Familie ist verzweifelt

Dortmunder in China im Koma - Kinder wollen ihn retten

Dortmund - Seit sechs Wochen liegt der Dortmunder Klaus Diszeratis in einem chinesischen Krankenhaus im Koma. Seine Kinder fürchten um das Leben ihres Vaters, denn die erforderliche Spezialbehandlung ist viel zu teuer.

Im Jahr 2010 wagte Klaus Diszeratis einen Schritt, der nun über Leben und Tod entscheiden könnte: Er wanderte nach China aus. 

Dabei begann das Abenteuer so vielversprechend: Schon seit Jahren hatte der gelernte Betriebsschlosser kontinuierlich daran gearbeitet, seine Karriere als Selbstständiger voranzubringen und vertrieb seit 2006 sehr erfolgreich Schuh-Accessoires übers Internet. Weil seine Produkte überwiegend in China hergestellt wurden, war er zu dieser Zeit bereits häufig in Asien unterwegs. Als ihm sein chinesischer Geschäftspartner schließlich anbot, ihn als Qualitätsmanager einzustellen, wagte der fünffache, geschiedene Vater den extremen Schritt: Er siedelte nach China um. 

Und zunächst hielt Diszeratis' Glückssträhne tatsächlich an: Der Alleinstehende traf in China auf seine große Liebe, heiratete erneut und bekam vor drei Jahren eine weitere Tochter. 

Alles schien perfekt - doch kurz bevor der erfolgreiche Geschäftsmann mit Frau und Kind nach Deutschland zurückkehren konnte, um seinem Kind später einmal beste Bildungs- und Karrierechancen ermöglichen zu können, machte ihm das Schicksal einen Strich durch die Rechnung: Diszeratis wurde plötzlich schwer krank. 

Warum hat er sich nicht privat versichern lassen? 

Sieben Tage lang quälte ihn ein ungewöhnlich hohes Fieber, bis er im "General Hospital Nanjing" mit der Diagnose Hirnhaut- und Lungenentzündung in ein natürliches Koma fiel. Es bräuchte eine Spezialbehandlung, damit er ordentlich regenerieren kann - doch die ist in China ohne Privatversicherung unbezahlbar. Und leider hat Diszeratis - vermutlich um Geld zu sparen - darauf verzichtet, sich privat versichern zu lassen.   

Seine Hoffnung, dass er nicht ernsthaft erkranken würde, wurde ihm nun zum Verhängnis: Bislang hat zwar sein chinesischer Geschäftspartner die immensen Kosten übernommen, doch auch dessen Geld wird langsam knapp. 

Diszeratis' Familie - Frau und Kind in China sowie seine fünf Kinder in Deutschland - ist zunehmend verzweifelt, denn auch eine Überführung nach Deutschland ist einfach zu teuer: Es bräuchte eine spezielle Maschine, Personal und Gerätschaften, um den Patienten nach Deutschland zu holen. Und auch die weiteren Behandlungskosten und Umzugskosten sind nicht zu verachten.

"Wir müssen ihn so schnell wie möglich nach Hause holen! Doch dafür brauchen wir Geld, das wir nicht haben.", erklärt Tochter Nathalie in einem Gespräch mit den "RuhrNachrichten". Sie hat inzwischen auch die Vormundschaft für ihren Vater übernommen.

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Die Überführung würde die Familie rund 80.000 Euro kosten - das ist viel Geld, das die Kinder eigentlich nicht haben. Doch sie tun alles, um es mühsam zusammenzukratzen: Erst kürzlich sammelten sie Spenden während eines BVB-Spiels und hatten am Ende immerhin 2300 Euro der Dortmunder Stadiongäste zusammen. Auch weitere Einzelpersonen und die katholische Kirche haben gespendet, die Summe beläuft sich mittlerweile auf 20.000 Euro.

Doch noch immer ist fraglich, ob die Familie den Vater tatsächlich retten kann - denn Diszeratis' Kinder, die (mit Ausnahme der Jüngsten) mittlerweile 22 bis 34 Jahre alt sind, stehen mit ihrem Unterfangen unter enormem Zeitdruck: "Niemand weiß, ob und wann er erwachen wird", sagt Nathalie. "Und genauso groß ist die Angst, dass er stirbt, bevor wir das Geld für die Transportkosten zusammenhaben."

Ans Aufgeben ist natürlich trotzdem nicht zu denken - erst am Dienstagabend trafen sich die fünf Geschwister wieder am BVB-Stadion, um Geld zu sammeln. "Wir werden alles dafür tun, das für unseren Vater hinzubekommen", bestätigt Nathalie Diszeratis.

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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