In Gedenken an die Opfer

Frankreich: Fast vier Millionen Menschen bei Demos

Paris, Je suis Charlie
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Die Familien und Angehörigen der Opfer der Attentate in Paris marschieren gemeinsam mit weit über einer Million Menschen durch Paris.

Paris - In Paris haben sich Hunderttausende zu einem beispiellosen Gedenkmarsch aufgemacht. Zuvor ist ein mutmaßliches Bekenner-Video des Pariser Geiselnehmers Amedy Coulibaly aufgetaucht. Alle News im Ticker:

Die Fakten des Anschlags auf "Charlie Hebdo"

  • Nach dem Anschlag auf die Redaktion der französischen Satirezeitung "Charlie Hebdo" am Mittwoch in Paris, hielten am Freitag zwei Geiselnahmen ganz Frankreich in Atem. Im nordöstlich von Paris gelegenen Dammartin-en-Goele hatten sich die beiden mutmaßlichen Attentätet Said und Chérif Kouachi in einer Druckerei mit einer Geisel verschanzt. Die beiden Brüder waren seit dem Attentat am Mittwoch auf der Flucht gewesen.
  • In einem Geschäft für koschere Lebensmittel im Osten von Paris kam es am Freitagnachmittag zu einer weiteren Geiselnahme: Hier hatte der Täter, der mit den beiden Attentäter befreundet war, fünf Menschen in seiner Gewalt.
  • Fast zeitgleich hat die Polizei dann am Freitagabend die zwei Geiselnahmen beendet. Dabei wurden die drei Täter und insgesamt fünf Geiseln getötet.
  • Die Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) hat Frankreich unterdessen mit weiteren Anschlägen gedroht. Es werde neue Angriffe geben, sollte das Land nicht damit aufhören, den Islam, seine Symbole und die Muslime zu "bekämpfen".
  • Bei dem Attentat auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" am Mittwoch wurden zwölf Menschen durch Schüsse getötet - darunter acht Journalisten. Elf weitere Opfer wurden verletzt, vier davon schwer.

+++ 21.00 Uhr: Für heute beenden wir die Live-Berichterstattung über die Ereignisse in Frankreich. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Marokko nimmt wegen Karikaturen nicht an Trauermarsch in Paris teil

+++ 20.24 Uhr: Wegen "gotteslästerlicher Karikaturen" gegen den Propheten Mohammed beim großen Gedenkmarsch für die Anschlagsopfer in Frankreich hat der marokkanische Außenminister Salaheddine Mezouar nicht an dem Trauerzug teilgenommen. Die marokkanische Delegation habe im Elysée-Palast ihr Beileid zum Ausdruck gebracht, habe aber nicht an dem Gedenkmarsch teilgenommen, teilte die marokkanische Botschaft am Sonntag in Paris mit.

Hollande und Netanjahu besuchen in Paris Große Synagoge

+++ 20.08 Uhr: Nach dem großen Gedenkmarsch für die Anschlagsopfer in Frankreich hat Staatschef François Hollande zusammen mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu die Große Synagoge von Paris besucht. Beide wurden am Sonntagabend in dem randvollen Gotteshaus von den Gläubigen mit großem Beifall begrüßt, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Französische Karikaturisten veröffentlichen Anti-Pegida-Flugblatt

+++ 20.02 Uhr: „Pegida, verschwinde!“ - mit einem Flugblatt und Karikaturen haben sich französische und frankophone Karikaturisten gegen die islamfeindliche Bewegung Pegida gestellt. Sie seien empört über den in Dresden geplanten „Trauermarsch“, hieß es in einem Aufruf vom Sonntag. „Wir lehnen es ab, dass Pegida das Gedenken an unsere Kollegen vereinnahmen will“, sagte ein Mitorganisator und Sprecher der Aktion der Deutschen Presse-Agentur. Wegen des Anschlags auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ mit zwölf Toten haben die Pegida-Organisatoren ihre Anhänger aufgefordert, bei der Kundgebung an diesem Montag in Dresden Trauerflor zu tragen.

Pegida stehe für all das, was die Kollegen von „Charlie Hebdo“ durch ihr Werk bekämpft hätten, hieß es. Zu den bisher elf Unterzeichnern gehört auch der niederländische Karikaturist „Willem“, Gründungsmitglied und Zeichner bei „Charlie Hebdo“. Er überlebte, weil er während der Anschläge im Zug nach Paris saß.

„Wir, die französischen und frankophonen Zeichner, sind entsetzt über die Ermordung unserer Freunde. Und wir sind angewidert, dass rechte Kräfte versuchen, diese für ihre Zwecke zu instrumentalisieren“, heißt es in dem Flugblatt. Eine der Karikaturen zeigt etwa eine Hyäne und einen Aasgeier, die aus dem Terroranschlag Kapital schlagen wollen. Zugleich rufen die Zeichner die Dresdner zu Weltoffenheit und Toleranz auf. „In diesem Kampf ist Dresden, wie Paris, eine symbolische Stadt.“

Frankreichs Präsident umarmt und tröstet "Charlie Hebdo"-Kolumnisten

+++ 18.59 Uhr: Bei dem großen Gedenkmarsch für die Anschlagsopfer in Frankreich hat Präsident François Hollande am Sonntag einen Mann lange in den Armen gehalten und versucht zu trösten: Den Notarzt und Kolumnisten der Satirezeitung "Charlie Hebdo", der als einer der ersten am Mittwoch am Anschlagsort in den Redaktionsräumen in Paris war, in denen zehn Menschen von zwei islamistischen Attentätern erschossen wurden. "Ich habe sie nicht retten können...", hatte Patrick Pelloux danach mit tränenerstickter Stimme berichtet.

Pelloux, der auch Präsident der Vereinigung der Notärzte Frankreichs ist, war am Tag des Anschlags nicht bei der Redaktionskonferenz - er nahm ganz in der Nähe an einem Treffen von Notärzten und Feuerwehr teil. Dort wurde er kurz nach dem Anschlag angerufen: "Du musst schnell kommen, sie haben auf uns mit Kalaschnikows geschossen", erzählte Pelloux am Tag danach. "Erst habe ich gedacht, das ist ein Witz... Aber es war kein Witz. Es war entsetzlich, als ich angekommen bin."

Zusammen mit einem Feuerwehrmann sei er drei Minuten später in der Redaktion gewesen. "Und während wir uns um die Verletzten gekümmert haben, waren sie (die Attentäter) noch dabei, auf Leute in der Straße zu schießen." Trotz des schnellen Einsatzes sei die Hilfe für viele zu spät gekommen: "Wir konnten nichts mehr tun, weil sie ihnen in den Kopf geschossen hatten." Beim Trauermarsch am Sonntag in Paris lief Pelloux mit weißem Stirnband beim Redaktionsteam von "Charlie Hebdo" mit.

Begräbnis in Israel für jüdische Opfer in Supermarkt in Paris

+++ 18.25 Uhr: Die jüdischen Opfer des Anschlags auf einen koscheren Supermarkt in Paris sollen in Israel beigesetzt werden. Das gab das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am Sonntag bekannt. Die Details müssten noch ausgearbeitet werden.

Zuvor hatte der israelische Rundfunk berichtet, dass Joav Hattab (21), dessen Vater ein ranghoher Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Tunesien sei, am Dienstag in Jerusalem beigesetzt werden solle. Auch die Familien der drei weiteren jüdischen Opfer, Johan Cohen, Philippe Braham und François-Michel Saada, erwägten demnach eine Beisetzung in Israel.

Verfassungsschutz: Geheimdienst-Zusammenarbeit mit USA unverzichtbar

+++ 17.51 Uhr: Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, hält im Kampf gegen den Terrorismus eine enge Zusammenarbeit mit den US-Geheimdiensten für unabdingbar. „Man kann über die Partner kritisch sprechen, was die Datenschutz-Standards dort angeht, auch was die Aufklärung durch die NSA angeht. Im Punkt Terrorbekämpfung sind sie für uns unverzichtbare Partner“, sagte Maaßen am Sonntag in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“. „Wir pflegen schon einen sehr guten Informationsaustausch auf europäischer Ebene. Aber ganz entscheidend sind auch unsere Partner auf der anderen Seite des Atlantiks.“

Terroranschläge wie vor wenigen Tagen in Frankreich können Maaßen zufolge auch in Deutschland nicht ausgeschlossen werden. „Die Sicherheitsbehörden und insbesondere das Bundesamt für Verfassungsschutz weisen schon seit langem darauf hin, dass Deutschland, dass ganz Westeuropa im Fokus ist des global agierenden islamistischen Extremismus“, sagte er. „Wir haben Paris nicht vorhergesehen, aber es war damit zu rechnen, dass die Drohungen sich auch in Europa realisieren.“ Man müsse damit rechnen, dass Terroristen auch in Deutschland versuchen, Anschläge zu begehen.

USA: Keine Hinweise auf Al-Kaida hinter Pariser Anschlägen

+++ 17.36 Uhr: Die USA sehen derzeit noch keine stichhaltigen Hinweise auf eine Verwicklung des Terrornetzwerks Al-Kaida in die Anschlagsserie in Frankreich. "Zu diesem Zeitpunkt haben wir keine glaubwürdigen Informationen, um uns darauf festzulegen, welche Organisation dafür verantwortlich war", sagte US-Justizminister Eric Holder am Sonntag dem US-Sender ABC. Die Drahtzieher der Attentate mit insgesamt 17 Todesopfern müssten zweifelsfrei ermittelt werden, um festzulegen, "welche Vergeltungsmaßnahmen angemessen sind". Auch US-Generalstabschef Martin Dempsey erklärte im US-Sender Fox News, eine Verbindung zwischen den Attentätern und Al-Kaida sei noch nicht nachgewiesen.

Bombendrohung gegen belgische Zeitung wegen "Charlie Hebdo"-Karikaturen

+++ 17.11 Uhr: Wegen einer Bombendrohung sind die Redaktionsräume der belgischen Tageszeitung „Le Soir“ am Sonntagnachmittag geräumt worden. Ein Anrufer identifizierte sich nach Angaben des Blattes als ein in Belgien polizeibekannter Extremist. Er habe im Namen der „extremen Linken“ gefordert, die Berichterstattung über den blutigen Anschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ einzustellen, weil diese rechtsextremen Strömungen Auftrieb verleihe.

„Es wird knallen in Ihrer Redaktion. Sie nehmen uns nicht ernst“, sagte der Anrufer „Le Soir“ zufolge. Das Blatt mit Sitz in der Hauptstadt Brüssel gehört zu den bekanntesten Zeitungen Belgiens. Das gesamte Gebäude wurde nach der Räumung von der Polizei durchsucht, die Straße davor gesperrt, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtete. Die Journalisten zogen in ein benachbartes Hotel, die Montagsausgabe sollte wie gewohnt erscheinen.

Über 1,5 Millionen Menschen allein bei Demonstration in Paris

+++ 16.56 Uhr: Fast vier Millionen Menschen haben am Sonntag in zahlreichen französischen Städten an Solidaritätsmärschen für die 17 Opfer der islamistischen Terroranschläge teilgenommen. Das teilte das französische Innenministerium am Sonntagabend mit. Allein in Paris schätzen die Organisatoren bis zu 1,5 Millionen Teilnehmer. Das Innenministerium sprach am Sonntag von einer nicht zu kalkulierenden Zahl. "Paris ist heute die Hauptstadt der Welt", sagte Hollande vor dem Gedenkmarsch bei einem Ministertreffen. "Das ganze Land" stehe für seine Werte auf. Unter strahlend blauem Himmel strömten bereits ab dem Mittag hunderttausende Menschen in die Pariser Innenstadt, am Nachmittag setzte sich der Zug dann am Platz der Republik in Bewegung.

Der Marsch sollte bis zum Platz der Nation führen, der jedoch schon zu Beginn der Kundgebung völlig überfüllt war. Viele Demonstranten schwenkten französische Fahnen und sangen die Nationalhymne. Immer wieder wurde in Sprechchören "Charlie, Charlie" gerufen, unzählige Demonstranten hielten Schilder mit der Aufschrift "Je suis Charlie" hoch. Mit diesem Bekenntnis demonstrieren zahllose Menschen in ganz Frankreich und weltweit seit Mittwoch für Toleranz, Demokratie und Meinungsfreiheit.

Auch abseits des zentralen Gedenkmarschs in Paris gingen in zahlreichen französischen Städten am Sonntag wieder mehr als 600.000 Menschen auf die Straße. Die mit Abstand größte Kundgebung gab es mit bis zu 200.000 Teilnehmern in Lyon, gefolgt von Bordeaux, Marseille und Rennes. In Dammartin-en-Goële nordöstlich von Paris zogen etwa 10.000 Menschen durch die Straßen. In dem 8000-Einwohner-Ort hatten sich sich die beiden Attentäter nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" in einer Druckerei verschanzt, wo sie am Freitag von der Polizei erschossen wurden.

Auch in Berlin, Madrid, London, Brüssel und vielen weiteren Großstädten solidarisierten sich tausende Menschen mit den französischen Opfern. Auf dem Pariser Platz vor der französischen Botschaft in Berlin versammelten sich nach Polizeiangaben bis zu 9000 Menschen. In Brüssel gingen 10.000 Menschen auf die Straße.

Demo gegen den Terror: Hunderttausende trauern in Paris

Demo gegen den Terror: Hunderttausende trauern in Paris

Legida darf in Leipzig keine Mohammed-Karikaturen zeigen

+++ 16.34 Uhr: Vor dem Hintergrund der Terrorattacken in Paris hat die Stadt Leipzig eine Auflage erlassen, wonach beim ersten Aufmarsch der islamfeindlichen Bewegung Legida am Montag keine Mohammed-Karikaturen gezeigt werden dürfen. Die Entscheidung sei durch das Versammlungsgesetz gedeckt, sagte ein Sprecher der Stadt am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. „Nach Paris muss man davon ausgehen, dass die Mohammed-Karikaturen eine Provokation sind.“ Mit der Auflage solle dafür gesorgt werden, dass die Demonstration friedlich verlaufe. Für die Einhaltung der Auflage müsse der Veranstalter sorgen. FDP-Stadtrat René Hobusch kritisierte das Verbot als Zensur und unzulässige Einschränkung der freien Meinungsäußerung.

Wir sind alle Charlie - Menschen erinnern bundesweit an Terror-Opfer

+++ 16.31 Uhr: Mehrere tausend Menschen haben auch in Berlin der Opfer der Terror-Attacken in Paris gedacht und ihre Solidarität bekundet. Sie trafen sich am Sonntag vor der französischen Botschaft am Brandenburger Tor zu einer Mahnwache. Auch anderswo in Deutschland waren Gedenkveranstaltungen geplant. So versammelten sich in Hannover rund 300 Franzosen und Deutsche zu einer Solidaritätskundgebung. Etliche hielten - im Gedenken an die in Frankreich getöteten Karikaturisten - Kugelschreiber oder Bleistifte als Zeichen der Pressefreiheit in die Höhe.

Holder: Drahtzieher der Anschläge von Paris bisher unbekannt

+++ 16.27 Uhr: Die Ermittlungsbehörden wissen nach Angaben von US-Justizminister Eric Holder bisher nicht, wer hinter den Anschlägen in Frankreich steckt. „Wir haben zu diesem Zeitpunkt keine glaubwürdige Information, die uns eine Schlussfolgerung erlaubt, welche Organisation verantwortlich war“, sagte Holder am Sonntag dem US-Sender ABC. Einer Attentäter hatte sich zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannt, die anderen beiden hatten Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida. „Es ist klar, dass beide Organisationen eine Bedrohung für die USA und ihre Verbündeten darstellen“, sagte Holder.

Staats- und Regierungschefs verlassen Pariser Gedenkmarsch

+++ 16.04 Uhr: Die in Paris versammelten internationalen Staats- und Regierungschefs haben nach einer guten Viertelstunde ihre Teilnahme an dem großen Pariser Solidaritätsmarsch beendet. Der französische Staatspräsident François Hollande blieb am Sonntagnachmittag an Ort und Stelle und sprach mit den Angehörigen der Opfer, wie französische Medien berichteten. Zuvor hatte der 60-Jährige viele der Staats- und Regierungschefs umarmt.

Steinmeier: Herz Europas schlägt heute französisch

+++ 16.03 Uhr: Mit dem Marsch gegen den Terror in Paris zeigt Europa nach den Worten von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) seine Solidarität mit Frankreich und den Opfern. „Wir stehen fest und entschieden an der Seite unserer französischen Freunde und Nachbarn“, sagte Steinmeier am Sonntag in Paris nach Angaben seines Ministeriums. Die blutigen Anschläge richteten sich nicht nur gegen Frankreich. „Sie richteten sich gegen unsere Demokratien, unsere Werte und unsere offenen Gesellschaften“, sagte Steinmeier. Frankreich und Europa würden entschlossen für Freiheit und Demokratie einstehen und „sich nicht vom Terror und den Terroristen einschüchtern lassen“. Aus Sicht Steinmeiers zeigt die Kundgebung von Paris: „Heute schlägt das Herz Europas französisch.“ Demokratie, Freiheit und Solidarität seien „stärker als die grenzenlose Barbarei des Terrors“.

Gedenkmarsch für Opfer der Attentate in Paris begonnen

+++ 15.38 Uhr: In Paris hat am Sonntag der große Gedenkmarsch für die Todesopfer der islamistischen Anschlagsserie begonnen. Der Zug setzte sich am Nachmittag am Platz der Republik in Bewegung, ganz vorne liefen Familienangehörige der insgesamt 17 Opfer der islamischen Angriffe mit. Hunderttausende Menschen strömten zu dem "Republikanischen Marsch", darunter auch hochrangige Politiker aus rund 50 Ländern. Neben Frankreichs Präsident François Hollande nahmen unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas teil. Hollande und Merkel liefen zunächst untergehakt nebeneinander.

Viele Menschen in der Menge hielten Schilder mit der Aufschrift "Je suis Charlie" (Ich bin Charlie) hoch. Mit diesem Bekenntnis demonstrieren zahllose Menschen in ganz Frankreich und weltweit seit Mittwoch für Toleranz, Demokratie und Meinungsfreihet.

Jüdischer Supermarkt-Betreiber: Attentäter stürmte mit Kamera herein

+++ 15.34 Uhr: Der Betreiber des jüdischen Supermarkts in Paris, in dem ein radikaler Islamist am Freitag mehrere Geiseln genommen und vier Menschen getötet hatte, will nach Israel auswandern. Sein Bruder, Supermarkt-Besitzer Patrice Oualid, habe ihm gesagt, er könne nach der Gewalttat in seinem Geschäft nicht länger in Frankreich bleiben, sagte Joel Oualid der "Bild"-Zeitung vom Montag. Bei der mehrstündigen Geiselnahme waren vier Menschen getötet worden, bevor der Attentäter Amedy Coulibaly von der Polizei erschossen wurde.

"Er hat mir direkt nach dem Anschlag gesagt: Ich habe nur knapp überlebt, so viele meiner Angestellten und Kunden sind getötet worden. Ich kann nicht länger in Paris bleiben, sondern werde nach Israel gehen", sagte Joel Oualid. Er erwarte, dass weitere Juden aus Angst vor weiteren Anschlägen Frankreich verlassen würden. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte die französischen Juden am Samstag aufgerufen, nach Israel zu kommen, das er als ihre "Heimstatt" bezeichnete.

Oualid schildert in dem Interview mit "Bild" auch Details der Geiselnahme. Sein Bruder habe ihm gesagt, der Attentäter sei in Militärkleidung mit zwei Kalaschnikows und zwei Granaten in den Laden gestürmt. Am Bauch habe er eine Kamera befestigt gehabt, um die Ereignisse aufzuzeichnen. "Ihr seid Juden, ihr werdet heute alle sterben", habe er gerufen, sagte Oualid. Dann habe er einzelne Geiseln aufgefordert, in die Kamera zu sprechen und die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) zu grüßen.

Laut Oualid bat sein Bruder den Angreifer, nicht zu schießen. "Schießen Sie nicht auf die Leute, ich bin der Besitzer, was wollen Sie?", habe er gesagt. Coulibaly habe daraufhin gesagt: "Ich werde dich erschießen, nicht nur ich werde sterben, sondern auch du." Sein Bruder sei daraufhin hinausgerannt und glücklicherweise nur am Arm von den Kugeln des Attentäters getroffen worden.

Zehntausende erinnern in ganz Frankreich an Opfer der Attentate von Paris

+++ 14.41 Uhr: Auch abseits des zentralen Gedenkmarschs für die Opfer der islamistischen Anschlagsserie in Paris sind am Sonntag erneut zehntausende Franzosen auf die Straße gegangen. Landesweit nahmen mehr als 150.000 Menschen an Kundgebungen in mehreren Städten teil. In Saint-Étienne setzten nach Angaben der Polizei etwa 60.000 Demonstranten ein Zeichen gegen religiösen Fanatismus, in Perpignan beteiligten sich rund 40.000 Menschen an einer Kundgebung zu Ehren der 17 Getöteten.

In dem Ort Dammartin-en-Goële nordöstlich von Paris zogen etwa 10.000 Menschen durch die Straßen, wie der Bürgermeister der 8000-Einwohner-Gemeinde mitteilte. Dabei hielten sie Schilder mit der Aufschrift "Ich bin Charlie" oder "Freiheit" hoch. Die beiden Attentäter hatten sich nach dem Anschlag auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" in einer Druckerei im Gewerbegebiet des Ortes verschanzt, wo sie am Freitag von der Polizei erschossen wurden.

Attentäter Coulibaly verübte womöglich weiteren Anschlag

+++ 13.29 Uhr: Der islamistischen Attentäter Amedy Coulibaly hat womöglich noch einen weiteren Anschlag verübt: Die Staatsanwaltschaft stellte am Sonntag eine Verbindung zwischen dem späteren Geiselnehmer und den Schüssen auf einen 32-jährigen Jogger am Mittwochabend im Großraum Paris her. Es habe einen Abgleich der am Ort des Angriffs auf den Jogger gefundenen Patronenhülsen mit der Tokarew-Pistole gegeben, die nach der Geiselnahme am Freitag in einem jüdischen Supermarkt in Paris entdeckt worden war, erklärten die Ermittler.

Ein 32-Jähriger war am Mittwochabend beim Joggen in Fontenay-aux-Roses südlich von Paris durch Schüsse lebensgefährlich verletzt worden. Coulibaly "wohnte in derselben Gemeinde und der Angriff fand am Tag des Attentats auf 'Charlie Hebdo' statt", hatte es bereits am Samstag aus Ermittlerkreisen geheißen.

Palästinenser bekunden ihre Abscheu gegen Pariser Anschläge

+++ 13.21 Uhr: Mit Kundgebungen haben Palästinenser im Westjordanland ihre Abscheu gegen die Anschlagsserie in Paris zum Ausdruck gebracht. In Ramallah nahmen am Sonntag auf Einladung der PLO und der Fatah-Partei von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas auch viele Politiker und Medienvertreter an einer Solidaritätsdemonstration teil. Das Motto lautete "Palästina ist mit Frankreich solidarisch im Kampf gegen Terrorismus".

In Hebron, einer Hochburg der islamistischen Hamas, veranstalteten am Samstag Mitglieder der Fatah und des "Vereins für Kulturaustausch zwischen Hebron und Frankreich" eine Kundgebung. Sie trugen mehrsprachige Transparente mit der Parole "Gemeinsam gegen Fundamentalismus und für die Freiheit". Präsident Abbas reiste zudem in der Nacht zum Sonntag nach Paris, um dort am zentralen Trauermarsch für die 17 Opfer islamistischer Attentäter teilzunehmen.

Auch die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas verurteilte den Anschlag auf das französische Satire-Magazin "Charlie Hebdo". "Unterschiedliche Auffassungen und Denkweisen können keine Morde rechtfertigen", hieß es in einer am Samstag in französischer Sprache veröffentlichten Erklärung. Auf die Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt wurde in der Mitteilung kein direkter Bezug genommen.

+++ 13.06 Uhr: Schon Stunden vor dem großen Gedenkmarsch für die Opfer der islamistischen Anschlagsserie haben sich in Paris tausende Menschen versammelt. Zu dem "republikanischen Marsch" am Nachmittag im Zentrum der französischen Hauptstadt werden hunderttausende Teilnehmer und hochrangige Regierungsvertreter aus mehr als 50 Ländern erwartet.

Mutmaßliches Bekenner-Video von Coulibaly aufgetaucht

+++ 12.31 Uhr: Nach der Anschlagsserie in Paris ist am Sonntag ein mutmaßliches Bekenner-Video im Internet aufgetaucht. Ein Mann übernimmt darin die Verantwortung für den Mord an einer Polizistin am Donnerstag im Namen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Aufnahmen zeigten den Pariser Geiselnehmer Amedy Coulibaly und seien über einen Twitter-Account mit Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verbreitet worden, teilte der Internetdienst Site, der weltweit Terrorgruppen beobachtet, am Sonntag mit. Das rund sieben Minuten lange Video, das rasch wieder aus dem Internet entfernt wurde, wird von den Behörden auf seine Authentizität geprüft.

Wie bereits zuvor in einem Telefon-Interview mit einem Fernsehsender sagt der mutmaßliche Attentäter Coulibaly in dem Video, er habe seine Anschläge - er hatte am Freitag auch vier Geiseln in einem jüdischen Supermarkt erschossen - mit den "Charlie Hebdo"-Attentätern "abgestimmt". In Text-Montagen in dem Video wird der Mann als Coulibaly vorgestellt, der die Polizistin erschossen und "den Angriff" auf den jüdischen Supermarkt mit vier Toten ausgeführt habe.

Der Screenshot aus dem mutmaßlichen Bekenner-Video zeigt offenbar den Geiselnehmer und Terroristen Amedy Coulibaly.

In dem Video ist der Mann in ein traditionelles muslimisches Gewand gekleidet und vor einem großen weißen Tuch mit schwarzem Banner zu sehen. Sein Handeln begründet der spätere Attentäter in einer der Aufnahmen in französischer Sprache mit den Angriffen der westlichen Koalition auf die Gebiete des Islamischen Staates. „Ihr attackiert den Islamischen Staat, wir attackieren euch“, sagt er. Bei den Angriffen auf den IS würden auch Zivilisten getötet. „Warum? Weil wir die Scharia anwenden?“, fragt Coulibaly in die Kamera. „Seid Ihr diejenigen die entscheiden, was auf der Erde passiert?“

Den Treueeid liest er in stockendem Arabisch von einem Zettel ab: „Ich schwöre dem Emir der Glaubensstarken, Abu Bakr al-Kuraischi al-Bagdadi, die Treue in Wohl und Wehe“. Auffallend ist, dass er den Terrorfürsten mit seinem gewöhnlichen Namen anspricht. Den Namen „Ibrahim“, den sich der selbst ernannte Kalif gegeben hat, verwendet Coulibaly nur im Französischen.

Mit Blick auf Frankreich und die Franzosen hebt der mutmaßliche Attentäter hervor, die Anschläge seien "völlig legitim, wenn man sich ansieht, was sie machen". Und: "Ihr greift das Kalifat an, wir greifen euch an." Frankreich ist mit Luftangriffen im Irak an der internationalen Koalition gegen IS beteiligt.

Justizminister Maas fordert: Pegida soll Demonstration absagen

+++ 11.51 Uhr: Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat die Pegida-Organisatoren aufgefordert, ihre für Montag geplante Demonstration in Dresden abzusagen. „Hätten die Organisatoren einen Rest von Anstand würden sie diese Demonstrationen einfach absagen. Die Opfer haben es nicht verdient, von solchen Hetzern missbraucht zu werden“, sagte er der „Bild“-Zeitung (Montag).

Maas fügte hinzu: „Wie heuchlerisch ist das denn? In Dresden wollen Menschen mit Trauerflor am Arm eben jener Opfer in Paris gedenken, die sie vor einer Woche noch als Lügenpresse beschimpft haben. Es ist einfach nur widerlich, wie die Hintermänner dieser Demos das abscheuliche Verbrechen von Paris jetzt ausschlachten wollen.“

Partnerin von Geiselnehmer von Paris in Türkei gereist

+++ 11.43 Uhr: Nach den islamistischen Anschlägen in Frankreich steht sie ganz oben auf der französischen Fahndungsliste: Hayat Boumeddiene, die Lebensgefährtin des Attentäters Amedy Coulibaly. Die 26-Jährige gilt als Komplizin Coulibalys, der in einem jüdischen Supermarkt in Paris am Freitag mehrere Geiseln getötet und am Donnerstag am südlichen Stadtrand ein Polizistin erschossen haben soll. Coulibaly war am Freitag ebenso wie die beiden "Charlie Hebdo"-Attentäter Chérif und Said Kouachi von der Polizei erschossen worden.

Boumeddiene soll Frankreich bereits vor der islamistischen Anschlagserie verlassen haben. Sie soll bereits am 2. Januar in die Türkei und von dort wahrscheinlich weiter nach Syrien gereist sein. Zunächst hatte die französische Polizei die junge Frau verdächtigt, an dem offenbar von Coulibaly verübten Mord an einer Polizistin am Donnerstag südlich von Paris beteiligt gewesen zu sein. Die Ermittler vermuteten zudem anfangs, dass die junge Frau auch bei der Geiselnahme in dem jüdischen Supermarkt dabei war.

Paris: Jüdische Einrichtungen notfalls militärisch schützen

+++ 11:39 Uhr: Die französische Regierung hat nach Angaben des jüdischen Dachverbandes Crif militärischen Schutz für jüdische Schulen und Synagogen zugesagt, falls dies notwendig werde. Dies habe ihm Präsident François Hollande zugesichert, sagte der Crif-Vorsitzende Roger Cukierman am Sonntag nach einem Treffen in Paris. Cukierman sagte, nach den islamistischen Anschlägen der vergangenen Tage in Paris sei Frankreich "in einer Kriegssituation".

Frankreich seit langem ein Hauptziel gewaltbereiter Islamisten

+++ 11.37 Uhr: Seit vielen Monaten ist Frankreich zu einem Hauptziel gewaltbereiter Islamisten geworden. Besonders seit dem Beginn der französischen Militärintervention in Mali vor genau zwei Jahren, am 11. Januar 2013, wird das Land von Terrororganisationen wie Al-Kaida ins Visier genommen. Im westafrikanischen Mali hatte Frankreich mit seinem Militäreinsatz den Vormarsch der Islamisten im Norden des Landes stoppen können.

Seit Beginn des Einsatzes drohten Islamisten Frankreich wiederholt mit Vergeltung. So rief Al-Kaida im Islamischen Maghreb (Aqmi) Anfang Mai zu Angriffen auf französische Ziele in aller Welt auf. Frankreich führe einen "Kreuzzug gegen die Muslime". Einer der drei Attentäter von Paris, Amedy Coulibaly, war malischer Herkunft. Vor seinen Geiseln in einem jüdischen Supermarkt in Paris gab er als Grund für seine Tat unter anderem den französischen Militäreinsatz in Mali an.

Noch stärker ins Visier der gewaltbereiten Islamisten rückte Frankreich durch seine Beteiligung an der US-geführten Intervention im Irak und Syrien gegen die Extremistengruppe Islamischer Staat (IS). Als erstes europäisches Land schloss sich Frankreich am 19. September vergangenen Jahres den US-Luftangriffen gegen den IS im Irak an. In Syrien sind französische Kampfbomber bisher nicht im Einsatz. Der IS hat seither mehrfach gezielt zu Anschlägen - auch auf Zivilisten - in Frankreich aufgerufen.

Zentralrat: Wieder Juden Zielscheibe von islamistischen Terroristen

+++ 11.08 Uhr: Der Zentralrat der Juden in Deutschland fordert von Regierungen und Religionsgemeinschaften, stärker als bisher und gemeinsam gegen islamistischen Terrorismus vorzugehen. Die jüngsten Terroranschläge von Paris „richteten sich gegen unsere Demokratie, gegen die Presse- und Meinungsfreiheit und gegen unsere Werte“, erklärte der Präsident der Organisation, Josef Schuster, am Sonntag. Zudem habe sich „wieder auf brutale Weise gezeigt, dass auch Juden weiterhin Zielscheibe der islamistischen Terroristen sind. Die Menschen in Israel sind dieser Bedrohung seit vielen Jahren ausgesetzt. Leider wird das in Europa oft zu wenig wahrgenommen.“

De Maizière wirft Pegida Missbrauch der Anschläge von Paris vor

+++ 10.52 Uhr: Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat der islamfeindlichen Pegida-Bewegung vorgeworfen, die Terroranschläge von Paris politisch zu missbrauchen. "Die Instrumentalisierung eines so schrecklichen Mordanschlages für die eigenen Zwecke ist schäbig", sagte de Maizière der "Bild am Sonntag". Zugleich machte er erneut klar, dass der islamistische Terror mit aller Härte bekämpft werden müsse. "Die Islamisten bekommen unsere harte klare rechtsstaatliche Antwort, dazu brauchen wir nicht Pegida."

De Maizière warf den Pegida-Anhängern vor, Islam mit Islamismus gleichzusetzen. Es müsse aber unterschieden werden "zwischen Islamisten, die sich zu Unrecht auf die Religion berufen, um Straftaten und Morde zu begehen oder sich radikalisieren, und den Muslimen, die verfassungstreu in Deutschland ihren Glauben leben".

US-Außenminister macht Franzosen Mut

+++ 9:05 Uhr: US-Außenminister John Kerry hat den Franzosen vor der Großkundgebung für die Opfer der islamistischen Anschläge in Paris Mut gemacht. "Kein Terroranschlag wird jemals den Marsch der Freiheit stoppen", sagte Kerry am Sonntag bei einem Indien-Besuch. "Wir stehen heute Morgen mit der französischen Bevölkerung zusammen. Wir sind nicht nur in Zorn und Empörung vereint, sondern in Solidarität und Engagement gegen Extremisten."

Netanjahu: Israel ist Heimstatt der Juden - Valls: "Frankreich ohne Juden ist nicht mehr Frankreich"

+++ 7:54 Uhr: Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu forderte die Juden in Frankreich und ganz Europa am Samstag auf, nach Israel zu kommen. "Israel ist nicht nur der Ort, wohin ihr Euch beim Gebet wendet, der Staat Israel ist Eure Heimstatt", sagte er in einer Fernsehansprache, in der er auch die Namen der vier männlichen jüdischen Todesopfer des Anschlags auf den Supermarkt nannte.

Der französische Premierminister Manuel Valls stärkte den Juden in Frankreich hingegen den Rücken. "Frankreich ohne Juden ist nicht mehr Frankreich", sagte er bei einem Treffen des Rats jüdischer Institutionen in Frankreich. Zugleich räumte er ein, dass die Juden in Frankreich seit vielen Jahren "Angst" hätten.

Jüdische Opfer werden in Jerusalem begraben

+++ 7:31 Uhr: Mindestens eines der vier jüdischen Opfer des Anschlags auf einen koscheren Supermarkt in Paris soll am Dienstag in Jerusalem beigesetzt werden. Der Vater von Joav Hattab (21) habe dies im Gespräch mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu bestätigt, berichtete der israelische Rundfunk am Sonntag. Bei dem Vater Benjamin Hattab handele es sich um einen ranghohen Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Tunesien.

Auch die Familien der drei weiteren jüdischen Opfer, Johan Cohen, Philippe Braham und François-Michel Saada, erwägten eine Beisetzung in Israel.

Geiselnehmer versuchte sich zu rechtfertigen

+++ 7:26 Uhr: Der in einem jüdischen Geschäft in Paris erschossene islamistische Geiselnehmer hat sich gegenüber seinen Opfern zu rechtfertigen versucht. Seine Tat, bei der er vier der Geiseln erschossen hatte, sei eine Reaktion auf Angriffe des französischen Militärs gegen Muslime im Nahen Osten und in Mali und gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). „Wenn sie (die französischen Soldaten) nicht woanders angegriffen hätten, dann wäre ich nicht hier“, zitierte RTL den Geiselnehmer Amedy Coulibaly am Samstag.

Er hatte nach einem Telefongespräch mit dem Sender BMFTV während der Geiselnahme am Freitag die Telefonleitung nicht richtig geschlossen und die Polizei konnte mithören, was er den Geiseln sagte.

Der erschossene Geiselnehmer Amedy Coulibaly.

„Sie haben Menschen gefoltert. Sie müssen aufhören, den Islamischen Staat anzugreifen, unsere Frauen zu enthüllen, unsere Brüder grundlos in Gefängnisse zu stecken“, hielt Coulibaly den Geiseln vor. Diese machte er mitverantwortlich für das Handeln des französischen Staates: „Sie sind es, die die finanzieren. Sie zahlen Steuern und stimmen blind zu“, zitiert RTL weiter aus dem Tonmitschnitt. Eine Geisel antwortet: „Wir müssen Steuern zahlen.“ Darauf entgegnet der Geiselnehmer: „Sie müssen gar nicht, ich zahle meine Steuern nicht.“

Zum Schluss gab er sich siegessicher: „Sie haben es nie geschafft, uns zu schlagen. Wo immer sie hingingen, ist es ihnen nie gelungen. Allah ist mit uns.“

Auch Abbas und Netanjahu bei Gedenkmarsch in Paris

+++ 5:01 Uhr: Neben dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und vielen weiteren Staats- und Regierungschefs nimmt auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas am Sonntag am Gedenkmarsch für die Opfer der islamistischen Anschlagsserie in Frankreich teil. Dies bestätigte das Außenministerium in Paris am Samstag. Abbas werde vor der Kundgebung zusammen mit den anderen Staatsgästen von Präsident François Hollande empfangen werden.

Zu dem Gedenkmarsch am Sonntag in Paris wird mehr als eine Million Menschen erwartet. Fast 50 Staats- und Regierungschefs kündigten nach jüngsten Angaben ihre Teilnahme an, unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der britische Premierminister David Cameron. Nicht teilnehmen wird Regierungskreisen zufolge US-Präsident Barack Obama.

De Maizière ruft zu Wachsamkeit auf

+++ 01:54 Uhr: Nach den islamistischen Anschlägen mit insgesamt 17 Todesopfern in Frankreich hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) die Deutschen zu Aufmerksamkeit im Alltag aufgerufen. "Wir haben Radikalisierungsprozesse in Deutschland, bei denen sich Personen äußerlich und innerlich bis hin zu ihren Essgewohnheiten verändern", sagte de Maizière der Zeitung "Bild am Sonntag" aus Berlin. "Da ist Wachsamkeit der Bürger, der Familien, der Nachbarn, der Sportfreunde oder Mitgläubigen in Moscheegemeinden wichtig und richtig", fügte er hinzu.

Nach Anschlag in Paris festgenommener 18-Jähriger "schockiert"

+++ 01.07 Uhr: Drei Tage nach dem tödlichen Anschlag auf die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" hat sich der fälschlicherweise vorübergehend festgenommene 18-jährige Mourad Hamyd "schockiert" von den Ereignissen gezeigt. "Ich war fassungslos, völlig überwältigt", sagte der sichtlich erschöpfte Hamyd am Samstag im Beisein einer Anwältin und mehrerer Familienmitglieder der Nachrichtenagentur AFP. Von der Polizei sei er aber "sehr korrekt behandelt" worden.

Hamyd ist der Schwager eines der beiden mutmaßlichen Attentäter, die am Mittwoch die Redaktion von "Charlie Hebdo" in Paris überfielen und dort sowie auf ihrer späteren Flucht zwölf Menschen töteten. Nach einer Großfahndung und einer Geiselnahme wurden Chérif und Said Kouachi am Freitag von der Polizei erschossen. Hamyd hatte sich am Mittwoch der Polizei gestellt, nachdem sein Name im Zusammenhang mit dem Anschlag im Internet aufgetaucht war, und wurde am Freitag wieder freigelassen.

Der 18-Jährige beschrieb sich im Gespräch mit AFP als ganz normalen jungen Mann, der noch bei seinen Eltern lebe. Zum Zeitpunkt des Anschlags auf die Zeitung am Mittwoch befand er sich nach eigenen Angaben in der Schule, was viele Zeugen bestätigten. Dass er zeitweise als dritter Verdächtiger gesucht worden sei, habe ihn "schockiert", sagte Hamyd nun. "Die Menschen haben in sozialen Netzwerken fürchterliche und falsche Dinge über mich gesagt, obwohl ich ein normaler Schüler bin", beklagte er.

"Der Angriff war entsetzlich, und meine Gedanken sind bei den Opfern", sagte Hamyd, der nach offiziellen Angaben bis zu dem Anschlag nicht polizeibekannt war. Wie er ins Visier der Sicherheitsbehörden geriet, ist unklar. Sein Plan sei es, nach der Schule Medizin zu studieren, sagte Hamyd. Er hoffe, dass die Vorfälle der vergangenen Tage "nicht meine Zukunft verderben" und dass sein Name von der Öffentlichkeit wieder vergessen werde.

"Ich habe mit dieser ganzen Sache nichts zu tun", bekräftigte Hamyd. Chérif sei lediglich sein Schwager gewesen, zu dem die Familie "eine ziemlich entfernte Beziehung" gehabt habe.

Terroranschlag: Geiselnahmen beendet - mehrere Tote

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dpa/afp

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