In China wächst das Geld auf Bäumen

Diese Walnüsse sind wertvoller als Gold

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Der chinesische Bauer Li Zhanhua zeigt stolz zwei besondere Walnüsse.

Laishui - Früher waren die Bauern im chinesischen Laishui arm. Heute wächst bei ihnen das Geld auf den Bäumen. Sie züchten Walnussbäume, deren Früchte zum Teil wertvoller als Gold sind.

Grinsend vor Stolz steht Li Zhanhua im Schatten seiner grünen Walnussbäume, in den Händen hält er ein paar Nüsse. Sie haben ihn reich gemacht. "Die Preise dafür sind in den Himmel geschossen", sagt Li. Noch vor zehn Jahren plagten sich die Bauern im nur wenige Stunden von Peking entfernten Kreis Laishui mit dem Anbau von Weizen und Mais - und führten ein armseliges Leben. Heute fahren sie dank ihrer zu Sammlerobjekten gewordenen Walnüsse importierte Autos, besitzen Wohnungen in der Stadt und machen Urlaub.

Einmal verkaufte Li ein Walnusspaar für 160.000 Yuan (20.400 Euro). "Aber selbst ein relativ gewöhnliches Paar Nüsse kann, bezogen auf das Gewicht, teurer sein als Gold", sagt er. "Wir sind alle dankbar für die großen Veränderungen, die die Walnüsse uns gebracht haben. Unsere gesamte Entwicklung hängt von ihnen ab." Bis zu zwei Millionen Yuan bringt Li die jährliche Ernte ein.

Walnüsse als Sammlerobjekt oder Statussymbol

Den Käufern geht es nicht um die essbaren Kerne. Walnüsse sind für sie ein Spielzeug und Sammlerobjekt. Seit Jahrhunderten rollen Chinesen zum Zeitvertreib zwei Walnüsse zwischen Fingern und Handflächen. Besonders schöne Nüsse gelten als Statussymbol und werden unter Wohlhabenden gern verschenkt. Durch den chinesischen Wirtschaftsboom stieg die Nachfrage - besonders bei den Neureichen.

"Das ist gut für den Körper", sagt Li, während er ein Paar tiefbrauner Nüsse aus einem Schaukasten nimmt. Form und Farbe bestimmen den Preis. Die Bauern wühlen sich durch ganze Lastwagenladungen von Walnüssen, um zwei möglichst gleiche und symmetrische zu finden, denn diese sind die wertvollsten. Je größer und dunkler die Nüsse zudem sind, desto mehr Geld lässt sich mit ihnen verdienen.

Walnüsse sind auch unter Kriminellen begehrt - und beim Glücksspiel

"Jede ist einzigartig, und wenn man damit spielt, werden sie mit der Zeit rot", sagt Lis Nachbar Zhang Guifu, während er mit einem Hochdruckreiniger eine Kiste frisch geschälter Nüsse besprüht. "Sie sind nicht nur als Sammlerstücke wertvoll, sondern auch, weil sie das Gehirn fitter machen."

Seit die Preise stiegen, sind Walnüsse auch unter Kriminellen begehrt. Um Dieben das Handwerk zu erschweren, sichern die Bauern ihre Plantagen mit Stacheldrahtzäunen, grimmigen Wachhunden und Überwachungskameras. Investoren haben die Walnüsse ebenfalls für sich entdeckt, sie erhoffen sich von ihnen eine größere Wertsteigerung als von Bankkonten. Und sogar zum Glücksspiel eignen sie sich: Dabei werden die Nüsse in ihrer grünen Hülle zu einem festen Preis verkauft - ihr wahrer Wert zeigt sich erst, wenn sie geschält sind.

Auf dem Shilihe Markt in Peking sind die ungeschälten grünen Nüsse auf schwarzen Tüchern ausgestellt. Dutzende Männer flanieren rauchend an den Ständen vorbei und fachsimpeln. Miao Yaoge wiegt die Nüsse in seinen Händen, klopft auf die grüne Schale und entscheidet sich schließlich für ein Paar. Als er 2000 Yuan in Scheinen auf den Tisch legt, schält der Verkäufer sie mit einem Küchenmesser. "Schauen Sie, die Schale ist dünn", ruft er. Miao - ein imposanter kahlköpfiger Mann in weißem Jogginganzug - lächelt. Er schätzt den Wert seines Paars auf 2500 Yuan. "Das ist chinesische Kultur", sagt er dann erklärend. "Ich bin glücklich mit meinen Nüssen."

AFP

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