Deutsche Urlauber in Ägypten festgesetzt

Kairo/Al-Arisch - Im Süden Ägyptens haben aufgebrachte Wähler acht deutsche Urlauber festgesetzt, um eine Wiederholung der Parlamentswahl in ihrer Region zu erzwingen.

In der Provinz Süd-Sinai, in der auch die Badeorte Scharm al-Scheich und Nuwaiba liegen, hatte es zuvor zahlreiche Beschwerden wegen Wahlmanipulationen gegeben. Ein Verwaltungsgericht entschied in der Nacht zum Dienstag, dass die Wahl am 14. und 15. Januar nachgeholt werden soll. Daraufhin kamen die Touristen nach Angaben der Behörden wieder frei.

Nach Darstellung aus Behördenkreisen war die Gruppe deutscher und schottischer Touristen am Montag von Bewohnern der Provinz während eines Ausfluges gestoppt worden. Die Anwohner hätten die acht Deutschen und zwölf Schotten vier Stunden lang festgehalten und erst wieder auf freien Fuß gesetzt, nachdem die Entscheidung des Gerichts bekanntgegeben worden sei. Mit der Wiederholung des Urnengangs dürfte sich die Bekanntgabe des Endergebnisses der Parlamentswahl in Ägypten vermutlich um eine Woche verzögern.

Am Dienstag begann die letzte Runde der Wahl, die am 28. November begonnen hat und nach den bisherigen Ergebnissen mit einer Mehrheit für die Islamisten enden dürfte. Der Andrang vor den Wahllokalen war bei der Stichwahl für die Direktmandate in neun Provinzen am Morgen gering. Die Stichwahl, die auf der nördlichen Sinai-Halbinsel und in mehreren ländlichen Provinzen stattfindet, geht an diesem Mittwoch zu Ende. Anschließend sollte eigentlich das Endergebnis verkündet werden.

Rund um die Wahllokale hatte es seit Beginn der Wahl deutlich weniger Gewalt gegeben als bei den letzten Urnengängen unter Präsident Husni Mubarak, der nach Massenprotesten im vergangenen Februar vom Militär zum Rücktritt gedrängt worden war. Einheimische Wahlbeobachter meldeten jedoch zahlreiche Fälle von Stimmenkauf und Wählerbeeinflussung in den Wahllokalen.

Die liberale Partei der Freien Ägypter hatte am Montag erklärt, da die Wahlkommission diesen Beschwerden nicht ernsthaft nachgegangen sei, werde sie die Wahl zum Schura-Rat, der zweiten Kammer des Parlaments, boykottieren. Die Schura-Wahl beginnt am 29. Januar. Mubarak steht inzwischen vor Gericht. Der Staatsanwalt hat die Todesstrafe für den 83-Jährigen gefordert. Mubarak trägt nach Auffassung der Anklage die Verantwortung für den Tod von 846 Demonstranten während der Anti-Mubarak-Proteste Anfang 2011.

dpa

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