Einsturz-Drama in Lüttich: Tote und Vermisste

Brüssel - Beim Einsturz eines Wohnhauses im Zentrum der ostbelgischen Universitätsstadt Lüttich sind mindestens neun Menschen ums Leben gekommen.

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Lüttich: Mädchen lebend aus Trümmern geborgen

Mehrere Familien vermissten weiter ihre Angehörigen, teilten die Behörden am Donnerstag mit. Der fünf- stöckige Altbau war in der Nacht zum Mittwoch zunächst von einer Explosion erschüttert worden, wenige Stunden später krachte das Gebäude in sich zusammen. 21 Menschen wurden verletzt, drei von ihnen schwer. Ein Mädchen wurde Mittwochmittag gut zwölf Stunden nach der Explosion lebend aus den Trümmern geborgen. Die neun Toten seien noch nicht identifiziert worden, sagte Staatsanwältin Danièle Reynders. Die Rettungskräfte hätten die Hoffnung noch nicht aufgegeben, weitere Lebende zu finden, berichtete die Nachrichtenagentur Belga.

Bilder von den Rettungsarbeiten

Lüttich: Bilder von den Rettungsarbeiten

Am Donnerstagmorgen musste die Feuerwehr die Suche nach den Vermissten vorübergehend einstellen, da die Nachbargebäude ebenfalls einzustürzen drohten. Die Einsatzkräfte warteten auf spezielles Gerät, um die Unglücksstelle und die Nachbarhäuser abzusichern. Wie genau es zu dem Unglück kommen konnte, war zunächst unklar. Vermutlich waren undichte Gasleitungen die Ursache, nachdem das Gebäude schon am Samstag wegen Gasgeruchs evakuiert worden war.

Bei einer Überprüfung der Leitungen fanden Experten aber offensichtlich kein Leck. Die Ermittler gehen nun auch der Möglichkeit eines Fremdverschuldens nach. Die Straße vor dem Haus und die nähere Umgebung waren weiter gesperrt, die Gasversorgung unterbrochen. Die Druckwelle hatte in Autos und Häusern in einem Umkreis von teils mehreren hundert Metern die Scheiben bersten lassen. Nach der Explosion um kurz vor zwei Uhr morgens war das Gebäude in Flammen aufgegangen. Ein Großaufgebot an Feuerwehr und Polizei musste wenig später die Lösch- und Bergungsarbeiten aufgeben, als offensichtlich wurde, dass das Gebäude einstürzen könnte.

Ein Mann - zunächst war von einer Frau die Rede gewesen - konnte noch lebend gerettet werden, als das Haus schließlich wenige Minuten später gegen 7 Uhr morgens in sich zusammenbrach. Teilweise mit bloßen Händen suchten die Rettungskräfte bis in die frühen Morgenstunden des Donnerstags nach Verschütteten, unterstützt von Spürhunden. Die Behörden schickten ein Team ähnlich dem, das Belgien jüngst ins Erdbebengebiet von Haiti geschickt hat. Wegen der Einsturzgefahr mussten die Einsatzkräfte vorsichtig sein, behalfen sich teilweise mit durch die Wände der Nachbarhäuser geschlagenen Tunneln. Das Unglück sorgte in Belgien für Bestürzung. Premierminister Yves Leterme besuchte Opfer und Helfer am Donnerstagmorgen; König Albert II war Mittwochabend nach Lüttich gekommen.

In der ehemaligen Kirche Saint-André wurden Familien, die weiter auf Nachrichten ihrer Angehörigen warteten, betreut. 58 Anwohner wurden anderweitig untergebracht, darunter fünf Kinder. Zahlreiche Hotels hatten sich spontan als Herbergen zur Verfügung gestellt. Bürgermeister Willy Demeyer betonte, Priorität habe die Suche nach weiteren Verschütteten sowie die Absicherung der Unglücksstelle, bevor die Menschen des Viertels wieder Quartier beziehen könnten.

dpa

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