Doppelsternsystem: Weißer Zwerg grillt Roten Zwerg

+
Das Duo im Sternbild Skorpion besteht aus einem Roten Zwergstern und einem Weißen Zwergstern, der seinen roten Begleiter regelmäßig mit energiereicher Strahlung röstet. Foto: Mark A. Garlick/ESO/dpa

Forscher haben einen ungewöhnlichen Doppelstern entdeckt. Das System besteht aus einem weißen Zwerg, der mit seinem roten Begleiter nicht gerade zimperlich umgeht.

Garching/London (dpa) - Astronomen haben ein ungewöhnliches Doppelsternsystem entdeckt. Das Duo im Sternbild Skorpion besteht aus einem Roten Zwergstern und einem Weißen Zwergstern, der seinen roten Begleiter mit energiereicher Strahlung röstet.

Das in regelmäßigen Abständen pulsierende Doppelsystem sei zwar schon vor Jahrzehnten entdeckt, damals aber falsch als veränderlicher Einzelstern klassifiziert worden, berichtete die Europäische Südsternwarte Eso am Mittwoch an ihrem Hauptsitz in Garching bei München.

Erst jetzt sei mit dem "Very Large Telescope" (VLT) der Eso und mit anderen Instrumenten die wahre Natur des Systems erkannt worden. Forscher um Tom Marsh von der Universität Warwick (Großbritannien) stellen ihre Analysen im Fachblatt "Nature" vor.

Demnach hat der Weiße Zwerg, der nur etwa so groß ist wie die Erde, etwa zwei Drittel der Masse unserer Sonne. Der Rote Zwerg ist viel größer, hat aber nur ein Drittel der Masse unserer Sonne. Beide umkreisen sich alle 3,6 Stunden. Der schnell rotierende Weiße Zwerg ist stark magnetisch und beschleunigt mit seinem Magnetfeld Elektronen nahezu auf Lichtgeschwindigkeit.

Diese schnellen Elementarteilchen erzeugen einen gebündelten Strahl, der wie der Lichtkegel eines Leuchtturms regelmäßig den Roten Zwerg überstreicht. Dies lässt das gesamte System, das die Katalognummer AR Scorpii trägt, alle knapp zwei Minuten kurzzeitig hell aufleuchten. "Exotische Sternsysteme interessieren uns Astronomen besonders. Sie werfen spannende Fragen für die Astrophysik auf", sagte Manfred Gaida vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Allerdings sei noch unklar, woher die sogenannten relativistischen Elektronen bei dem Weißen Zwerg stammen.

Die Elektronen erzeugen auch Strahlung im Bereich der Radiowellen, die nach Eso-Angaben noch nie zuvor in einem System mit einem Weißen Zwerg beobachtet worden ist. "AR Scorpii wurde zwar schon vor über 40 Jahren entdeckt, aber seine wahre Natur war unbekannt, bis wir 2015 begonnen haben, ihn zu beobachten", sagte Warwick-Forscher Marsh. Amateurastronomen aus Deutschland, Belgien und Großbritannien war das ungewöhnliche Verhalten des Systems aufgefallen.

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.