ohne dass man uns gefragt hat.“ Sie möchte nicht, dass der Name ihrer Tochter in die Felsenwand graviert wird. Und sie ist nicht die Einzige.

Der Anwalt der Anwohner, Harald Stabell, hat nun einen Brief an das Kommunalministerium geschrieben, in dem er rechtliche Schritte androht.

dpa

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