Vater erhält nach Geburt Ultimatum

Das Baby oder ich: Mutter verstößt dieses behinderte Kind

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Samuel Forrest kämpft für seinen erst drei Wochen alten Sohn Leo - obwohl er das Down-Syndrom hat. Denn für ihn ist das selbstverständlich.

Jerewan - Eine Mutter bringt ein Baby zur Welt - und muss feststellen, dass es das Down-Syndrom hat. Sie stellt den Vater vor die Wahl: Das Kind oder ich. Der Vater entscheidet sich für den kleinen Leo und kämpft nun für seinen behinderten Sohn.

Der kleine Leo ist erst drei Wochen alt und hat schon seine Mutter verloren. Nein, sie ist nicht bei der Geburt gestorben oder bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Sie hat ihr Baby verstoßen. Denn Leo kam mit dem Down-Syndrom zur Welt. Eine Behinderung beim eigenen Kind ist für alle Eltern, egal wo auf der Welt, immer ein Schock. Aber in Armenien, wo Leo das Licht der Welt erblickte, gilt ein Baby mit Down-Syndrom als eine Strafe Gottes, eine Schande für die ganze Familie. Dementsprechend haben die Ärzte und Schwestern den kleinen Leo von Anfang an behandelt.

Sein Vater, Samuel Forrest, berichtet gegenüber dem US-Nachrichtenportal abcnews.com: "Die Kinderärztin kam mit einem kleinen Bündel aus dem Zimmer - das war Leo. Sie hatte sein Gesicht verdeckt und die Krankenhausmitarbeiter wollten mich weder meinen Sohn noch meine Frau sehen lassen. Als der Doktor rauskam, sagte er 'Da gibt es ein echtes Problem mit Ihrem Sohn.'" Sie hätten ihn dann zu Leo geführt und ihm gesagt, dass sein Baby das Down-Syndrom hat. Im ersten Moment war das für den frischgebackenen Vater natürlich ein Schock, aber als er seinen Sohn das erste Mal im Arm hielt, war es Liebe auf den ersten Blick. "Ich habe diesen Kerl angesehen und gesagt 'Er ist wunderschön - er ist perfekt und ich werde ihn auf jeden Fall behalten!'"

Spendenaktion für kleinen Leo: Knapp 460.000 Euro in nur 11 Tagen

Doch da hatte Forrest noch nicht mit seiner Frau gesprochen. Als er sie nach der Geburt zum ersten Mal sah, reagierte sie völlig anders als erwartet. "Sie hat mich sofort vor ein Ultimatum gestellt", berichtet der gebürtige Neuseeländer weiter. "Sie hat mir gesagt, falls ich das Baby behalte, würden wir uns scheiden lassen." Für Forrest war dieser Schock noch größer als der, dass sein Sohn eine Behinderung hat. Denn er wusste nicht, dass es in Armenien gang und gäbe ist, dass Eltern Babys, die mit einem Handicap auf die Welt kommen, ablehnen - und das von den Ärzten sogar unterstützt wird. Seine Frau habe ihre Entscheidung hinter seinem Rücken gefällt. Zeit, mit ihr alleine und in aller Ruhe darüber zu reden, habe es nicht gegeben.

Trotz des Ultimatums habe für ihn außer Frage gestanden, dass er seinen Sohn behalten und großziehen will, sagte Forrest gegenüber abcnews.com. Seine Frau habe dann eine Woche nach der Geburt bereits die Scheidung eingereicht. Er hat sich deshalb entschieden, dass Leo in seiner Heimat, Neuseeland, aufwachsen soll. Da Forrest selbst nicht viel Geld hat, hat er auf der Internetseite GoFundMe eine Spendenaktion für seinen Sohn ins Leben gerufen. Innerhalb von nur elf Tagen ist dort eine Summe von knapp 420.000 Euro zusammengekommen (Stand 7. Februar). Und minütlich gehen mehr Spenden ein.  

Geld soll auch anderen Kindern mit Down-Syndrom zu Gute kommen

Unterstützer aus aller Welt haben in nur elf Tagen bereits knapp 460.000 Euro für den kleinen Leo gespendet.

Samuel Forrests Ziel war es eigentlich, genug Geld für den Flug und das erste Jahr in Neuseeland zusammenzubekommen. Dann wolle er einen Halbtages-Job annehmen, damit ihm noch Zeit bleibt, sich um Leo zu kümmern. "Er hat in nur zwei Wochen sehr viel verloren. Es wäre sehr viel anders, wenn er seine Mummy noch hätte", so der frischgebackene Papa. Da nun aber unerwartet so viel Geld zusammengekommen ist, will Forrest auch etwas Gutes damit tun. "Nach allem, was ich mit Leo durchgemacht habe, werde ich mich nicht zurücklehnen und zusehen, wie Babys in Heime geschickt werden", sagte er abcnews.com. Neben einem guten Zuhause für sich und seinen Sohn sowie eine gute Ausbildung für Leo, will Forrest das Geld in Armenien investieren. Dort möchte er Eltern unterstützen, die ihre Kinder trotz Behinderung behalten. Und auch das einzige Waisenhaus des Landes, das immer wieder Babys mit Down-Syndrom aufnimmt, soll etwas von den Spenden abbekommen. Darüber hinaus sollen Organisationen, die sich bewusst für Down-Syndrom-Kinder einsetzen, von dem Geld profitieren.

"Kinder mit Down-Syndrom bekommen einen Stempel aufgedrückt. Wenn wir hinter diese Stigmatisierung blicken, werden wir sehen dass sie normal sind. Sie sind ein klein wenig anders als wir, aber sie sind immer noch normal", so Forrest. Jedes Down-Syndrom-Kind habe seine ganz eigene Begabung und er wolle auf jeden Fall herausfinden, welche das bei Leo ist und ihn entsprechend fördern. Denn, so der stolze Vater: "Dieser kleine Kerl ist toll!"

Update vom 8. Februar 2015: Inzwischen hat sich auch die Mutter zu Wort gemeldet und erzählt ihre Version der Geschichte.

pie

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