Umfrage zeigt:

Deutsche bewerten Klimawandel mehrheitlich als Gefahr

Berlin - Neun von zehn Deutschen (87 Prozent) sehen den Klimawandel als Gefahr für Mensch und Natur. Dabei ist die Bereitschaft, das eigene Verhalten zu ändern, nach dem Ergebnis einer repräsentativen Umfrage sehr unterschiedlich:

22 Prozent der Menschen fahren aus Klimaschutzgründen weniger Auto. 16 Prozent nutzen aus diesen Gründen ein spritsparendes Modell. 5 Prozent verzichten deswegen ganz auf ein eigenes Auto. In der Umfrage des Institutes YouGov sprachen sich mehr als die Hälfte (52 Prozent) der über 2000 erwachsenen Befragten dagegen aus, die Preise für Öl und Kohle zu erhöhen, um durch den Klimawandel verursachte Schäden zu finanzieren.

Gletscher schmelzen weltweit

Seit Anfang dieses Jahrhunderts schmelzen die Gletscher der Erde mit Rekordgeschwindigkeit. „Die Eisdicke der beobachteten Gletscher nimmt derzeit jedes Jahr zwischen einem halben und einem ganzen Meter ab, das ist zwei- bis dreimal mehr als der entsprechende Durchschnitt im 20. Jahrhundert“, sagte Michael Zemp vom World Glacier Monitoring Service in Zürich kürzlich. Inzwischen stehen den Forschern Daten von über 2300 Gletschern zur Verfügung.

HIMALAYA: Im höchsten Gebirge der Welt, schmelzen jedes Jahr viele Tausend Tonnen Himalaya-Eis. Allein Nepal hat mehr als 3200 Gletscher - noch zumindest. Von 1977 bis 2010 seien die vergletscherten Gebiete um fast ein Viertel geschrumpft, erklärt Samjwal Bajracharya vom International Center for Integrated Mountain Developement (Icimod) in Nepals Hauptstadt Kathmandu. Jedes Jahr verlöre Nepal etwa 38 Quadratkilometer Gletscherfläche.

Das Schmelzwasser füllt Gletscherseen, deren natürliche Dämme aus Felsen und Geröll plötzlich brechen können, wenn der Druck zu groß wird. Dörfer flussabwärts sind vermehrt von katastrophalen Überschwemmungen bedroht. Andere Bewohner müssen wegziehen, da es in höheren Regionen zu wenig Wasser gibt. „Direkt oder indirekt wird (die Gletscherschmelze) auch einen Einfluss auf die Stromgewinnung durch Wasserkraft, auf die Bewässerung in der Landwirtschaft und andere wirtschaftliche Faktoren des Landes haben“, meint Bajracharya.

ANDEN: Besonders drastisch zeigt sich die Gletscherschmelze in Peru, wo es 2679 Gletscher gibt. Das sind 71 Prozent der weltweiten Tropengletscher. Mit 1300 Quadratkilometern ist die gesamte Eisfläche in den letzten 40 Jahren um 42,64 Prozent geschrumpft. Die Gletscherschmelze hat in Peru seit 1940 ein halbes Dutzend katastrophale Erdrutsche verursacht. Über fünfzig der zahlreichen Berglagunen, die aus der Gletscherschmelze entstehen, stellen eine Gefahr für Ortschaften an den Berghängen dar. Ein plötzlicher Anstieg des Wasserspiegels kann zu hohen Flutwellen und Erdrutschen führen.

Die 9000 Einwohner von Carhuaz, zum Beispiel, hätten nur eine halbe Stunde Zeit, um die Stadt zu evakuieren, wenn die Lagune 513 am Vulkan Hualcán aus den Ufern tritt. An dieser Lagune begann 2011 - nach einer 28 Meter hohen Flutwelle im Vorjahr - der Aufbau eines Frühwarn-Systems, das heute auf alle Lagunen ausgeweitet wird.

ALPEN: Deutschlands größter Gletscher, der Nördliche Schneeferner auf der Zugspitze, ist in der Rekordhitze des vergangenen Sommers im Vergleich zum Vorjahr zwar deutlich stärker geschwunden. Doch der Glaziologe Wilfried Hagg von der Ludwig-Maximilians-Universität München will die insgesamt drei Zugspitz-Gletscher noch nicht aufgeben. Bei der aktuellen Schmelzrate werde vermutlich auch noch zur Jahrhundertmitte Gletschereis auf Deutschlands höchstem Berg zu finden sein. Neben drei Zugspitzgletschern gibt es in den deutschen Alpen noch den Watzmanngletscher und den Blaueis. Der Watzmanngletscher verlor von 2009 bis 2014 pro Jahr einen Meter Eis. Der Blaueis ist mittlerweile in zwei Teile zerbrochen.

Auch in Österreich und der Schweiz hat der Sommer 2015 den Gletschern in den Hochalpen stark zugesetzt. Nach zwei relativ kühlen, gletscherfreundlichen Jahren seien die Abschmelzraten in diesem Jahr wieder extrem, sagt Andrea Fischer von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. „Der Massenverlust kommt in die Nähe des Rekordjahres 2003.“ In der Schweiz deutet sich ein ähnlicher Trend an. Andreas Bauder, Glaziologe an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich sagte, vor allem kleinere Gletscher bis unter 3000 Metern Seehöhe seien „komplett ausgeapert“ - sie haben ihre Altschneeschicht verloren und sind der Sonne ungeschützt ausgesetzt.

AFRIKA: Der Kilimandscharo in Tansania - der höchste Berg Afrikas - wird je nach Expertenangaben in etwa 10 bis 30 Jahren fast komplett eisfrei sein. Im Jahr 1912 habe es noch rund zwölf Quadratkilometer Eis in Gipfelnähe gegeben, aktuell seien nur noch rund 1,5 Quadratkilometer übrig, sagte der Glaziologe Georg Kaser von der Universität Innsbruck. Zum Eisrückgang gibt es verschiedene Meinungen.

Für den US-Gletscherforscher Lonnie Thompson ist eindeutig der Klimawandel dafür verantwortlich. Kaser meint dagegen, das Eis auf dem Kilimandscharo gebe es nur wegen außergewöhnlicher Feuchtphasen, die in der Vergangenheit zum Aufbau der Gletscher geführt hätten. Eigentlich sei das Klima, das in der Region seit rund 10.000 Jahren vorherrsche, bis auf wenige kurze Ausnahmen nicht für Eisbildung geeignet. „Der Kilimandscharo ist einer der wenigen Berge, bei dem dieser Rückgang nichts mit dem Klimawandel zu tun hat“, sagte Kaser. Die Gletscher von anderen Bergen in der Region, wie zum Beispiel dem Mount Kenya, würden jedoch stark unter dem Klimawandel leiden.

Die Klimakonferenz in Zahlen

Rund 150 Staats- und Regierungschefs werden zum Auftakt des Klimagipfels in Paris erwartet. Auch sonst ist es ein Gipfel der großen Zahlen:

- Bis zu 45.000 Menschen werden auf dem Gelände des alten Flughafens Le Bourget nördlich von Paris erwartet.

- An den Verhandlungen sind 195 Länder und die Europäische Union beteiligt, sie schicken 10.000 Delegierte.

- 14.000 Vertreter von fast 2000 Nichtregierungsorganisationen dürfen ins Konferenzzentrum.

- Mehr als 3000 Journalisten sind akkreditiert. Mehr als doppelt so viele hatten sich beworben.

- 2800 Polizisten und Gendarmen schützen das Konferenzzentrum.

dpa

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